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17.06.2011

22:21 Uhr

Griechenland-Krise

Ackermann drückt aufs Tempo

Die Banken müssen einen Zahlungsausfall in Griechenland um jeden Preis vermeiden - selbst eine sanfte Pleite hätte fatale Folgen. Ackermann macht Druck - dabei gibt es aus Athen durchaus erfreuliche Neuigkeiten.

Einig mit Blick auf Griechenland

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann forciert eine Lösung des griechischen Schuldendramas: Jede Umschuldung griechischer Staatsanleihen müsse für private Investoren rein freiwillig sein. Ein Kreditereignis oder Ratingereignis müsse in jedem Fall vermieden werden, sagte Deutschlands mächtigster Banker in einem Interview mit dem US-TV-Sender CNBC. Die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) sollten zudem schon in den nächsten Tagen entscheiden, ob weiteres Geld nach Griechenland geschickt werde, forderte Ackermann.

Ackermann Nervosität hat einen einfachen Grund: Jede Form des Zahlungsausfalls in Griechenland hat für Banken wie die Deutsche Bank gravierende Folgen. Denn dann würden Wertverluste auf griechische Anleihen in der Gewinnrechnung wirksam und würden das Ergebnis der Geldinstitute massiv belasten. Ende 2010 hatte die Deutsche Bank gegenüber Griechenland 1,6 Mrd. Euro im Feuer, teilte das größte deutsche Kreditinstitut im März
mit.

Zudem müssten alle Anleihen bei einem Zahlungsausfall vollständig mit Eigenkapital unterlegt werden - dann käme auf die Geldinstitute neuer Kapitalbedarf in Milliardenhöhe zu. Um dieses Szenario zu umschiffen, winden sich Banken wie Politiker bislang mit großer Mühe darum, das Wort Zahlungsausfall in den Mund zu nehmen und sprechen stattdessen von "freiwilliger" Umschuldung. Bei dieser sanften Pleite sollen Banken ihre Griechen-Anleihen freiwillig gegen neue Papiere mit längeren Laufzeiten eintauschen. Die Ratingagenturen haben allerdings bereits mitgeteilt, dass sie auch diesen Trick als Zahlungsausfall werten würden.

Nach zwei Tagen des politischen Chaos, der die griechische Regierung ins Wanken brachte, rückte Deutschland von seiner Forderung ab, private Gläubiger an den Rettungskosten für Griechenland auch gegen deren Willen zu beteiligen. Stattdessen soll nun auf Freiwilligkeit gesetzt werden.

Es handele sich um einen „großen Durchbruch“, erklärte Sarkozy. Der beruhe auf vier Prinzipien: Freiwilligkeit, Schnelligkeit, kein Zahlungsausfall und Einverständnis mit der Europäischen Zentralbank (EZB).    

Wie könnte eine Verlängerung griechischer Staatsanleihen aussehen?

Wann sollten die Laufzeiten verlängert werden?

Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.

Wie sehen die Sicherheiten aus?

Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.

Was ist wichtiger - Garantien oder Zinsen?

Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte erst vor wenigen Tagen verlangt, die Banken müssten ihre Griechenland-Anleihen noch vor der Fälligkeit in neue Anleihen mit sieben Jahren Laufzeit umtauschen, um dem Land mehr Luft zum Atmen zu geben. Dies müsse weitergehen als die „Wiener Initiative“, bei der sich Banken vor einigen Jahren gegenüber Osteuropa verpflichtet hatten, erst nach Ablauf der Anleihen neue zu kaufen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schwenkte heute bei ihrem Treffen mit Sarkozy auf die französische Linie ein und nannte die Wiener Initiative eine „gute Grundlage“. Auch Sarkozy sprach vom „Geist von Wien“. Jetzt müssten aber noch „technische Fragen“ geklärt werden.    

Auch von einer Verschiebung der Verhandlungen bis September wie noch am Vortag war nun keine Rede mehr. Merkel sprach sich jetzt dafür aus, das Hilfspaket so schnell wie möglich zu verabschieden. „Wir brauchen jetzt ein neues Programm für Griechenland“, sagte sie.    

Merkel forderte ihre Parteifreunde von der griechischen konservativen Opposition auf, mitzuarbeiten. „Es wäre gut, wenn auch die Opposition den Ministerpräsidenten unterstützen würde“, sagte sie. Sie stehe bezüglich der Sparbemühungen jedenfalls hinter dem Sozialisten Papandreou, mit dem sie am Vortag telefoniert habe. Bislang lehnt die konservative griechische Oppositionspartei „Neue Demokratie“ das Sparpaket ab.    

Kommentare (39)

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touspourun

17.06.2011, 22:54 Uhr

Fatale Folgen für wen? Für den Bonus von Ackermann und Co? Die Spekulanten wollen Griechenlands Vermögenswerte zum Nulltarife erwerben. Keine Regulierung für Kreditausfallversicherungen trotz der vielen Worte unserer Politiker nach der Finanzkrise. Es wird ein heisser Sommer in Europa. Politiker brauchen den Druck der Strasse um zu verstehen, daß kein stolzes Land bereit ist sich von der Wall Street Mafia und dessen Ableger der IWF vorführen zu lassen. Vorbild Island: Spekulanten und Banker im Gefängnis.

Pharisaer_allerorten

17.06.2011, 22:54 Uhr

Der gleiche Ackermann, der das hier sagte:

16.05.2010
http://www.youtube.com/watch?v=Z6gRUy_Lzss&feature=related

Schäuble: „In einer Zeit, wo viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sich Sorgen machen, große Sorgen machen, wird die Politik von den Vertretern der Finanzwirtschaft nicht alleine gelassen, herzlichen Dank.“

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767516,00.html

Lassen wir Steuerzahler ruhig weiter von Ackermann und Konsorten mit dem Nasenring durch die Manage führen, wir haben es nicht anders verdient.
Wer schweigt, stimmt zu!

peter644

17.06.2011, 23:00 Uhr

shame on you !!!

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