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27.06.2011

17:40 Uhr

Griechenland-Krise

Ackermann fürchtet Zusammenbruch à la Lehman

Eile ist Gift für durchdachte Entscheidungen. In der Griechenland-Krise will Josef Ackermann nichts riskieren und mahnt zur Besonnenheit. Ruhe ist nicht die Stärke von Nicolas Sarkozy. Er prescht mit neuen Plänen vor.

Josef Ackermann beim Bankentag in Frankfurt. Quelle: Reuters

Josef Ackermann beim Bankentag in Frankfurt.

Frankfurt/Paris/RomDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt vor Schnellschüssen bei der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland. Auf dem Reuters-Bankentag zog Ackermann am Montag in Frankfurt die von der Politik noch in dieser Woche gewünschte Einigung zur Beteiligung privater Gläubiger in Zweifel. Griechenlands Lage sei sehr kritisch. „Es ist noch viel Arbeit notwendig. Wir brauchen alle Investoren im Boot.“ Er rate daher, den Zeitdruck aus der Debatte zu nehmen. Ein Scheitern könnten sich Banken und Politik nicht leisten: „Griechenland allein ist schon groß. Aber wenn man eine Ansteckung anderer Länder einbezieht, wäre es größer als Lehman“, sagte Ackermann mit Blick auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank, der im Herbst 2008 die weltweite Finanzkrise massiv verschärft hatte.

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Frankreich preschte unterdessen mit der Beteiligung seiner Banken an neuen Hilfen für das hoch verschuldete Griechenland vor. Die Regierung in Paris einigte sich mit den Kreditinstituten auf einen Vorschlag, der privaten Gläubigern eine Verlängerung der Laufzeit auslaufender griechischer Staatsanleihen auf 30 Jahre schmackhaft machen soll. Frankreich werde nun die Einzelheiten des Plans mit den EU-Partnern durchgehen, sagte Präsident Nicolas Sarkozy. Er hoffe, dass sich andere Länder ein Vorbild daran nähmen. Ackermann sagte, das französische Modell sei nur eine von mehreren Möglichkeiten. Private Gläubiger seien grundsätzlich willens, ihren Beitrag zu leisten, betonte er im Gespräch mit Reuters TV: „Aber niemand ist bereit, schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen.“ Es sei aber besser, etwas mehr Lasten zu schultern, als einen Kollaps Griechenlands in Kauf zu nehmen.

Welche Folgen hätte eine griechische Staatspleite für Europa?

Banken

Mangels Käufer müssten weltweit Banken ihre Hellas-Anleihen in den Bilanzen abschreiben: an erster Stelle griechische und andere europäische Banken. Auch viele andere Institutionen wie Versicherungen oder Pensionsfonds haben die Papiere in ihren Büchern. Zudem wird ein Dominoeffekt ausgelöst: Wer für seine Anleihen eine Kreditausfallversicherung am Markt abgeschlossen hat, muss nun ausbezahlt werden. Weitere Abschreibungen sind die Folge. Griechische Anleihen sind auch in strukturierten Wertpapieren enthalten, die ebenfalls an Wert verlören.

Ansteckungsgefahr

Höchstwahrscheinlich würden auch die Refinanzierungskosten der anderen Euro-Schwächlinge Portugal und Irland sofort in die Höhe schießen. An den Kapitalmärkten würde spekuliert, dass Portugal als nächstes seinen Schuldendienst einstellen muss. Bereits jetzt wird an den Märkten die Wahrscheinlichkeit einer Pleite binnen der kommenden 24 Monate als sehr hoch eingeschätzt. Wackelt Portugal, rückt auch Spanien erneut ins Visier der Spekulanten. Denn spanische Banken sitzen nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf portugiesischen Schulden in Höhe von 80 Milliarden Euro. Ein Ausfall würde das ohnehin angeschlagene Banksystem hart treffen und damit den spanischen Staat, der seine Geldinstitute stabilisieren müsste.

Reißt die Krise Spanien mit in den Abgrund, wäre der GAU voraussichtlich da: Das Land hat die viertgrößte Volkswirtschaft in Europa. Der Euro-Rettungsschirms EFSF wäre überfordert. In der Folge würden auch Deutschland und Frankreich angesteckt: Französische Banken halten der BIZ zufolge spanische Anleihen im Umfang von etwa 140 Milliarden Euro - doppelt so viel wie griechische. Deutsche Institute sind mit 180 Milliarden dabei, sechs Mal soviel wie sie in Griechenland investiert haben.

Sicherheiten

Bei einer Staatspleite könnten griechische Banken griechische Staatsanleihen nicht mehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheiten für ihre kurzfristige Refinanzierung hinterlegen. Das griechische Bankensystem wäre in Windeseile pleite, wenn keine kurzfristige Lösung gefunden wird. Ein „bank run“ wäre kaum noch zu vermeiden: Vor den Filialen würden sich Schlangen bilden, jeder würde versuchen, schnell noch Geld abzuholen. Die
griechische Regierung müsste Auszahlungs-Limits erlassen, um den endgültigen Kollaps der Banken und einen Zusammenbruch des Bargeldverkehrs zu stoppen.

Die Bevölkerung würde auch an anderer Stelle hart getroffen: Der Staat könnte die Gehälter für Staatsdiener nicht mehr zahlen und Rechnungen etwa für Bauprojekte nicht mehr begleichen. Die Folge wäre ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Würde sich die EZB entschließen, die Pleiteanleihen doch zu nehmen, würde sie damit voraussichtlich Verluste einfahren. Muss infolgedessen die EZB rekapitalisiert werden, träfe das die anderen Euro-Länder, an erster Stelle das größte: Deutschland.

Als Präsident des Internationalen Bankenverbandes IIF ist Ackermann an den Gesprächen beteiligt. Ein Treffen in Rom von IIF-Geschäftsführer Charles Dallara mit hochrangigen Banken- und EU-Vertretern ging wie erwartet ohne Ergebnis zu Ende. Dallara sprach von Fortschritten. Bei dem Treffen seien alle Institutionen der Euro-Zone und auch die EU-Kommission vertreten gewesen, sagte ein Sprecher in Brüssel. Dabei sei nicht nur der französische Vorschlag beraten worden.

Kommentare (37)

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Hansi

27.06.2011, 17:51 Uhr

Wir müssen alle hinter Dr. Ackermann stehen, und zwar geschlossen.
In Europa wird niemand zurückgelassen, erst recht kein CEO.
Nicht auszudenken, wenn die Eigenkapitalrendite von 25% dieses Jahr verfehlt würde.
Ab September ist wieder Bonus Season, da können wir ihm doch jetzt nicht ins Kontor hauen.

Uebersetzer

27.06.2011, 18:02 Uhr

Ich übersetze mal kurz, was Ackermann eigentlich sagen möchte:

A: „Es ist noch viel Arbeit notwendig.
Meint eigentlich:
Die Griechen müssen begreifen, das sie die nächsten Jahrzehnte unter dem Diktat des Finanzsektors und der EU- Eurokraten stehen werden. Sie müssen REFORMEN => Abbau umsetzen und ihre Wirtschaft privatisieren, worin ein blendendes Geschäft für die Gläubiger winkt.“

A: „Wir brauchen alle Investoren im Boot.“
Meint eigentlich:
„Alle Gläubiger müssen raus aus dem Risiko und ihre wertlosen Staatsanleihen rechtzeitzig vorm Schuldenschnitt bei der EZB (sprich dem Steuerzahler) abladen. Gewinne privatisieren, Schulden sozialisieren, kein Risiko, so macht das Banksterleben Spaß und wird noch mit hohen Bonizahlungen versüßt.“

A: „Ein Scheitern könnten sich Banken und Politik nicht leisten“
Meint eigentlich:
„Wer ausser dem Finanzsektor und der Politik will eigentlich eine Rettung der Pleitestaaten?
Niemand, selbst die Griechen nicht, denen man diese hunderte Milliarden Euro schweren Rettungspakete diktatorisch aufnötigt und sie somit über Generationen prekariatisiert.“

helle

27.06.2011, 18:40 Uhr

Typisch Bank-Dummschwätzer, nur noch unseriös.
Den Karren in den Dreck gefahren und immer noch eine große Klappe
Das Licht am Ende des Tunnels kommt vom Zug der auf sie zurast.

Hoffentlich erwischt er diese Lumpen.

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