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15.07.2011

16:33 Uhr

Griechenland-Krise

Der große Schnitt nach vorn

VonHannes Vogel

Griechenland steckt zu tief in der Schuldenfalle - nur ein sauberer Schuldenschnitt kann das Land noch retten, meinen Experten. Doch wie führt man ein ganzes Land in die Insolvenz? Eine Anleitung für die Staatspleite.

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DüsseldorfIm Kampf gegen die griechische Schuldenkrise läuft Europa die Zeit davon: „Diese von Griechenland ausgelöste Vertrauenskrise gefährdet inzwischen den Euro als Ganzes. Deshalb müssen wir dieses Problem überzeugend angehen“, sagte Finanzminister Schäuble am Freitag der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Schäubles Worte der Verzweiflung bestätigen die Befürchtungen, die viele Finanzexperten seit Monaten mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand kundtun: "Eine geordnete Umschuldung kann nicht länger ein Tabu sein", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle am Donnerstag dem Handelsblatt. "Weitermachen wie bisher ist nicht möglich, die Wirklichkeit hat uns eingeholt", resümierte am Mittwoch auch Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Griechenland dürfte also um eine Umschuldung nicht länger herumkommen. Doch auch wenn Europas Politikern und Bankern das Reizwort "Pleite" inzwischen einfacher über die Lippen geht als noch vor wenigen Wochen, löst das noch lange nicht ein Problem: Wie führt man ein ganzes Land in den Bankrott?

Für den Zahlungsausfall von Staaten hat niemand vorgesorgt. Anders als bei der Pleite von Unternehmen gibt es beim Bankrott von Staaten keine Insolvenzordnung, keinen Insolvenzverwalter, keine Institutionen, die im Chaos konkurrierender Zahlungsansprüche Ordnung und einen Interessenausgleich unter den Gläubigern schaffen.

Und dennoch: Die Gläubiger Griechenlands interessieren wie die Gläubiger eines Unternehmens vor allem zwei Dinge: Wieviel von ihrem verliehenen Geld sie zurückbekommen und ob sie gegenüber anderen Gläubigern bevorzugt behandelt werden.

Seit Monaten ringt die EU um Antworten auf diese beiden Fragen. Denn sie werden nicht nur über das Schicksal Griechenlands und seiner Gläubiger (vor allem Banken und Versicherer), sondern möglicherweise auch das Schicksal anderer Schuldenstaaten wie Irland, Portugal und Italien und damit die Zukunft des Euro und Europas mitentscheiden.

Denn wenn Griechenland zahlungsunfähig wird, verspielt es vielleicht auf Jahre seine Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten und die einiger seiner Euro-Partner gleich mit, wie eine neue Studie zeigt ("Der hohe Preis eines Haircut").

Andererseits: Zwar kann Griechenland die Insolvenz länger verschleppen als ein Unternehmen. Bislang haben ihm die anderen Euroländer mit Finanzspritzen tatkräftig dabei geholfen. Doch irgendwann muss das Land raus aus den Schulden - nur wie?

Kommentare (39)

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Karsten

15.07.2011, 16:38 Uhr

Die Griechen heben ihr Geld von den Banken ab - ihr solltet es auch tun !!!!!
Kauft Silber und Gold.
Diesen Euro Schrott gibt es nicht mehr allzu lange ......

PikAs

15.07.2011, 16:46 Uhr

Die Schuldenkrise ist hausgemacht. Nicht nur in Griechenland. Erst durch den Euro hatten die Staaten die Möglichkeit, sich so extrem zu verschulden.

Wenn man das eingesehen hat, dann weiß man, dass der Euro keinen Bestand haben darf. So unterschiedliche Länder passen nun wirklich nicht in eine Währung.

Hat man sich mal mit dem Vertrag von Lissabon befasst, gibt es auch nur eine Lösung: WEG DAMIT!

Ein solches Europa will kein vernünftiger Mensch. Weder in den Nehmer- noch in den Geberländern.

Warum nur können Politiker kein Scheitern zugeben? Statt dessen wird mit aller Macht versucht, an etwas festzuhalten, was nicht funktioniert.

Wir müssen zurück - nicht vorwärts! Die EWG hat prima funktioniert.

Der Euro wird sowieso zerbrechen. Spätestens dann, wenn hier auch die Schlafenden merken, dass ihre Spareinlagen bereits verfrühstückt wurden.

Account gelöscht!

15.07.2011, 16:56 Uhr

Blessings Plan, 70% der Forderungen unter EU Garantie zu verlängern, bedeutet effektiv eine Übernahme der griechischen Schulden durch Deutschland. Griechenland wird auch in 30 Jahren seine Schulden nicht zahlen können, also wird der Bürge gewürgt. Fraglich ist allerdings, ob in 30 Jahren das von der demographischen Katastrophe geschwächte Deutschland noch in der Lage sein wird, für die Schulden anderer aufzukommen. Die wenigen jungen Deutschen werden genug zu tun haben, die Alten zu ernähren, geschweige denn, die Schulden Griechenlands und anderer Pleitegänger zu bezahlen. Wieder wird ein aktuelles Problem auf die junge Generation abgewälzt.

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