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06.08.2015

07:37 Uhr

Griechenland-Krise

Deutschland teilt Tsipras' Optimismus nicht

Griechenlands Premier Alexis Tsipras sieht die Verhandlungen mit den Gläubigern auf der Zielgerade. In Kürze rechnet er mit einer Einigung. Können die frischen Milliarden also bald fließen? In Berlin gibt es Zweifel.

Alexis Tsipras wähnt sich in den Verhandlungen mit den Gläubigern kurz vor dem Ziel. ap

Alexis Tsipras

Alexis Tsipras wähnt sich in den Verhandlungen mit den Gläubigern kurz vor dem Ziel.

BerlinIn Athen verhandelt die griechische Regierung mit den Gläubigern die Bedingungen für ein drittes Milliarden-Paket. Premier Alexis Tsipras gibt sich optimistisch. Er sieht die Gespräche bereits auf der Zielgeraden. „Wir sind in der letzten Phase der Fertigstellung einer Vereinbarung mit den Institutionen“, sagte Tsipras gerade erst. Dagegen wachsen in der Bundesregierung Zweifel, ob das 86-Milliarden-Hilfspaket für Griechenland noch rechtzeitig vor dem 20. August vereinbart werden kann.

In Berlin werde mit einer weiteren Brückenfinanzierung für Athen gerechnet. Denn die Verhandlungen der Geldgeber mit der griechischen Regierung könnten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, berichtet die „Bild“-Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise. Athen muss am 20. August 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank zahlen.

Das griechische Schuldendrama von A bis M

A wie Austerität

Das Schlagwort der Krise. Umschreibt die Sparpolitik, um Haushaltsexzessen Einhalt zu gebieten. Weiteres Kürzen stürze die Menschen ins Elend und würge die Konjunktur ab, klagt Tsipras und steht damit nicht allein. Haushaltsdisziplin sei wichtig, um die Krise überwinden können, sagen Befürworter. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werfen Kritiker vor, für einen übertriebenen Sparkurs in Europa einzutreten.

B wie Bargeld

Äußerst knapp in Griechenland. Seit Ende Juni dürfen die Griechen an Bankautomaten nur noch täglich bis zu 60 Euro abheben. Weil viele aus Angst vor der Staatspleite ihre Konten leerräumten, droht den Banken das Geld auszugehen.

D wie Draghi

Mario Draghi, mächtiger Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die über die Stabilität des Euro wacht. Draghi spielt eine Schlüsselrolle im Griechenland-Drama. Wenn die EZB den Geldhahn zudreht, weil es zu keiner Lösung kommt, stehen die Banken vor dem Aus; Griechenland dürfte dann endgültig zahlungsunfähig sein.

E wie Eurogruppe

Die Versammlung der Finanzminister aus den 19 Euroländern stieg in der Finanz- und Wirtschaftskrise zum weltweit beachteten Entscheidungsgremium auf. Sie hebt oder senkt den Daumen über Milliarden-Hilfsprogramme für die Euro-Krisenländer.

F wie Finanzmärkte

Verlieren Anleger das Vertrauen, dass Schulden überhaupt noch zurückgezahlt werden, dann können sich Staaten nur noch zu extrem hohen Zinsen finanzieren. Das wird sehr teuer. Diese Geldquelle bleibt Griechenland schon seit langem versagt.

G wie Grexit

Kunstwort bestehend aus „Greece“ (Griechenland) und dem englischen Wort „exit“ (Ausstieg). Der Ausstieg aus dem Euro - gewollt oder durch versehentliches Hinausschlittern - wurde zuletzt im Griechenland-Fall angesichts der drohenden Staatspleite von vielen nicht mehr ausgeschlossen.

I wie IWF

Der Internationale Währungsfonds mit Christine Lagarde als mächtiger Chefin ist einer der gewichtigen Kreditgeber Athens. Lagarde drängt die Eurogruppe, einer Umschuldung zuzustimmen.

J wie Jugendarbeitslosigkeit

Besonders dramatisch sind die Zukunftsaussichten der jungen Leute. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent in Griechenland haben die meisten kaum Hoffnungen, einen Job zu finden.

L wie Lissabon-Vertrag

Der Lissabon-Vertrag verbietet im Artikel 125, dass ein EU-Staat einen anderen Staat „herauskaufen“ kann („No-Bailout-Klausel“). Darauf berufen sich auch Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

M wie Merkel

Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.

Viele Fragen im Reformpaket seien derzeit noch ungeklärt, hieß es weiter. Eine Vereinbarung müsse aber vom griechischen Parlament und den nationalen Parlamenten in sechs Euro-Ländern, darunter Deutschland, noch beraten und abgestimmt werden. „Das ist nicht zu schaffen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter.

Zudem versuche die griechische Regierung die Beschlussfassung über die in der eigenen Bevölkerung besonders umstrittenen Reformmaßnahmen auf den Herbst zu verschieben. Dabei gehe es um den Stopp der Frühverrentungen und die Streichung von Steuervorteilen für Landwirte. Die Bundesregierung habe immer erklärt, dass sie neuen Hilfen nur zustimme, wenn alle Reformen vom griechischen Parlament beschlossen worden seien.

Das griechische Schuldendrama von N bis Z

N wie Notkredite

Seit Monaten hält die EZB Griechenlands Banken mit Notkrediten über Wasser. Sie belaufen sich inzwischen auf fast 90 Milliarden Euro.

O wie Ochi

Nein auf Griechisch. 61,31 Prozent der abstimmenden Griechen lehnten bei einem Referendum die Sparvorgaben der Geldgeber ab. Tsipras hatte für dieses Nein geworben.

R wie Rettungsschirm

Zwei Hilfsprogramme hat Griechenland bereits erhalten. Insgesamt sind es rund 215 Milliarden Euro an Hilfskrediten, davon ein Großteil aus Deutschland. Nun hat Athen Hilfen aus dem dauerhaften Rettungsschirm ESM beantragt.

S wie Schuldenschnitt

Wenn ein Staat so enorm hohe Schulden aufgehäuft hat, dass er sie nicht zurückzahlen kann, könnte er versuchen, seine Gläubiger zu einem teilweisen Verzicht ihres Geldes zu bewegen. Im Finanzjargon heißt der Schuldenschnitt „haircut“.

T wie Tsipras

Der charismatische Regierungschef und Chef der linken Syriza-Partei erwies sich für die Europartner als unberechenbar. Seit Alexis Tsipras mit der rechtspopulistischen Partei Anel in Athen regiert, gibt er sich mal kämpferisch, mal kompromissbereit. Zuletzt ließ er die Verhandlungen über ein Hilfsprogramm mit der EU scheitern und rief die Griechen zum Nein gegen weitere Sparauflagen auf, nun will er weiteres Geld.

U wie Ultimatum

Wenn in dieser Woche keine Einigung erreicht wird, dann wollen die Europartner keine Hilfen mehr gewähren.

V wie Varoufakis

Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis blieb bis zuletzt ein rotes Tuch für die Gläubiger. Der linke Politstar, mit Lederjacke und offenem Hemd im Stil eines Rockers, brüskierte die Europartner mit frechen Sprüchen vom Spardiktat. Er verabschiedete sich mit den Worten: „Ich werde die Abscheu der Gläubiger mit Stolz tragen.“

W wie Währung

Der Euro ist die europäische Gemeinschaftswährung, um die sich alles dreht. Er startete offiziell 1999, zunächst nur auf dem Papier, 2002 dann auch als Bargeld und wurde nach dem US-Dollar zur zweitwichtigsten Reservewährung der Welt. Auch als die Griechenland-Krise eskalierte, blieb der Euro zuletzt stabil.

Z wie Zahlen

Mit geschönten Zahlen erschwindelte sich Griechenland 2001 den Eintritt in die Eurozone, die Schuldenquote war schon damals viel zu hoch. Heute liegt sie bei astronomischen 180 Prozent; erlaubt sind laut Euro-Stabilitätskriterien nur 60 Prozent.

Eine Verlängerung der Gespräche mit einem etwaigen Überbrückungskredit will Syriza allerdings nicht. Die Option sei vom Tisch, sagte ihr Parlamentssprecher Niklos Fylis. Die EU-Kommission erklärte, die Verhandlungen gingen zufriedenstellend voran. Eine Einigung bis zum 20. August sei denkbar. „Das ist ein ehrgeiziger, aber möglicher Zeitplan, wenn jeder sich an seine Verpflichtungen hält“, sagte Kommissionssprecherin Mina Andreeva.

Finanzminister Euklid Tsakalotos und Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis verhandelten am Mittwoch erneut mit Vertretern der EZB, der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds. Intern steht die Regierung unter großem Druck, weil ein Teil von Tsipras' Syriza-Partei seinen Kurs nicht mitträgt.

Von

dpa

Kommentare (15)

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Herr Wilfried Runft

06.08.2015, 08:01 Uhr

War der von Athen oder von Juncker signalisierte Optimismus schon ein einziges Mal gerechtfertigt? Griechenland ist mit seiner desolaten Wirtschaftslage nicht fähig, auch nur die Zinsen zu erwirtschaften geschweige denn 1 Cent seiner Schulden zu tilgen. Auch werden die Privatisierungserlöse niemals 50 Mrd Euro erreichen. Jeglichen Beschwichtigungsversuch seitens der Politik halte ich für einen Betrug am Steuerzahler und mündigen Bürger. Die über den Rettungsfond gewährten Kredite sind auch nichts anderes, als eine Verschiebung des Kreditausfallrisikos des IWF und der EZB auf die Staaten und damit sind wir in der Transferunion angekommen. Genau das aber war nach den Maastrichter Verträgen ausgeschlossen!

Frau Ich Kritisch

06.08.2015, 09:04 Uhr

wer glaubt, dass das was die Griechen seit über 30 Jahren nicht hinbekommen haben nun in 14 Tagen erledigt wird, der glaubt auch, dass das Christkind mit dem Osterhasen zusammen Babys backt und der Storch diese dann an Pfingsten ausliefert...

Herr Michael Müller

06.08.2015, 09:18 Uhr

- Lügen
- Betrügereien
- Lippenbekenntnisse
- Vertragsbrüche
- Beleidigungen
- Drohungen
- Diffamierungen
...
haben wieder einmal zum Ziel geführt, weiteres Geld von der EU/Deutschland zu erhalten. Wohlwissend, dass die Geldgeber dieses niemals zurückbekommen!

Weitere Schuldenstaaten wissen nun welche Vorgehensweise Erfolg verspricht!

Welcher Schulden-Staatspräsident will sich von seinem Volk vorhalten lassen, dass er weniger als die Griechen vom reichen Deutschland abgezockt hat? Sicherlich keiner, denn dann ist die Wiederwahl gefährdet.

Ähnlich Kleinkindern werden die Schuldenstaaten stets mehr verlangen und fordern um die Grenzen zu testen, wieviel Deutschland der Euro wert ist. Dieser ist ja "Alternativlos" und Deutschland wird jedes (!!!!) Opfer bringen den Euro zu verteidigen. Diese Aussage war ein Freibrief an alle Schuldenstaaten und politisch gesehen ein absolutes Eigentor!

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