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21.11.2012

13:22 Uhr

Griechenland-Krise

„Die Europäer verschaukeln uns“

VonGerd Höhler

Enttäuschung und Resignation machen sich in der Bevölkerung Athens breit. Denn nach dem Scheitern in Brüssel glauben immer weniger Griechen an die Versprechen ihrer Regierung.

Enttäuschung und Resignation macht sich unter der Bevölkerung Athens breit. dpa

Enttäuschung und Resignation macht sich unter der Bevölkerung Athens breit.

AthenDie Stimmung in Athen war gestern so trüb wie der graue Himmel, aus dem immer wieder Regenschauer niedergingen. Nach den Verhandlungen der vergangenen Nacht, die keine Ergebnisse brachten, konnte man heute auf den Wochenmärkten in Athen Kommentare hören, die die Enttäuschung und Resignation der Bevölkerung widerspiegeln.

„Die Europäer verschaukeln uns, sie täuschen uns“, sagte die Rentnerin Chryssoula Tompasi. Ihre Pension sei seit 2010 von 1.800 auf 1.300 Euro gekürzt worden, rechnete die 67-Jährige vor. Jetzt werden ihr noch einmal fünf Prozent abgezogen und das Weihnachtsgeld von 400 Euro wird ebenfalls gestrichen. Von dem Geld muss die Frau auch ihre arbeitslose 38-jährige Tochter und ein sechsjähriges Enkelkind durchbringen. „Die neuen Kredite werden sowieso nichts bewirken“, sagt der Markthändler Stefanos, als er ein Kilo Tomaten für Frau Tompasi abwiegt, „außer, dass wir dann noch mehr Schulden haben.“

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Sein französischer Kollege Moscovici die Euro-Gruppe „um Haaresbreite von einem Abkommen entfernt“.

Die Griechen sehen sich als die Verlierer nach der Verhandlungsnacht, die keine Ergebnisse brachte. Ministerpräsident Antonis Samaras kann seinen Ärger kaum verbergen: Sein Land habe getan, was die internationalen Gläubiger verlangt hätten; nun müssten die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds auch halten, was sie versprochen hätten, sagte Samaras am Mittwoch.

Aus seinen Worten sprechen Enttäuschung und Sorge. Enttäuschung darüber, dass die Euro-Finanzminister ein weiteres Mal ohne Beschlüsse auseinandergingen. Und Sorge darüber, was dies für die ohnehin von inneren Spannungen strapazierte Athener Regierungskoalition und ihr Ansehen in der griechischen Öffentlichkeit bedeutet.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Es liege an den Griechen selbst, den Weg zur Auszahlung der bereits für Juni versprochenen Hilfsgelder zu ebnen, predigte Samaras seit Monaten. Unter Hinweis auf die Milliardenkredite, die helfen sollen, die strauchelnden Banken zu stabilisieren und die sieche Wirtschaft anzukurbeln, rang Samaras um Zustimmung seiner wankelmütigen linken Koalitionspartner zu dem neuen, harten Sparprogramm.

Kommentare (62)

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PubliusAeliusHadrianusOlympios

21.11.2012, 13:38 Uhr

Die Griechen sollten sich an die Balkankriege Anfang des 20. Jahrhunderts und die Intriegen seiner 'verbündeten' Alliirten in den Folgekriegen erinnern.

CostaGarnix

21.11.2012, 13:44 Uhr

„Die Europäer verschaukeln uns“
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Wo ist das Problem?
Erst verschaukelt ihr uns, jetzt verschaukeln wir euch - ist doch alles in Butter!

Account gelöscht!

21.11.2012, 13:48 Uhr

„Die Europäer verschaukeln uns“

2-fach falsch:

"Die EU-Zentral-Macht versklavt uns" muss es lauten.

Keine Angst, der Rest Europas wird diesem Weg folgen müssen. EUdSSR wir kommen. Ein Hoch auf das Zentralkommitee in Brüssel!

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