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13.07.2015

10:30 Uhr

Griechenland-Krise

Die Nacht der langen Messer

VonMatthias Streit, Ruth Berschens

Schier endlos haben die Euro-Partner mit Griechenland verhandelt. Mancher Politiker wetterte „Es reicht!“. Auch von Mafiosi war die Rede. Jetzt scheint der Durchbruch gelungen. Eine Chronologie der Nacht.

Radikale Reformen

Tsipras: „Grexit gehört der Vergangenheit an“

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BrüsselDie Regierungschefs der Euro-Zone haben einen neuen Rekord aufgestellt: Seit mehr als 16 Stunden versuchen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande und ihre 17 Kollegen aus den anderen Euro-Staaten nun, die Griechenland-Krise zu entschärfen. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor sieben Jahren hat noch kein EU-Gipfel so lange gedauert. Doch nun ist das Ringen beendet: Der Durchbruch ist gelungen.

Zuvor war die Lösung des Schuldenkonflikts mit Griechenland in dieser langen Nacht wieder einmal an einem einzigen Akteur gescheitert: Der griechische Premierminister Alexis Tsipras wolle bestimmte Bedingungen der Geldgeber einfach nicht akzeptieren, hieß es in Teilnehmerkreisen. Tsipras bestehe partout darauf, dass der IWF am neuen Hilfspaket für Hellas nicht mehr beteiligt sein soll. Doch damit dringt er im Rest der Euro-Zone nicht durch. Der IWF müsse bei den Griechenland-Krediten auch künftig im Boot bleiben, heißt es in einem Dokument der Gruppe der Euro-Finanzminister vom Vortag.

Außerdem hatte sich Tsipras dagegen gewehrt, einen Teil der Staatsunternehmen in einen regierungsunabhängigen Privatisierungsfonds zu übertragen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte diesen Treuhandfonds ursprünglich ins Gespräch gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte die anderen Staats- und Regierungschefs davon überzeugen – bis auf Tsipras. Zwischendurch schaltete der Grieche sogar komplett auf stur. Gegen 5.30 Uhr kam aus dem Verhandlungssaal die Nachricht, dass Tsipras derzeit alles ablehne.

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Erst der Vorschlag des „temporären Grexit“ von Finanzminister Schäuble, dann eine lange Forderungsliste an das griechische Parlament - viele sehen darin eine Bevormundung Griechenlands, gar einen Staatsstreich von außen.

So stand es in der langen Nacht zum Montag wieder einmal 18 zu eins. Die Euro-Zone schloss die Reihen, von einer Spaltung war Montag früh keine Rede mehr, Tsipras war isoliert. Was tun 19 Regierungschefs in mehr als 15 langen Verhandlungsstunden im EU-Ratsgebäude „Justus Lipsius“? Hier eine Chronik der Ereignisse:

08:55 Uhr: Jetzt bestätigt auch Donald Tusk die Einigung der gesamten Eurogruppe.

08:39 Uhr: Einigung – zwitschert Belgiens Premier Charles Michel ins Netz.

07:58 Uhr: Nun hat auch die litauische Präsidentin das Treffen verlassen. Sie bestätigt: Eine Einigung steht kurz bevor.

07:00 Uhr: Merkel, Tsipras, Hollande und Tusk verhandeln offenbar über den geforderten Treuhandfonds. EU-Kreisen zufolge beharrt Kanzlerin Merkel auf einem Vermögenswert von 50 Milliarden Euro, der französische Präsident Hollande schlage einen Kompromiss in Höhe von 25 Milliarden Euro vor.
07:11 Uhr: Für einen ist der Eurogipfel schon beendet: Miro Cerar. Der slowenische Ministerpräsident verlässt das Treffen, weil er heute den NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Slowenien erwartet. Laut Cerar sei in den Verhandlungen mit Griechenland nur noch eine Frage offen. Welche, das verrät er jedoch nicht.
06:45 Uhr: Beim Eurogipfel ist noch immer kein Ende in Sicht. Medienberichten zufolge hätten die Staats- und Regierungschefs schon kurz vor einer Einigung gestanden. Doch der Gipfel wurde erneut unterbrochen. Eine baldige Übereinkunft sieht anders aus.

05:40 Uhr: Fast 14 Stunden lang wurde schon verhandelt. Einigung: Fehlanzeige. Tsipras hat offenbar Probleme mit der Beteiligung des IWF im dritten Rettungspaket sowie dem 50-Milliarden-Euro schweren Treuhandfonds, den die Gläubiger als Garantie verlangen.

04.09 Uhr: Ein Sprecher der zyprischen Regierung verkündet das Ende der Acht-Augen-Gespräche zwischen Merkel, Hollande, Tusk und Tsipras. Nun soll der große Gipfel wieder tagen.

02.50 Uhr: Tsipras, Merkel, Hollande und Tusk diskutieren erneut in kleiner Runde.

Kommentare (32)

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Frau Ich Kritisch

13.07.2015, 08:10 Uhr

Natürlich möchte Tsipras weder den IWF an Bord haben noch den "Treuhandfond".

Der IWF war Athen schon immer unwillkommen, die haben nämlich Regeln und halten sich auch dran. und erwarten auch von Schuldnern, dass die sich an Regeln halten - so etwas mögen die Griechen nicht.

Ein "Treuhandfond" - Igitt - bäh - da würde ja mit griechischem Vermögen für die Schulden gehaftet. Nee, das mögen die Griechen erst recht nicht.

Tsipras glaubt immer noch er könne Geld für lau bekommen.

Ja, er würde sogar jetzt schnell Gesetze erlassen, die den Gläubigern genehm sind, aber vom Text her mit Sicherheit so, dass deren Verfassungsgericht sie hinterher kippt.

Macht Schluss - schmeißt Griechenland raus - das ist die einzige Sprache die diese Griechen verstehen.

Herr Christoph Weise

13.07.2015, 08:11 Uhr

Im Eifer des Brüsseler Gefechts haben die Parteien mittlerweile verdrängt, dass sie an der kompletten wirtschaftlichen Versenkung Griechenlands arbeiten. Der dabei zu Tage tretende wirtschaftliche Unverstand ist genau so erschreckend wie der Mangel an Mitgefühl gegenüber den Griechen. Es ist ein schreckliches Bild, welches die EU in Brüssel bietet. Man möchte am liebsten den Stecker ziehen, damit dieser Totentanz zu einem Ende kommt.

Herr Thomas Albers

13.07.2015, 08:14 Uhr

"Macht Schluss - schmeißt Griechenland raus - das ist die einzige Sprache die diese Griechen verstehen."

Das ist falsch. Das ist nicht die einzige Sprache die die Griechen verstehen. Es ist lediglich die einzige Lösung, die Ihnen einfällt...

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