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23.05.2011

10:24 Uhr

Griechenland-Krise

Experten rechnen mit Umschuldung schon im Juni

Schon in wenigen Wochen wird Griechenland um eine Schuldenstreckung bitten - und um einen neuen Scheck aus Brüssel, warnt eine Studie der Commerzbank. Kann ein härteres Sparprogramm Athen noch retten?

DüsseldorfUnd täglich grüßt die Schuldenkrise: Ein Jahr nachdem die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland mit 110 Milliarden Euro vor dem Bankrott gerettet haben, werden eine Umschuldung und neue Finanzhilfen an das marode Land immer wahrscheinlicher. Schon in den nächsten Wochen würden die Euro-Staaten Griechenland ein neues Hilfspaket in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro schnüren, um das Land bis 2013 durchzufinanzieren, analysiert die Commerzbank in einer neuen Studie. Dieses neue Paket werde mit einer sanften Umschuldung garniert: Gläubiger müssten sich auf längere Laufzeiten für ihre Anleihen einstellen, schreibt die Bank.

Der Grund für diese düstere Prophezeiung ist einfach: Den Griechen geht schlicht das Geld aus. Auch wenn die bisher vereinbarten Hilfskredite fließen könne Griechenland noch in der zweiten Jahreshälfte pleite gehen, sollte es nicht weiter die Staatsausgaben senken oder sich neue Einnahmen verschaffen, sagt die Commerzbank voraus. Denn der IWF und die EU haben wegen der akuten Finanzlage eigentlich für 2011 geplante Hilfszahlungen schon 2010 ausgezahlt. Schon im letzten Jahr hat Griechenland deshalb 13,2 Milliarden Euro mehr bekommen, als eigentlich geplant - dieses Geld fehlt nun.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Und auch beim Sparen hinkt Griechenland hinterher: Eigentlich sollte das Haushaltsdefizit 2011 auf 7,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken - nur dann reichen die bewilligten Kredite, um den Finanzbedarf zu decken. Um die Lücke zu schließen, will Griechenland bis 2015 Privatisierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro vornehmen. Doch die Haushaltslücke ist in den ersten Monaten des Jahres nicht geschrumpft, sondern gewachsen: In den ersten vier Monaten des Jahres fehlten bereits 1,2 Milliarden Euro Steuereinnahmen in der Staatskasse.

Kommentare (6)

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Observer

23.05.2011, 13:46 Uhr

Zitat:"Aus Angst vor einem Scheitern Griechenlands und im vermeintlichen Eigeninteresse werden die Euro-Staaten Griechenland weiter stützen, meint die Commerzbank. Die Währungsunion werde sich damit dauerhaft zu einer Transferunion verändern."
Vielleicht wird ja in nicht all zu ferner Zeit die Angst der Politiker vor dem Wähler größer sein als vor dem Scheitern Griechenlands. Mir erscheinen die Statements der Commerzbank eher wie schrilles Pfeifen im Wald.

IRR

23.05.2011, 15:25 Uhr

Warum bringt die Commerzbank eine Studie über Griechenland raus? Die Commerzbank ist doch wohl nicht neutral in ihrer Meinung. Die Bank ist doch selbst ein Gläubiger von Griechenland.
Deswegen ist sie auch nicht an einer Umschuldung interessiert, sondern eher an einer Transferunion.
Diese Studie ist also meiner Meinung nach für die Ablage P!

Thomas-Melber-Stuttgart

23.05.2011, 15:46 Uhr

In diesem Zusammenhang sollte die Presse dem Gerücht nachgehen, nachdem französische Banken ihre GR-Bonds bei der EZB abgeladen haben während deutsche Banken sich zum Halten derselben bis 2013 verpflichtet haben.

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