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14.06.2011

14:18 Uhr

Griechenland-Krise

Frankreichs Notenbankchef skizziert einen Weg zur Umschuldung

VonHolger Alich

Offiziell lehnt die EZB jede Umschuldung Griechenlands ab. Auch eine weiche Umstrukturierung der Schulden komme einem Zahlungsausfall gleich. Doch Frankreichs Notenbankchef sieht einen Ausweg.

Christian Noyer, Chef der französischen Notenbank und EZB-Direktoriumsmitglied. Quelle: Reuters

Christian Noyer, Chef der französischen Notenbank und EZB-Direktoriumsmitglied.

ParisChristian Noyer, Gouverneur der Banque de France und Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), kann sich unter gewissen Umständen doch eine Restrukturierung der Alt-Schulden Griechenlands vorstellen. Hauptsorge der EZB sei, dass im Falle einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden die Finanzierung der gesamten griechischen Wirtschaft zusammen bricht, sagte Noyer bei einer Pressekonferenz in Paris.

Denn im Falle eines Schuldenschnitts könne die EZB die Staatsanleihen Athens nicht länger als Sicherheit akzeptieren, um den griechischen Banken Refinanzierungskredite zu gewähren. Aus diesem Grund sei die EZB strikt gegen eine Restrukturierung.

Dieses Szenario ließe sich aber umgehen. "Sollten neue griechische Staatsanleihen (nach einer Restrukturierung. d. Red.) mit einer Garantie einer anerkannten internationalen Institution versehen werden, könnte die EZB diese weiter als Anleihen hoher Qualität ansehen", sagte Noyer, und damit als Sicherheit zur Refinanzierung akzeptieren. Als Garant käme der Euro-Rettungsfonds FESF oder der geplante Europäische Stabilisierungsmechanismus in Frage, der den FESF 2013 ablösen soll.

Wie könnte eine Verlängerung griechischer Staatsanleihen aussehen?

Wann sollten die Laufzeiten verlängert werden?

Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.

Wie sehen die Sicherheiten aus?

Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.

Was ist wichtiger - Garantien oder Zinsen?

Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.

"Das ist ein Szenario, über das man nachdenken kann", sagte der Gouverneur der Banque de France. Unter diesen Umständen sei eine Restrukturierung der griechischen Schulden denkbar. Denn in diesem Szenario würde ein Zusammenbruch der Finanzierung der griechischen Wirtschaft vermieden.

Noyer räumte indes ein, dass in diesem Fall auf die EZB massive Abschreibungen auf den Bestand griechischer Staatsanleihen zukomme. Noyer äußerte sich in seiner Eigenschaft als französischer Notenbankchef. Ob und wieweit seine Auffassung vom EZB-Direktorium geteilt wird, ließ er offen.

Kommentare (5)

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MikeM

14.06.2011, 13:19 Uhr

Zitat: "Sollten neue griechische Staatsanleihen (nach einer Restrukturierung. d. Red.) mit einer Garantie einer anerkannten internationalen Institution versehen werden, könnte die EZB diese weiter als Anleihen hoher Qualität ansehen", sagte Noyer, und damit als Sicherheit zur Refinanzierung akzeptieren. Als Garant käme der Euro-Rettungsfonds FESF oder der geplante Europäische Stabilisierungsmechanismus in Frage, der den FESF 2013 ablösen soll"

Aha, die EU garantiert (mittelbar über den FESF) die faulen Bonds, so dass die EZB diese dann als Sicherheiten akzeptieren kann. Die EU und damit der deutsche Steuerzahler tritt quasi als Bürge und Gläubiger gleichzeitig auf. Das ist absurd, wundert mich nicht, dass dies aus dem Munde eines Franzosen kommt. Wenn die französischen Banken den Rest ihrer Griechen-Bonds an die EZB verhökert haben werden, wird Frankreich auf eine Umschuldung drängen und die dummen deutschen Anleihegläubiger (die sich zum Halten der Anleihen verpflichtet haben) werden diese Umschuldung bezahlen. Was für ein verlogenes Pack, diese Franzosen!

Rheinschiffer

14.06.2011, 13:41 Uhr

Die Franzosen verfolgen lediglich ihr eigenes nationales Interesse.Dies ist mehr als legitim,alle Staaten machen es so mit Ausnahme Deutschlands.Warun das so ist ? Fragen sie doch einfach einmal den Volksvertreter in ihrem Wahlkreis.

Skyjumper

14.06.2011, 13:49 Uhr

@ MikeM
Nun lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf. "Die Franzosen" lügen nicht mehr und nicht weniger als "Die Deutschen". Vor allem aber dürften alle Beteiligten in etwa die gleichen Informationen zur Verfügung haben. Und wenn deutsche Banken und Versicherungen (die im übrigen auch schon drastisch ihre gehaltenen griechischen Anleihen reduziert haben)in Kenntnis dieser Informationen weiterhin "an Bord" bleiben wird dies im Rückblick einmal entweder eine ausgesprochene dumme oder auch schlaue Entscheidung gewesen sein.

Wer glaubt, ob nun als Finanzmarktteilnehmer oder auch als ganz normaler Bürger mit Guthaben, dass der Euro gefährdet ist und alles mehr oder weniger den Bach runtergeht, der soll gefälligst nicht rumlamentieren, sondern PERSÖNLICH entsprechend seiner Einschätzung handeln.
Dieses Geweine diskreditiert uns doch nur und gibt unseren Politikern recht wenn sie meinen dass iwr uns nicht selbst um unsere Belange kümmern können.

Nicht immer nach Maßnahmen, Hilfen oder Verhaltensanordnungen von anderen jippern, sondern selbst Entscheidungen treffen und umsetzen. Dann, und nur dann, kann uns auch (fast) egal sein was andere für einen Blödsinn verzapfen.

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