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19.05.2015

09:23 Uhr

Griechenland-Krise

Linke Tasche, rechte Tasche-Spiel vor dem Ende

Mit IWF und Europartnern ringt Griechenland seit Monaten um weitere Finanzhilfen. Die Frist für die Rückzahlung von Krediten läuft bald ab. Nun ziehen die Griechen den ESM aus dem Ärmel – und die EU scheint nachzugeben.

Schuldenstreit mit Griechenland

Varoufakis: Wir werden nicht alles unterschreiben

Schuldenstreit mit Griechenland: Varoufakis: Wir werden nicht alles unterschreiben

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AthenGriechenland will den Euro-Rettungsfonds zur Überbrückung von Finanzengpässen anzapfen. Der ESM könne für die griechischen Staatsanleihen im Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB) aufkommen, die von Juli und August an fällig würden, sagte Finanzminister Yanis Varoufakis am Montag in Athen.

Sein Land würde dann das Geld nach einem Abkommen mit den internationalen Gläubigern über einen längerfristigen Zeitraum wieder an den ESM zurückzahlen. Dies könne Griechenland Luft verschaffen, um die Schuldenkrise zu bewältigen. Varoufakis hatte wiederholt eine Umschuldung gefordert, um mehr Zeit für die Rückzahlung der Bonds in EZB-Hand zu bekommen.

Allein im Juli und August werden zusammen rund 6,7 Milliarden Euro fällig. Griechenland ringt seit Monaten mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) um weitere Finanzhilfen, damit eine Staatspleite abgewendet werden kann. Die Verhandlungen über den geforderten Spar- und Reformkurs stocken aber.

Abermals schüren die Griechen nun Hoffnung, ohne von ihrem Standpunkt abzuweichen. Varoufakis sagte am Montagabend in einem Interview mit dem Privatsender Star TV, Athen und seine Gläubiger seien einer Einigung nahe. Alle Seiten glaubten, dass die Zeit reif für eine Übereinkunft sei. Er erwarte, dass diese in rund einer Woche erzielt werden könne.

„Ich versichere Ihnen, dass wir, wenn wir in einem Dilemma stecken zwischen dem Bezahlen eines Gläubigers, der sich weigert, eine Einigung zu unterzeichnen, und eines Rentners, den Rentner bezahlen werden“, sagte Varoufakis. „Ich hoffe, wir werden fähig sein, beide zu bezahlen.“

Wann Griechenland die nächsten Milliarden überweisen muss

Die griechische Regierung...

... steht mit dem Rücken zur Wand. In den kommenden drei Monaten müssen erhebliche Summen an die internationalen Geldgeber überwiesen werden. Es ist unklar, ob Athen den Verpflichtungen nachkommen und eine Staatspleite noch abwenden kann. Das sind die wichtigsten Termine…

Im Mai...

… hatte die Regierung in Athen zur Rückzahlung von 750 Millionen Euro an den internationalen Währungsfonds auch auf 650 Millionen von einem eigenen IWF-Konto zurückgegriffen. Unklar ist, wann sie dieses Geld wieder auf das Konto einzahlen muss. In der Regierung war damals von "einigen Wochen" die Rede.

Dem IWF...

… muss Griechenland besonders im Juni viel überweisen. In dem Monat werden insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro fällig.

Auf vier Tranchen...

…verteilt sich laut IWF die Summe auf vier Tranchen.

5. Juni

298 Millionen Euro

12. Juni

335,2 Millionen Euro

16. Juni

558,8 Millionen Euro

19. Juni

335,2 Millionen Euro

Im Juli...

… am 13., ist eine weitere Zahlung an den IWF in Höhe von 447 Millionen Euro fällig.

Härtemonat Juli

In dem Monat werden außerdem Zinsen und Tilgung für Staatsanleihen fällig, die im Bestand der Europäischen Zentralbank (EZB) sind. Die Summe beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat gefordert, die Rückzahlungstermine dieser Papiere zu verschieben. Die genauen Daten sind bisher nicht bekannt.

Auch im August...

… steht Griechenland vor enormen Herausforderungen, weil weitere 3,2 Milliarden Euro für die EZB fällig werden.

Zinsen

Dem IWF stehen zudem Zinsen in Höhe von rund 165 Millionen Euro zu. Dafür ist jedoch kein Datum festgelegt.

Der griechische Ministerpräsidenten Alexis Tsipras warf den Gläubigern seines Landes eine Verhandlungstaktik der „finanziellen Strangulierung“ vor. Trotzdem habe Athen bisher alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt, sagte er am Montag. Seine Regierung habe nun detaillierte Vorschläge für ein machbares Abkommen mit der EU auf den Tisch gelegt, um die dringend benötigte letzte Rate von 7,2 Milliarden Euro aus dem 240 Milliarden Euro schweren Rettungspaket zu erhalten.

„Obwohl wir in einer Situation der finanziellen Strangulierung sind, haben wir alle unsere externen Verpflichtungen erfüllt, sagte Tsipras. „Der Mangel an Liquidität ist weder die Wahl noch die Verantwortung der griechischen Regierung. Es ist eine harte Verhandlungstaktik unserer Partner, und ich weiß nicht, ob irgendjemand in Europa stolz darauf ist“ sagte der Ministerpräsident.

Die griechische Zeitung Vima berichtet allerdings, dass EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker einen Deal zwischen Griechenland und seinen Gläubigern vorgeschlagen haben, der eine deutlich sanftere Gangart wählt. Die Kommission selbst dementierte allerdings, dass es einen solchen Plan überhaupt gebe.

Kommentare (16)

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Herr Chic Petitchen

19.05.2015, 11:17 Uhr

Natürlich wird die EU nachgeben. Es gibt ja die Anweisung von den USA. Treu bis in den Tod. Hatten wir ja schon mal. Die Geschichte wiederholt sich halt immer wieder. Nur auf einer anderen Ebene.

Herr Paul Rimmele

19.05.2015, 11:32 Uhr

Natürlich werden jetzt die Möglichkeiten des ESM herangezogen
Es wird keinen Áustritt Griechenlands geben,; wir werden Griechenland bis ans Ende
aller Tage subventionieren.
Nur, die Deutschen Staatsbürger sollten mal darüber nachdenken, warum für wen sie
eigentlich Steuern zahlen?
Sobald diese Mittel für Griechenland fließen, sollten wir in einen unbefristeten Steuerstreik
treten, ohne wenn und aber.

Herr Viktor Jarosh

19.05.2015, 11:33 Uhr

"Wird... nachgeben?" Sie haben nachgegeben. Das Geld ist weg und immer neues wird nachgeschoben!

WESELSKY FOR VERHANDLUNGSFÜRHER!!!

Und: Steuern hinterziehen wo es nur geht! Das ist Notwehr!

Wir werden Tag für Tag verarscht von vorne bis hinten.

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