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20.04.2015

06:42 Uhr

Griechenland-Krise

Niemand will Athen noch etwas geben

Für Griechenland wird die Lage von Tag zu Tag bedrohlicher. Auch beim Frühjahrstreffen des IWF findet sich niemand, der die griechische Regierung derzeit mit neuen Hilfen unterstützen will. Die EZB schlägt indes Alarm.

Yanis Varoufakis hat beim IWF-Treffen wenig Freunde. dpa

Ein einsamer Finanzminister

Yanis Varoufakis hat beim IWF-Treffen wenig Freunde.

WashingtonGriechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis hat von den Geldgebern seines Landes bei der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank eine klare Botschaft mit auf den Weg bekommen: IWF-Direktorin Christine Lagarde, EZB-Chef Mario Draghi und mehrere Minister aus Euro-Ländern machten am Wochenende deutlich, dass Athen dringend verbindliche Reformzusagen präsentieren müsse. Die Erwartungen an das Treffen der Eurogruppe am Freitag im lettischen Riga sind gering.

„Die Antwort liegt in den Händen der griechischen Regierung“, sagte Draghi am Samstag in Washington. „Mehr Arbeit, viel mehr Arbeit ist jetzt notwendig.“ Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) sagte, dass sich jeder einen Erfolg Griechenlands wünsche. Die Euro-Zone sei heute aber besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren, „sollte die Krise eskalieren“.

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Lagarde erklärte, dass sie „nicht nur eine Beschleunigung, sondern auch eine Vertiefung der Arbeit“ der Verantwortlichen in Athen erwarte. Ungewöhnlich deutlich nahm die IWF-Chefin den griechischen Finanzminister in die Pflicht, den sie am Rande der Frühjahrstagung getroffen hatte. Varoufakis' Job sei es, „tief in die Analyse zu gehen“ und Zahlen zu Wachstum, Einnahmen und Ausgaben vorzulegen. „Es geht nicht darum, bis zum Ende um die Wette zu rennen, es geht darum, alle Aufgaben zu erledigen, die gemacht werden müssen.“

Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung droht Athen die Zahlungsunfähigkeit und womöglich das Ausscheiden aus dem Euro. Die Verhandlungen mit den Geldgebern von IWF, EZB und EU-Kommission über ein Reformprogramm – die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche – machen keine Fortschritte. Die Unterhändler der sogenannten Institutionen beklagen, dass die griechische Regierung bislang nur vage Vorschläge unterbreitet habe.

Nach Einschätzung des EZB-Ratsmitglieds Christian Noyer könnten den griechischen Banken schon bald die Sicherheiten ausgehen, die sie für Notfall-Kredite hinterlegen müssen. Ab einem gewissen Punkt würden die griechischen Institute dazu wahrscheinlich nicht mehr in der Lage sein, sagte Noyer der Zeitung „Le Figaro“ vom Montag. Daher müsse die griechische Regierung dringend ein Programm mit dem Internationalen Währungsfonds und den Euro-Partnern auf die Beine stellen, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Noyer sagte zudem, ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre „ein Trauma für die Euro-Zone“, deren Auswirkungen bis in die Weltwirtschaft hinein spürbar wären. Die dramatischten Konsequenzen aber würden Griechenland selbst treffen. Das Land werde eine umfassende Wirtschaftskrise erleiden, während nichts zur Lösung der fundamentalen Probleme und gegen die Arbeitslosigkeit getan werde.

Kommentare (17)

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Herr Ercole Domenico

20.04.2015, 07:35 Uhr

Zitat: "Niemand will Athen noch etwas geben"
Bisher war es so dass man Athen etwas weggenommen hat, wo ist sonst das ganze Geld (Schulden) gelandet wenn nicht bei unserer Rüstungskonzerne und Autoherstellern der Luxusklasse?

Herr Teito Klein

20.04.2015, 07:41 Uhr

Grexit jetzt!
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Es ist an der Zeit, dass Griechenland den Euro aufgibt und zu seiner eigenen Währung (Drachme) zurückkehrt.
Die Spekulationen über einen Dominoeffekt sind an den Haaren herangezogen.
Die griechische Wirtschaftsleistung macht gerade einmal 2% innerhalb der EU aus.
Die USA haben ein geostrategisches Interesse an Griechenland. Für die EZB gehört Griechenland zum ClubMed, und Goldman Sachs-Draghi ist Italiener.

Grikechenland lehnt jegliche Reformen ab und geht auf Betteltour nach Russland und China.

Herr Marcus T.

20.04.2015, 07:53 Uhr

Wenn Sie so argumentieren, gestatten Sie folgende Frage: Sind Sie nicht der Meinung dass Verträge, insbesondere Kaufverträge einzuhalten sind? Sprich: Wenn jemand einen Kaufvertrag unterzeichnet, entsprechende Waren - seien es nun PKW´s, Industriegüter, Lebensmittel oder auch Rüstungsgüter - geliefert wurden, dass ihm dann auch der vereinbarte Kaufpreis zusteht? Und wer, wann, wo, was kauft; denken Sie nicht dass es Sache des Käufers ist dies zu entscheiden welche Waren er benötigt bzw. bei wem er sie erwirbt - oder auch nicht? Ganz nebenbei: Könnten Sie mir ein paar der bekannten Griechischen Rüstungsfirmen oder auch PKW-Hersteller aufzählen die alternativ der von ihnen kritisierten Deutschen/Europäischen Hersteller für entsprechende Aufträge in Frage gekommen wären? Zum Thema Korruption: gehören nicht zwei Seiten dazu - einer der (am meisten zahlt) - und einer der einsteckt und üblicherweise entscheidet? Was wäre geschehen wenn - wie sie unterstellen - keine Zuwendungen von deutschen Firmen geflossen wären? Hätte es dann keine Korruption/Bestechung gegeben - oder wäre dann einfach das nächste Angebot aus Rußland/Frankreich/GB/USA zum Zug gekommen bei dem der Hersteller etwas weniger "Bonus" angeboten hat?

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