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19.05.2015

07:47 Uhr

Griechenland-Krise

Retten – zu jedem Preis

Die EZB und der Euro-Rettungsfonds wollen Athen weiter stützen – auch nach einer möglichen Staatspleite. Möglich macht das ein Instrument der EZB, durch das schon 80 Milliarden nach Griechenland geflossen sind.

Die europäischen Partner werden den griechischen Premier nicht im Regen stehen lassen – auch bei einem Zahlungsausfall. Reuters

Alexis Tsipras

Die europäischen Partner werden den griechischen Premier nicht im Regen stehen lassen – auch bei einem Zahlungsausfall.

DüsseldorfGriechenland kann auch nach einer möglichen Staatspleite auf weitere Unterstützung durch die Europäer hoffen. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch der Euro-Rettungsfonds würden Athen nicht sofort fallen lassen, sollte das Land eine der anstehenden Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht mehr leisten können, erfuhr das Handelsblatt (Dienstagausgabe) von EU-Diplomaten. Es hatte zuletzt Zweifel gegeben, ob Athen alle im Juni fälligen Kredite an den IWF zurückzahlen kann.

Die EZB könne nach einem Zahlungsausfall an den IWF weiterhin dulden, dass die griechischen Banken mit so genannten Ela-Notkrediten versorgt würden, hieß es in Notenbank-Kreisen. Die Zentralbank werde die Risikolage zwar neu bewerten, man sei aber nicht automatisch gezwungen, die sogenannte „Emergency loan assistance“ (Ela) zu stoppen. Dass der EZB-Rat sofort den Stecker ziehe und das griechische Finanzsystem ins Chaos stürze, sei nicht zu erwarten, sagten EU-Diplomaten.

Wann Griechenland die nächsten Milliarden überweisen muss

Die griechische Regierung...

... steht mit dem Rücken zur Wand. In den kommenden drei Monaten müssen erhebliche Summen an die internationalen Geldgeber überwiesen werden. Es ist unklar, ob Athen den Verpflichtungen nachkommen und eine Staatspleite noch abwenden kann. Das sind die wichtigsten Termine…

Im Mai...

… hatte die Regierung in Athen zur Rückzahlung von 750 Millionen Euro an den internationalen Währungsfonds auch auf 650 Millionen von einem eigenen IWF-Konto zurückgegriffen. Unklar ist, wann sie dieses Geld wieder auf das Konto einzahlen muss. In der Regierung war damals von "einigen Wochen" die Rede.

Dem IWF...

… muss Griechenland besonders im Juni viel überweisen. In dem Monat werden insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro fällig.

Auf vier Tranchen...

…verteilt sich laut IWF die Summe auf vier Tranchen.

5. Juni

298 Millionen Euro

12. Juni

335,2 Millionen Euro

16. Juni

558,8 Millionen Euro

19. Juni

335,2 Millionen Euro

Im Juli...

… am 13., ist eine weitere Zahlung an den IWF in Höhe von 447 Millionen Euro fällig.

Härtemonat Juli

In dem Monat werden außerdem Zinsen und Tilgung für Staatsanleihen fällig, die im Bestand der Europäischen Zentralbank (EZB) sind. Die Summe beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat gefordert, die Rückzahlungstermine dieser Papiere zu verschieben. Die genauen Daten sind bisher nicht bekannt.

Auch im August...

… steht Griechenland vor enormen Herausforderungen, weil weitere 3,2 Milliarden Euro für die EZB fällig werden.

Zinsen

Dem IWF stehen zudem Zinsen in Höhe von rund 165 Millionen Euro zu. Dafür ist jedoch kein Datum festgelegt.

Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF will Griechenland im Falle eines Zahlungsausfalls nicht sofort fallen lassen. Theoretisch hat der EFSF zwei Möglichkeiten: Entweder fordert er die an Griechenland vergebenen Kredite sofort zurück. Oder er teilt schriftlich mit, dass er sich die Rückforderung für einen späteren Zeitpunkt vorbehält. In Brüssel wird erwartet, dass sich der Gouverneursrat des EFSF, also die Finanzminister der Euro-Zone, für die zweite Option entscheiden.

Der Ela-Rahmen für die griechischen Banken betrug zuletzt rund 80 Milliarden Euro. Nach einem Zahlungsausfall könnte die EZB allerdings die Abschläge erhöhen, die die griechischen Banken auf ihre Sicherheiten hinnehmen müssen.

Nach den derzeitigen relativ großzügigen Regeln reichten die Sicherheiten der griechischen Institute für rund 95 Milliarden Euro Ela-Notkredite, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Wenn man die Sicherheitsabschläge auf das übliche Maß verschärfe, würde der Wert auf 88 Milliarden Euro sinken, hieß es.

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