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11.05.2015

15:14 Uhr

Griechenland-Krise

Tsipras demontiert seinen Notenbankchef

VonGerd Höhler

Erst tauchte eine indiskrete E-Mail auf, jetzt fliegen hinter den Kulissen zwischen Griechenlands Premier Tsipras und Notenbankchef Stournaras die Fetzen. EZB-Chef Draghi kann dem Treiben nicht lange zusehen.

Um den Notenbankchef los zu werden, riskiert Griechenlands Premier Alexis Tsipras Spannungen mit EZB-Chef Mario Draghi. Reuters

Giannis Stournaras

Um den Notenbankchef los zu werden, riskiert Griechenlands Premier Alexis Tsipras Spannungen mit EZB-Chef Mario Draghi.

AthenFreunde waren Giannis Stournaras und Alexis Tsipras nie. Als Stournaras Mitte 2014 von der damaligen konservativ-sozialdemokratischen Regierung zum Gouverneur der griechischen Zentralbank berufen wurde, protestierte der damalige Oppositionsführer Tsipras heftig. Jetzt fliegen die Fetzen zwischen dem Premier und dem Notenbankchef.

Anlass ist eine vergangene Woche verfasste und inzwischen an die Öffentlichkeit gelangte E-Mail aus Kreisen der Zentralbank. Unter dem Titel „Bilanz der 100 Tage“ (der neuen Regierung) listet das Non-paper, also das nicht offizielle Dokument, eine Reihe von Fakten auf, die für Tsipras wenig schmeichelhaft sind – wie den massiven Schwund der Einlagen im Bankensystem, den Absturz der Aktienkurse und Immobilienpreise, die wachsenden Zahlungsrückstände des Staates.

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Der Premier sieht in der Mail eine Art Sabotage und warnte den Notenbanker im Parlament, er werde danach beurteilt, ob er „der nationalen Linie“ folge – also den Vorgaben der Regierung. Schon vor der Mail-Affäre klagte Nikos Pappas, der engste Tsipras-Mitarbeiter, gegenüber den Wall Street Journal, Stournaras zeige keine Kooperationsbereitschaft. Alekos Flambouraris, Staatsminister im Amt des Premiers, erklärte, es gebe „ein Problem mit der E-Mail“.

Spitzenposition mit Vertrautem besetzen

Die Regierung habe Stournaras noch nicht zum Rücktritt aufgefordert, erwarte aber „Erklärungen“. Stournaras ließ in einer knapp gehaltenen Mitteilung dementieren, dass die Mail, die an einen bekannten Finanzjournalisten adressiert war, von der Zentralbank stamme – was formal stimmt, aber eine Ausrede ist, weil die Nachricht offenbar von der privaten Mail-Adresse eines seiner engsten Mitarbeiter verschickt wurde.

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Welches Ziel die Regierung mit ihren Sticheleien gegen Stournaras verfolgt, ist offensichtlich: Tsipras will einen Mann seines Vertrauens an die Spitze der Zentralbank setzen. Auch persönliche Animositäten dürften eine Rolle spielen.

Ein größerer Gegensatz als zwischen Tsipras und Stournaras lässt sich kaum denken: Hier der Ex-Kommunist, der seine politische Laufbahn als Schulbesetzer und Studentenfunktionär begann, in ökonomischen Fragen nicht beschlagen; dort der an der Eliteuniversität Oxford ausgebildete Wirtschaftsprofessor, der eine beeindruckende akademische Karriere mit reicher Managementerfahrung in der Finanzwirtschaft verbindet.

Kommentare (20)

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Frau Ute Umlauf

11.05.2015, 15:25 Uhr

Deshalb müssen wir in D die LINKEN klein halten!! Diese verkrachten Existenzen können florierende Regionen in Schutt u. Asche legen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

11.05.2015, 15:30 Uhr

Tolle EU und EUR-Gruppe, das tägliche Chaos wird zur Regel, der ClubMed überfährt die seriöse Wirtschafts-Kultur des Nordens, immer deutlicher und immer dreister. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Account gelöscht!

11.05.2015, 15:54 Uhr

Da streiten sich zwei griechische Pleitegeier um die Pleite/Schulden und werden von dem Oberpleitegeier Draght von der EZB (Euro) mit Argusaugen beobachtet.

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