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16.02.2015

15:39 Uhr

Griechenland-Krise

Varoufakis schlägt EU-Ministern Moratorium vor

Die griechische Regierung hat laut Medienberichten einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet, um die Eskalation des Streits zu vermeiden. Die wichtigsten Punke sind eine Verlängerung des Kreditprogramms und ein Moratorium.

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Athen/BrüsselDie Arbeitsgruppe der griechischen Experten und der Geldgeber soll einen Kompromissvorschlag für das Eurofinanzministertreffen vorbereitet haben, wie die Nachrichtenagentur dpa und die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Kreise im Athener Finanzministerium berichten. Damit soll eine Eskalation der neuen Griechenland-Finanzkrise vermieden werden.

Die Geldgeber sollen sich danach bereiterklären, die restliche Tranche der Finanzhilfe für Griechenland in Höhe von 7,2 Milliarden Euro in kleineren Beträgen in den kommenden Monaten an Athen auszuzahlen. Gleichzeitig soll Athen die Zeit, die es braucht bekommen – etwa drei bis vier Monate nach eigenen Vorstellungen – um die eigenen Ziele in Sachen Konsolidierung der Wirtschaft und weitere Reformen anzupacken. Parallel sollen die „Institutionen“ (die umbenannte Ex-Troika) aus Kontrolleuren der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Brüssel prüfen können, ob Griechenland die Sparmaßnahmen einhält.

Zahlen und Fakten zum griechischen Schuldendrama

Zwei Rettungspakete

Ausgezahlt wurden bis Anfang Februar: aus dem ersten Paket bilaterale Kredite der Europartner über 53 Milliarden Euro, aus dem zweiten Paket 141 Milliarden Euro.

Schuldenberg

Trotz eines Schuldenschnitts 2012 umfasste er nach zuletzt verfügbaren Zahlen immer noch rund 315 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sollen die Schulden von bislang über 170 Prozent bis auf 112 Prozent im Jahr 2022 gedrückt werden.

Laufzeiten

Die Hilfskredite unter dem Euro-Rettungsschirm EFSF haben jetzt schon eine durchschnittliche Laufzeit von rund 32 Jahren. Die ohnehin niedrigen Zinsen werden erst von 2022 an fällig. Auch die Tilgung beginnt beim EFSF erst 2022.

Verlängerung

Das laufende Kredithilfsprogramm der Europäer wurde bereits bis Ende Februar verlängert. Eine weitere Verlängerung müsste von Athen beantragt werden. Parlamente einiger Staaten müssten aber zustimmen. Es stehen im Programm noch 1,8 Milliarden Euro bereit.

Weitere Hilfen

Eine angedachte vorbeugende Kreditlinie von rund 11 Milliarden Euro soll es bislang nur dann geben, wenn das laufende Rettungsprogramm abgeschlossen ist, also die Spar- und Reformauflagen erfüllt werden. Seit kurzem dürfen griechische Banken keine Staatsanleihen des Landes mehr als Sicherheiten für Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen. Vorerst bekommen die Banken noch Notkredite (ELA) der griechischen Notenbank. Dem Vernehmen nach hat der EZB-Rat bislang ein ELA-Volumen von bis zu 65 Milliarden Euro bewilligt.

Auch aus den Reihen der Kreditgeber wird eine Verlängerung des laufenden Kreditprogramms als Kompromiss vorgeschlagen. Frankreichs Finanzminister Michel Sapin sagte am Montag vor Beginn der Beratungen mit seinen Amtskollegen aus den anderen Euro-Ländern in Brüssel, dies wäre die richtige Lösung. Ähnlich äußerte sich EU-Kommissar Valdis Dombrovskis. Er nannte eine Verlängerung des bestehenden Programms den realistischsten Weg, „um mehr Zeit für Verhandlungen zu ermöglichen“. Die Ausweitung könnte ein paar Monate bis ein halbes Jahr lang sein, ergänzte Dombrovskis. Die griechische Regierung müsse nun signalisieren, dass sie zu einem solchen Schritt bereit sei.

Die Euro-Finanzminister wollten ab dem Nachmittag über einen Ausweg aus dem Schuldenstreit beraten. Zum Ende des Monats läuft das aktuelle Hilfsprogramm der Euro-Partner für das Land aus. Ohne Kompromiss über den weiteren Kurs droht Griechenland eine Staatspleite.

Kommentare (21)

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Herr Vittorio Queri

16.02.2015, 16:01 Uhr

>> Gleichzeitig soll Athen die Zeit, die es braucht bekommen – etwa drei bis vier Monate nach eigenen Vorstellungen – um die eigenen Ziele in Sachen Konsolidierung der Wirtschaft und weitere Reformen anzupacken >>

Konsolidierung der Wirtschaft....Griechenland hat doch erst gar keine Wirtschaft, der größte Industriebetrieb ist eine Getränkeabfüllanlage ! Hier heißt wohl Konsolidierung....weniger trinken...?

Schafszüchter und Olivenbauer , aus denen die meisten Griechen bestehen, sind Agrarier, keine Wirtschaftsleute !

Der einzige Weg, den die Griechen haben, ist ein GREXIT ! Mit 100 %-em Schuldenerlass. Das hat sich die dämliche EU selbst zuzuschreiben.

Die weiteren Verluste in der Grössenordnung 1,2 Bio. €, die beim GREXIT für die EU entstehen, haben sich die Schmarotzer der EUtopia auch selbst zuzuschreiben.

Alles andere ist Konkursverschleppung und Erhöhung der Verlustrechnung.

Herr Werner Wilhelm

16.02.2015, 16:16 Uhr

@ Herrn Queri

Sie haben doch gelesen, was die Griechen hier auf HB in einem anderen Thread geschrieben haben: Jede Nation kann mal Scheisse bauen und im Falle von Griechenland sind immerhin bisher nicht sehr viele Menschen ums Leben gekommen.

Die Regierung ist neu und verdient eine Chance. Wenn jemand Griechenland umkrempeln kann dann Syriza. Eine Staatspleite nutzt niemandem. Die wollen nicht dem Euro raus (wie es richtig wäre) und wir wollen sie nicht gehen lassen.

Also?

Herr Nicht Dumm

16.02.2015, 16:17 Uhr

Es ist klar, dass die Griechen etwas Zeit brauchen, denn das Freibier, das sie verteilen wollen, muss ja erst einmal kalt gestellt werden.

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