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05.05.2015

13:15 Uhr

Griechenland-Krise

Verwirrung um IWF-Aussagen zu Schuldenschnitt

Einem Medienbericht zufolge drängt der IWF die Euroländer zu einem Schuldenschnitt für Griechenland. Nun hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dementiert. Dennoch könne „natürlich alles Mögliche passieren“.

Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist die Liquidität Griechenlands geringer geworden. dpa - picture-alliance

Wolfgang Schäuble

Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist die Liquidität Griechenlands geringer geworden.

BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) dringt laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. Er wies einen entsprechenden Bericht am Dienstag vor der Auslandspresse in Berlin zurück. Die „Financial Times“ hatte gemeldet, der IWF dränge die Euro-Länder, Griechenland einen Teil seiner Schulden zu erlassen.

Ansonsten könne der IWF keine weiteren Hilfen mehr überweisen. Der Zeitung zufolge hatte IWF-Europachef Poul Thomsen den Euro-Finanzministern bei ihrem jüngsten Treffen in Riga eine solche Warnung übermittelt. „Natürlich hat Herr Thomsen diese Äußerung nicht gemacht“, sagte Schäuble.

Fragen und Antworten zur Griechenland-Krise

Wann geht Athen ohne Unterstützung das Geld aus?

Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland hängt seit 2010 am Tropf internationaler Geldgeber. In den kommenden Monaten muss Athen Milliardenhilfen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. Nach den jüngsten Äußerungen von Finanzminister Giannis Varoufakis bei der IWF-Frühjahrstagung in Washington gehen EU-Vertreter nun davon aus, „dass die Griechen letztlich bis Ende Juni durchhalten können“. Im Juli und August müsste das Land dann insgesamt neun Milliarden Euro aufbringen, um seine Verpflichtungen zu erfüllen - ohne Hilfe von außen ist das kaum zu schaffen.

Wieviel Geld kann Griechenland aus den Hilfsprogrammen noch bekommen?

Im bis Ende Juni laufenden zweiten Hilfsprogramm der Euro-Länder stehen noch 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Zudem wurden Athen auch Zinsgewinne der Europäischen Zentralbank (EZB) mit griechischen Staatsanleihen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Etwa 3,5 Milliarden Euro hat bis 2016 zudem der IWF noch an Griechenland zu vergeben. Insgesamt wären dies also rund 7,2 Milliarden Euro.

Was muss Athen tun, um Hilfsgelder zu erhalten?

Griechenland muss nicht nur bald Vorschläge für belastbare Reformen vorlegen, sondern auch sichtbar mit der Umsetzung begonnen haben. Eigentlich hängt „jegliche Auszahlung“ aus dem Hilfsprogramm nach einer Vereinbarung mit den Euro-Staaten vom 20. Februar davon ab, dass Athen der „Abschluss der Überprüfung“ des verlängerten Hilfsprogramms bescheinigt wird. Das ist aber kaum noch zu erwarten. Spekuliert wird deshalb inzwischen über Teilzahlungen vor diesem Zeitpunkt.

Wie versucht sich die griechische Regierung über Wasser zu halten?

Per Dekret hat Athen öffentliche Einrichtungen und Behörden in Griechenland am Montag aufgefordert, vorübergehend Reserven an die Zentralbank zu überweisen. Damit hoffe die Regierung, dringend benötigte Geldmittel für die Zahlung von drei Milliarden Euro für die kommenden zwei Wochen zusammen zu bekommen, heißt es in dem Dekret. Der Plan stößt aber insbesondere bei Regionen und Kommunen auf Widerstand.

Könnte Moskau Griechenland zu Hilfe kommen?

Athen setzt offenbar auf Geld aus Moskau im Zusammenhang mit einem Pipeline-Projekt, um kurzfristig seine Finanzlage zu verbessern und im Poker mit den Euroländern um die weitere Unterstützung bessere Karten zu haben. Nach Angaben der griechischen Regierung könnte Griechenland dabei in den kommenden Monaten für die Verlängerung der geplanten Gaspipeline Turkish Stream eine Vorauszahlung von drei bis fünf Milliarden Euro erhalten.

Ist nach Ende Juni ein drittes Hilfsprogramm nötig?

Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass ein drittes Hilfspaket für Griechenland unumgänglich ist. Citigroup-Volkswirt Guillaume Menuet schätzt den Finanzbedarf dabei auf weitere 25 bis 50 Milliarden Euro. Die Athener Regierung will dagegen möglichst ohne weitere Unterstützung auskommen. Finanzminister Varoufakis spekuliert offenbar weiter auf einen teilweisen Schuldenerlass oder zumindest die Streckung von Rückzahlungsfristen. Damit stößt er aber bei den Euro-Ländern bisher auf taube Ohren.

Es sei allerdings „normal“, dass EU, EZB und IWF überprüften, ob die Schuldentragfähigkeit Griechenlands gewährleistet sei. Thomsen habe darauf hingewiesen, welche Auswirkungen sich durch die „eingetretene Verschlechterung“ der Finanzlage Griechenlands in den vergangenen Monaten ergeben. Schäuble sagte, offenbar sei die Liquidität Griechenlands geringer geworden. „Da kann natürlich alles Mögliche passieren. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles tun, um Griechenland zu helfen.“

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Dr. Michael Klein

05.05.2015, 14:59 Uhr

Hängen wir alle am Tropf eines privaten Geldmonopols?

Der Wirtschaftsweise Lars Feld erwartet ein 3. "Hilfspaket" für Athen.
In einem Interview mit "Bild" (26.02.14) erklärte Feld: "Griechenland benötigt allein von Juli bis Oktober mehr als 10 Milliarden Euro. Da das Land an den Kapitalmärkten keine Kredite bekommt, führt an einem 3. Hilfspaket kein Weg vorbei."

Die griechische Regierung benötigt dieses "Hilfspaket" von mehr als 10 Milliarden Euro um weiter ihre Zinsen an die Gläubiger (internationale Bankster) zahlen zu können!

Schäuble die Bankstermarionette hat nie den Euro oder die Menschen in Griechenland gerettet!

Gerettet (mit unseren Steuern) werden nur die reichen Gläubiger der Staaten, internationale Bankster und die Finanzeliten, auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger. (Steuer- bzw. Zinssklaven)

Die eigentliche Ursache der Krise wird in den Lügenmedien nie debattiert.
Die Anpassung an das Schuldgeldsystem der Bankenmafia, wird als "alternativlos" hingestellt.

Die wenigen Damen und Herren der Welt, die sich als "Master of Univers" verstehen, kennen nur die öffentliche Verschuldung, verdammen Griechenland und diktieren den Gesellschaften ein kaltes Einspar- und Kürzungsprogramm, das die betroffenen Menschen demütigt und hoffnungslos macht. Zum Kern wollen sie nicht vorstoßen.

Was wir brauchen, ist eine Bewegung, die gegen die Uninformiertheit der Bürger und gegen das Schuldgeldsystem bzw. Geldmonopol der Bankenmafia ankämpft.
Gegen die Entleerung der Demokratie durch die globalen Bankster und ihre Konzerne für mehr soziale Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft.

Warum erfahren wir in den Lügenmedien nichts über das Geldmonopol bzw. Schuldgeldsystem der Bankenmafia?

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien AGs?

Jeder der das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem", "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" oder "Goldschmied Fabian" suchen.

Herr Dr. Michael Klein

05.05.2015, 15:03 Uhr

Wolfgang Schäuble dementiert. Dennoch könne „natürlich alles Mögliche passieren“.

Griechenland bzw. die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Landes ist ein ewiges Thema. Dabei ist an sich alles klar: Das Land ist komplett im Schuldensumpf versunken. Die Wirtschaft mehr oder weniger zusammengebrochen. Die Arbeitslosigkeit liegt auf unerträglich hohen Niveaus, gerade bei der Jugend.

Das ganze Gebilde wäre längst auseinandergebrochen, gäbe es da nicht noch einen Grund, der dieses unausgewogene Konstrukt zusammenhält: Die gerade von Berlin mitgetragene und vorangetriebene Horrorvision des Umbaus der undemokratischen EU von einer reinen Wirtschaftszone in einen Superstaat!

Die „Vereinigten Staaten von Europa“ sind das Endziel der Bilderberger. Deren Vision die eigentlich schon längst gescheitert ist und dennoch immer weiter, immer wilder und immer verzweifelter verfolgt wird.

Dieser Vision werden Vernunft, Demokratie und nicht zuletzt das Wohl der europäischen Völker untergeordnet, ja geopfert. Solange in Brüssel, in Berlin und den anderen Hauptstädten der EU an dieser Vision festgehalten wird, wird der griechische Totentanz weitergehen!

Ziel: Die „Vereinigten Staaten von Europa“

Warum erfahren wir in den Lügenmedien nichts über die VSE?

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien AGs?

Herr Teito Klein

05.05.2015, 18:50 Uhr

Griechenland ist auf einem guten Weg
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und zwar in die Pleite.
Aber das ist Griechenland schon seit 30 Jahren.
Und jetzt fordert der IWF auch noch einen weiteren Schuldenschnitt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht im Streit um Griechenlands Schuldenkrise massiv Druck. Laut "Financial Times" ("FT") hat der Fonds die EU-Staaten explizit aufgefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Athen zu verzichten.

Die Eurokraten sind "entsetzt"!
Für Varoufakis ist das Wasser auf die Mühlen. Er forderte schon immer einen weiteren Schuldenschnitt.
Für die betroffenen Länder ist das ein Schlag ins Gesicht.

Gut, soll der IWF doch seine Zahlungen einstellen.
Dann ist es auch mit den "Rettungseuropäern" vorbei.

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