Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2015

09:36 Uhr

Griechenland-Krise

Was machen die denn da?

VonGeorgios Kokologiannis, Simon Book

Während in Brüssel über die Bedingung der Rettung gefeilscht wird, proben die Griechen: Manche die Normalität, manche den Aufstand. Die Touristen schauen ihnen dabei irritiert zu. Erlebnisse einer Krisennacht in Athen.

Kundgebung in Athen

Angst vor Austritt: Tausende demonstrieren für Euro

Kundgebung in Athen: Angst vor Austritt: Tausende demonstrieren für Euro

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

AthenWarum sollte man diese Geschichte eigentlich nicht auf dem Dach eines Hotels beginnen. Dem Grand Hotel Bretagne, des ersten Hauses in Athen, gleich am Syntagma-Platz vor dem Parlament. Achter Stock also, Sky Bar. Unten pusten an diesem milden Frühsommerabend tausende Menschen aus vollem Hals in ihre Trillerpfeifen um die Rettung ihres Landes herbeizuführen. Oben lässt sich folgende Szene beobachten: ein älterer, etwas untersetzter Mann im schwarzen Poloshirt, das akkurat in seiner beigen kurzen Hose Steckt.

Amerikaner, Westküste. Neben ihm eine jüngere Frau, die sich als seine Tochter zu erkennen gibt. Er: „Wofür demonstrieren die da eigentlich? Für oder gegen Europa?“ Sie: „Ich bin nicht sicher. Sie haben EU-Fahnen und griechische Flaggen.“ Er: „Wie auch immer“, wirft einen letzten Blick auf das bunte Völkchen zu seinen Füßen, dreht sich um, bittet um ein Foto von sich und seiner Tochter vor der Akropolis, die im Hintergrund strahlt, und widmet sich seinem Weißwein.

Wie reagiert der IWF auf einen Zahlungsverzug?

Zahlungsverzug tritt sofort ein

Zahlungsaufforderung durch Stab des Internationalen Währungsfonds (IWF); betreffender Staat hat keinen Zugriff mehr auf IWF-Mittel.

Quelle: IMF Financial Operations 2014, S. 139

Zwei Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Leitung kontaktiert zuständigen IWF-Gouverneur, drängt auf sofortige Zahlung.

Ein Monat nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor setzt Exekutivausschuss von Zahlungsverzug in Kenntnis.

Sechs Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor benachrichtigt betreffenden Staat, dass ohne sofortige Zahlung eine Beschwerde beim Exekutivausschuss eingereicht wird.

Zwei Monate nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor leitet Beschwerde an Exekutivausschuss.

Drei Monate nach Zahlungsverzug

Beschwerde wird im Exekutivausschuss behandelt; Zugriff des betreffenden Staates auf allgemeine Mittel des IWF wird beschränkt. Bei Verzug von Verpflichtungen bezgl. Sonderziehungsrechten (SZR) wird Recht auf Nutzung von SZR ausgesetzt.

Sie ist ja tatsächlich nicht mehr einfach auseinanderzuhalten, diese Schulden-Euro-Griechen-Krise, die in der letzten Nacht mal wieder eines ihrer Endspiele hatte und die Europäer und Griechen gleichermaßen zu spalten scheint. Am Sonntag noch gehörte der Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament den Euro-Gegnern, die einem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt waren und für eine harte Linie ihrer Regierung in Brüssel warben: keine weiteren Sparauflagen, keine weitere Austeritätspolitik, forderten Tausende.

An diesem Montag dann umgekehrt: Im Euro bleiben, koste es was es wolle, war das Motto unter dem sich ebenso viele am frühen Abend versammeln und bis spät bleiben. Aber von vorn.

++ Newsblog zur Griechenland-Krise ++: Euro-Finanzminister vereinbaren Krisentreffen am Mittwoch

++ Newsblog zur Griechenland-Krise ++

Euro-Finanzminister vereinbaren Krisentreffen am Mittwoch

Griechenland bleiben 48 Stunden: In der Zeit muss Premier Tsipras seine Reformpläne konkretisieren und die eigene Partei davon überzeugen. Die Gläubiger warten auf Ergebnisse. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Um kurz nach sieben Uhr Abends beginnt sich der Platz langsam zu füllen. Es ist warm, die Menschen tragen Sonnenbrille, rauchen Zigarillo, viele trinken Eiskaffee. Der Demonstrantenmix geht quer durch die Bevölkerung: alte, junge, Männer, Frauen, Kinder. Ein alter Mann schiebt einen Karren mit gerösteten Nüssen über den Platz, verkauft daraus abgepackte Tüten. Ein anderer Händler hat Flaggen und Trillerpfeifen im Angebot. Viele hier kommen direkt von der Arbeit und sind auf einen Sprung bei der Demo vorbeigegangen. Das jedenfalls verraten ihre Klamotten.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hanns Maiser

23.06.2015, 10:03 Uhr

Für mich ist klar, ich werde nie mehr meinen sauer verdienten Urlaub in Griechenland verbringen. Dieses in Selbstmitleid und Deutschlandhass versunkene Land sieht mich nie mehr wieder.

Account gelöscht!

23.06.2015, 10:04 Uhr

Der EURO genauso wie die EU sind Institutionen, die die Viefalt der europäsichen Kulturen / Länder in einer Gleichgeschalteten Diktatur umwandeln will. Die Vielfalt Europas ist in Wahrheit die Demokratie und nicht die Fixierung auf eine EU und eine Währung EURO. Die EU und der EURO stehen somit für das Diktat der Poltiik und diese Politik und Finanzinstitutionen sind und bleiben der Tod jeder Demokratie. Weil das politische und mediale Diktat, die Vielfalt der Völker, in einen Einheitsbrei von EU-Bürokratie und EURO Knechtschaft aufgehen zu lassen. einfach dem Freiheitswillen der europäischen Bürger / Kultern widerspricht.

Herr Paul Rimmele

23.06.2015, 10:07 Uhr

Es kann nur eine Entscheidung geben: löst die Eurozone auf!
Alles andere ist Selbstmord, merkt Ihr das nicht mehr?
Handelsblatt: ihr seit schlimmer als vormals das "Neue Deutschland"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×