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09.07.2015

10:29 Uhr

Griechenland-Krise

„Wir brauchen sofort eine Einigung“

VonGerd Höhler

„Zahlungsverkehr muss normalisiert werden“: Eine sofortige Einigung im Schuldenstreit fordert der Präsident des griechischen Tourismusverbands, Andreas Andreadis. Er sorgt sich um das „positive Bild“ seines Heimatlandes.

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AthenDer Schuldenstreit mit Griechenland steuert auf einen Showdown zu. Vier Tage bleiben der griechischen Regierung noch, um den Gläubigern ihren Reformwillen zu beweisen. Während in Athen ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet wird, empfängt das Europaparlament in Straßburg Ministerpräsident Alexis Tsipras mit gemischten Reaktionen. In der Heimat klagt vor allem die Tourismusindustrie über die Krise. Handelsblatt Online hat mit dem Präsidenten des griechischen Tourismusverbands, Andreas Andreadis, über die Schuldenstreit und seine Auswirkungen gesprochen.

Herr Andreadis, wie sehen Sie das Ergebnis der Volksabstimmung?
Ich respektiere und akzeptiere die demokratische Wahl der Griechen. Der Ministerpräsident hat die Unterstützung aller Griechen, jetzt an den Verhandlungstisch mit den europäischen Partnern zurückzukehren und eine tragfähige Lösung innerhalb der Eurozone auszuhandeln.

Wie wirkt sich das Referendum auf den Tourismus aus?
Die Daten zum Fremdenverkehr für das erste Halbjahr und bis zur Ausrufung der Volksabstimmung hatten ein positives Vorzeichen. Seit der Ankündigung des Referendums und der Kapitalkontrollen hatten wir einen Rückgang bei den Last-Minute-Buchungen in der Größenordnung von 30 Prozent.

Fragen und Antworten zur Schuldenkrise nach dem Referendum

Fordert Athen ein drittes Hilfsprogramm?

Griechenlands zweites Hilfsprogramm lief Ende Juni aus. Ministerpräsident Alexis Tsipras bat bereits vergangene Woche beim Euro-Rettungsfonds ESM über zwei Jahre um "Hilfe zur finanziellen Stabilisierung" in Form eines Kredits. Den Finanzbedarf gab er mit 29,1 Milliarden Euro an. Auch wenn Tsipras nicht von einem "Programm" spricht, ist es nichts anderes. Es wäre erneut mit Spar- und Reformauflagen verbunden, die wegen der längeren Laufzeit auch umfangreicher als bisher ausfallen müssten.

Was erwarten die Euro-Partner nun von Athen?

Die Euro-Länder sehen nach dem Referendum Athen am Zug. "Die Minister erwarten neue Vorschläge von der griechischen Regierung", erklärte die Eurogruppe vor ihrem für Dienstag angesetzten Sondertreffen zu Griechenland, mit dem ein Gipfel der Währungsunion am Abend desselben Tages vorbereitet wird. Bisher sind die Euro-Staaten sich nicht einig, ob sie mit Athen über ein weiteres Hilfsprogramm verhandeln sollen. Während die Bundesregierung dafür "zur Zeit" keine Grundlage sieht, zeigt sich Spanien gesprächsbereit.

Warum trat Finanzminister Giannis Varoufakis zurück?

Varoufakis' Verhandlungsstil und seine scharfe Rhetorik stießen in den vergangenen Monaten bei seinen Kollegen aus der Eurozone immer wieder auf Kritik. Das Fass zum Überlaufen brachte dann wohl eine Äußerung vom Samstag, als der Ökonom den Geldgebern "Terrorismus" vorwarf.

Erleichtert der Rücktritt künftige Gespräche?

Die Euro-Finanzminister könnten die Personalie als Versuch des Neuanfangs sehen, wobei Varoufakis im Hin und Her der Verhandlungen letztlich keine Entscheidungen ohne das Einverständnis von Tsipras fällte. Der für den Euro zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, stellte zudem fest, die Ablehnung der bisherigen Politik der Geldgeber bei der Volksabstimmung habe "unglücklicherweise die Kluft zwischen Griechenland und anderen Ländern der Eurozone vergrößert".

Was macht die EZB?

Seit der Ankündigung des Referendums wartete die Europäische Zentralbank (EZB) ab. Sie beließ die Höhe ihrer Notkredite für die griechischen Banken seit dem 28. Juni unverändert. In den Wochen davor hatte sie den Rahmen immer weiter erhöht.

Wann droht Athen der Staatsbankrott?

Griechenland geriet als erster Industriestaat überhaupt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Zahlungsverzug, als Athen Ende Juni 1,5 Milliarden Euro nicht zurückzahlte. Die großen Ratingagenturen stellen einen Staatsbankrott in der Regel erst dann fest, wenn ein Land private Gläubiger nicht mehr bedient. Am Freitag werden kurzfristige Staatsanleihen im Wert von zwei Milliarden Euro fällig, die vor allem von Privatgläubigern gehalten werden. Die Regierung in Athen könnte sich auch selbst für bankrott erklären - etwa wenn sie auch Löhne und Gehälter nicht mehr zahlen kann.

Kommt dann der Grexit?

Niemand kann Athen zwingen, den Euro zu verlassen. Stellt die EZB aber die Notversorgung der griechischen Banken ein, sitzt das Land de facto finanziell auf dem Trockenen. Bei einem Kollaps seines Finanz- und Wirtschaftssystems könnte Griechenland dann keine Wahl mehr haben, als zur Drachme zurückzukehren oder zumindest eine Parallelwährung einzuführen.

Wie könnte ein Euro-Austritt funktionieren?

Auch ein freiwilliger Austritt aus dem Euro ist nicht vorgesehen. Rechtlich möglich wäre lediglich ein Verlassen der EU - damit wäre auch die Euro-Mitgliedschaft beendet. Um in die EU zurückzukehren, müsste Griechenland einen neuen Beitrittsantrag stellen. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich Athen und die anderen Euro-Staaten vertraglich auf ein anderes Verfahren einigen.

Positiv ist, dass es bisher nicht in einem besorgniserregenden Maß Stornierungen gibt. Wir glauben, wenn die Verhandlungen mit den Gläubigern schnell abgeschlossen werden, können wir die Rückgänge bei den Last-Minute-Buchungen wieder aufholen.
Welche Folgen haben die Schließung der Banken und die Kapitalkontrollen für die Touristikunternehmen?
Je länger die Banken geschlossen und die Liquidität begrenzt ist, erschwert das die Arbeit der Touristikunternehmen, vor allem natürlich jetzt, in der Hochsaison. Bisher haben wir keine Engpässe bei der Versorgung mit Produkten.

Aber der Zahlungsverkehr, insbesondere mit dem Ausland, muss wieder normalisiert werden, damit wir Finanztransaktionen abwickeln können.
Was muss passieren, was sollte die Regierung tun?

Wir brauchen sofort eine nachhaltige Einigung mit unseren europäischen Partnern, damit das positive Bild Griechenlands im Ausland keinen Schaden leidet und die Wirtschaft sowie der Tourismus wieder normal funktionieren.

Andreas Andreadis ist Präsident des Verbandes der griechischen Touristikunternehmen (Sete).

Kommentare (2)

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Herr Rene Weiß

09.07.2015, 11:28 Uhr

Immer dasselbe. Man will eine Einigung (also unser Geld). Aber keine Reformen. Eine Weigerung, die Problem anzugehen, die die griechischen Regierungen (und udrhc die Wahlen das Volk quais selbser) in den letzten 30-40 Jahren geschaffen haben.
Nur weil man es permanent wiederholt, kommt man eine Lösung nicht näher.

Herr Wolf Larsen

09.07.2015, 11:58 Uhr

Der Vorhang fällt!

Auch das Handelsblatt ist in dieser Mainstream-Propaganda-Endlosschleife.
So wollen auch sie einfach nicht wahrhaben, dass es keine faulen Einigungen, keine "Kompromisse" und keine Hinterzimmer-"deals" zur Aufrechterhaltung des mörderischen Euro-Systems mehr geben wird.

Tsipras hat gesiegt, Schäuble und co. verloren, das deutsche Geld ist weg, Merkel hoffentlich auch bald, der Grexit kommt und der Euro verschwindet in der Mottenkiste der Geschichte.

Die EU ist tot, lang lebe Europa!

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