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07.01.2012

08:29 Uhr

Griechenland-Krise

Zähe Verhandlungen um Schuldenschnitt

VonR. Berschens, C. Engelen, Y. Osman

In den Gesprächen zum griechischen Schuldenschnitt ringen die Beteiligten hart um eine Einigung. Der Druck beider Parteien nimmt zu. Der IWF erwartet mehr Zusagen der privaten Gläubiger.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos setzt auf klare Kante. AFP

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos setzt auf klare Kante.

BrüsselDie Gespräche zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern verlaufen schleppend. Offiziell üben sich die Beteiligten zwar in Optimismus. „Wir sind zuversichtlich, die Gespräche bald erfolgreich abzuschließen“, heißt es beim griechischen Finanzministerium auf Anfrage. Auch ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man erwarte, dass die Verhandlungen über den Schuldenschnitt in wenigen Tagen erfolgreich abgeschlossen werden. Und der Weltbankenverband IIF lässt mitteilen, dass in den vergangenen Tagen Fortschritte erzielt worden seien.

EU-Diplomaten sprachen jedoch von extrem harten Verhandlungen. Beide Seiten hätten den Druck in den vergangenen Wochen massiv erhöht, ebenso die Intensität der Gespräche. Längst treffen sich die Verhandlungspartner nicht mehr nur physisch in Brüssel oder Frankfurt. „Die Gespräche werden fortgesetzt, meist via Telefon und Telekonferenz“, sagte ein IIF-Sprecher dem Handelsblatt.

Hinter vorgehaltener Hand geben sich viele Beteiligte denn auch eher pessimistisch. Sie verweisen darauf, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) sich zuletzt eher skeptisch geäußert hat. Ihm scheint die Beteiligung der privaten Gläubiger nicht weit genug zu gehen. Doch die IWF-Gelder sind für ein zweites Hilfspaket für Griechenland dringend nötig.

Außerdem ist noch nicht klar, ob sich genügend private Gläubiger an der „freiwilligen“ Umschuldung beteiligen wollen. Dem aktuellen Verhandlungsstand zufolge würden die Banken und Versicherungen auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Für ihre verbliebenen 50 Prozent erhielten sie eine Barzahlung über 15 Prozent und für die übrigen 35 Prozent neue griechische Staatsanleihen.

Diese Anleihen sollen britischem Recht unterliegen – ein für die privaten Gläubiger wichtiger Punkt. Sie hätten so eine bessere Rechtsstellung gegenüber Griechenland bei künftigen Umschuldungen. Zudem sollen die Anleihen rechtlich gleichberechtigt mit den Forderungen sein, die Griechenland bei öffentlichen Gläubigern hat.

Kommentare (12)

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Peer

05.01.2012, 15:11 Uhr

Griechenland hat grosse Ölreserven in der Ägäis
Ein Thema welches die griechische Öffentlichkeit zurzeit beschäftigt, sind die grossen Ölvorkommen welche das Land haben soll. Bereits im Jahre 2004 hat die Regal Petroleum verkündet, das grosse Kallirachi Ölfeld in der Nordägäis beinhaltet bis zu 1 Milliarde Fass leichtes Rohöl. Unabhängige Gutachter haben diesen Fund bestätigt.
Bisher war die Suche und die Ausbeutung der Quellen im Ägäischen Meer mit Schwierigkeiten verbunden, da es keine Vereinbarung zwischen Griechenland und der Türkei gibt, welche die Grenzen auf der Kontinentalplatte genau definiert. Ein Konflikt zwischen den beiden Ländern, wer nun wo wie viel Öl fördern darf ist vorprogrammiert. Man hat sogar jetzt Angst, ein neuer militärischer Konflikt könnte zwischen den Ländern ausbrechen und tatsächlich fahren türkische Kriegsschiffe provozierend auf und verletzen das griechische Hoheitsgebiet regelmässig, nutzen die aktuelle „Schwäche“ Griechenlands.
Die Erkenntnis, Griechenland hätte grosse Ölvorkommen, ist völlig neu für die Öffentlichkeit dort. Das wurde ihnen nicht erzählt, denn bisher wurde von unbedeutenden Mengen gesprochen. Aber mit dem Staatsbankrott ist diese Quelle eines möglichen Reichtums zu Tage getreten und wird heiss diskutiert. Angeblich soll aber diese Tatsache schon sehr lang in Regierungs- und Insiderkreisen bekannt sein, denn es wird behauptet, die deutschen Besatzer hätten während des II WK Griechenland eingehend kartografiert und den Bodenschatz entdeckt. Diese Karten über mögliche Ölvorkommen sind dann am Ende des Krieges in die Hände der Amerikaner und Engländer gefallen, sie wissen es deshalb schon lange.
Der ehemaliger US-Botschafter in Griechenland, Nicholas Burns, hat in einem TV-Auftritt beim Fernsehsender "MEGKA" zugegeben, dass es in der Tat Öl in der Ägäis gibt und das strategische Mineral schafft Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei

Profit

05.01.2012, 15:37 Uhr

Wenn Griechenland in die (Teil-)Insolvenz geht, welcher "Private" (einschl. IWF) gibt dann noch frisches Geld? Das ist die alles entscheidende Frage. Kapitalschnitte sind letztliche "nur" buchhalterische Maßnahmen. Wenn Griechenland als EU- und Euro-Land aber seine Schulden einfach negieren und Pleite gehen kann, ist der Euro als solches extrem gefährdet und wird scheitern. Es sei denn, Griechenland wird endlich (!) rausgeschmissen!

Luetzower-Jaeger

05.01.2012, 16:26 Uhr

Ein wahrhaft überzeugendes Angebot der Griechen an ihre privaten Gläubiger: "50% Abschreibung auf Alt-Anleihen. Für ihre verbliebenen 50 Prozent erhielten sie eine Barzahlung über 15 Prozent und für die übrigen 35 Prozent neue griechische Staatsanleihen."
Wer soll denn die Barzahlung leisten - der ESM oder gleich Deutschland?
Realistisch müssten die neuen Anleihen auch gleich mit 50% Abschreibung bilanziert werden, womit sich der Bilanzverlust aus dem griechischen Hütchenspiel-Anleihentausch auf ca. 67,5% summiert.
Dass sich unter solchen Bedingungen der Jubel der Privatgläubiger sehr verhalten anhört, ist verständlich. Bernie Madoff hat für seinen Ponzi-Scam 100 Jahre Knast erhalten und sein Privatvermögen kam unter den Hammer. Papademos wird stattdessen zum griechischen Premier befördert. EU-Europa ist eben doch ein Paradies - aber nur für Betrüger.

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