Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2015

10:13 Uhr

Griechenland-Krise

Zum Brunch nach Brüssel

Der Poker zwischen Griechenland und seinen Geldgebern stockt. Ist die Geduld der Gläubiger am Ende? Über das letzte Treffen sind die EU-Unterhändler jedenfalls ziemlich frustriert. Wie es zum Abbruch der Gespräche kam.

Begrüßten sich in der vergangenen Woche noch euphorisch, doch ihr Verhältnis dürfte inzwischen deutlich abgekühlt sein: Alexis Tsipras (l.) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. ap

Juncker und Tsipras

Begrüßten sich in der vergangenen Woche noch euphorisch, doch ihr Verhältnis dürfte inzwischen deutlich abgekühlt sein: Alexis Tsipras (l.) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

BrüsselDer Brückenbauer steht vor einem Trümmerhaufen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der sich in den Verhandlungen zur Lösung des Schuldenstreits stets als Vermittler zwischen der griechischen Regierung und deren internationalen Geldgebern gesehen hat, musste seine Bemühungen am Sonntagabend vorerst aufgeben. Zu groß seien die Differenzen, zu wenig Bewegung gebe es auf griechischer Seite, teilte die EU-Kommission mit.

Am Montag legte die Brüsseler Behörde nach: Eine Sprecherin der EU-Kommission nannte zahlreiche Details, welche Vorschläge die Institutionen – EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) – der griechischen Seite gemacht haben und wo die Probleme liegen. Der ungewöhnliche Schritt, den Inhalt von eigentlich vertraulichen Gesprächen zu veröffentlichen, verdeutlicht die wachsende Verärgerung in Brüssel über die griechische Regierung.

Der Frust war schon zuvor in vielen Äußerungen Junckers – etwa beim G7-Gipfel in Elmau – sichtbar geworden. Dort sagte er unter anderem: „Ich habe immer versucht, Brücken zu bauen. Aber ich warte immer noch darauf, dass Griechenland sein Teilstück baut.“ Dabei hatte der ehemalige Vorsitzende der Eurogruppe den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zu Gesprächen in Brüssel stets überschwänglich begrüßt – inklusive Umarmung, Küsschen und An-die-Hand-nehmen. Doch die Charmeoffensive zeigte nicht die erhoffte Wirkung, denn am Wochenende scheiterte der von Juncker propagierte „letzte Versuch“ krachend.

Schuld daran trägt EU-Vertretern zufolge die griechische Seite. So habe Juncker den griechische Ministerpräsidenten bereits bei ihrem Treffen am Donnerstag gebeten, dass bis zum Abend des selben Tages das Thema Primärüberschuss – der Staatshaushalt ohne Zinszahlungen – unter Dach und Fach sein soll. Stattdessen ließ die Regierung in Athen das Thema in der Schwebe und teilte am Freitag mit, neue Vorschläge lieber persönlich in Brüssel darzulegen. Vertreter von EZB und IWF eilten daraufhin ebenfalls zum Hauptsitz der EU-Kommission, um an der vielleicht entscheidenden Verhandlungsrunde teilzunehmen.

Als die Delegation aus Athen dann aber am Samstag verspätet zu den Gesprächen eintraf, gab es nach Angaben aus der EU weder einen schriftlichen Plan noch wesentliche Änderungen an der griechischen Position. Die Versuche einer Einigung unter Leitung von Junckers Kabinettschefs Martin Selmayr blieben bis tief in die Nacht ohne Ergebnis, so dass man sich auf Sonntag vertagte.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wilfried Runft

16.06.2015, 10:50 Uhr

Solange die griechische Regierung nicht in der Realität angekommen ist, bedarf es keiner weiteren Verhandlungen, die zudem der gesamten Welt das Zockertum der Griechen und die Führungslosigkeit der Europäer vor Augen führt...

Herr Henry Wuttke

16.06.2015, 11:51 Uhr

Die Griechen wollen den Schuldenerlass und neue Milliarden ohne einen Finger zu bewegen.

Der Alexis Tsipras führt die Euro-Länder mit einem Nasenring derart durch die Manege, dass die Welt sieht wie mit der EU umgegangen werden kann.

Disziplin, Verlässlichkeit, Vertrauen all diese Attribute wurden über Bord geworfen. Was aus Griechenland wird, wird die Zukunft zeigen. Ein großer Staatsmann verhält sich anders, Rumpelstilzchen ist eben kein Staatsmann.

Frau Margrit Steer

16.06.2015, 11:59 Uhr

Das ist doch alles nur Theater fürsd dumme Volk
Denn Merkel wird den Griechen weiterhin helfen, das hat Obama beim G7-Gipfel ihr befohlen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×