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23.01.2012

11:11 Uhr

Griechenland

Nervenkrieg um Schuldenschnitt geht ins Finale

Die Griechen blicken nach Brüssel: Dort kommen heute die Wirtschaftsminister zusammen, um über Details für einen Schuldenschnitt zu verhandeln. Heikel dabei ist der Zinssatz.

Bisher gibt es keine Einigung über die Zinsen. dpa

Bisher gibt es keine Einigung über die Zinsen.

AthenZum ersten Mal seit der Winterpause kommen heute die Euro-Wirtschaftsminister zusammen. Auf der Agenda in Brüssel: die Rettung Griechenlands. Vor allem geht es - nach wie vor - um die Konditionen über Athens Schuldenschnitt von 50 Prozent. Außerdem muss ein neues Rettungsprogramm für die Hellenen aufgestellt werden. Dabei sind die Bedingungen, die Griechenland für die zugesagten 130 Milliarden Euro leisten muss, noch immer nicht klar. Außerdem auf der Tagesordnung: Der Vertrag für den dauerhaften Rettungsschirm ESM, der im Sommer den befristeten Schirm EFSF ablösen soll.

Die Gespräche über einen Schuldenschnitt für Griechenland haben sich über das Wochenende zum Verhandlungsmarathon entwickelt. Mehr als vier Stunden saßen allein am Freitagabend die Delegationen unter Führung des griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und des Chefunterhändlers des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, im Athener Amtssitz des Premiers und rangen um eine Lösung. Ein Kompromiss sei in greifbarer Nähe gewesen, berichten Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Aber auch am Montag morgen gab es noch kein Ergebnis.

Bislang scheiterte die Einigung an der Frage des Zinskupons der neuen Anleihen, die Griechenland den Privatanlegern im Tausch für die alten Papiere anbieten will. Zwar hätten sich die Delegationen auf einen variablen Zins von vier bis 4,5 Prozent verständigt, hieß es in informierten Kreisen. Dagegen hätten jedoch Vertreter der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) Einspruch erhoben und einen Zins von weniger als vier Prozent gefordert. Nur dann sei Griechenlands Schuldentragfähigkeit gesichert, argumentierten sie.

Expertengespräch

„Die Euro-Schuldenkrise ist praktisch gelöst“

Expertengespräch: „Die Euro-Schuldenkrise ist praktisch gelöst“

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IIF-Chef Dallara flog am Samstagmorgen aus Athen nach Paris - "aus lange geplanten, privaten Gründen", wie ein Sprecher des Bankenverbandes betonte. Das technische Expertenteam des IIF bleibe in Athen, die Verhandlungen machten Fortschritte und würden telefonisch fortgesetzt, teilte der Sprecher mit. In griechischen Regierungskreisen hieß es, man hoffe, bis zum Treffen der Euro-Finanzminister am heutigen Montagabend doch noch eine Rahmenvereinbarung erzielen zu können.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

23.01.2012, 11:30 Uhr

Ein Kindergeburtstag ist in der Regel besser geplant und vorbereitet, als alle EU Entscheidermeetings. Und das, obwohl zu den EU-Treffen deutlich mehr Clowns bestellt werden.

Account gelöscht!

23.01.2012, 11:42 Uhr

Winterpause...aha...hoffentlich hatte man das der Krise auch gesagt! Entweder wir haben keine Krise, dann ist eine Pause gerechtfertigt, oder wir haben eine, dann sollten die Überbezahlten "Krisenmanager" ohne Pause an Lösungen arbeiten. Als Unternehmer kann ich auch nicht sagen: Liebe Banken, liebe Kunden und Lieferanten, meine Firma ist eigentlich insolvent, aber ich mache jetzt erstmal WINTERPAUSE!!!

Wie war das mit den Tassen und dem Schrank?

Bankfiliale-Bundestag

23.01.2012, 11:59 Uhr

In einer echten Marktwirtschaft tragen Gläubiger das Ausfallrisiko bei ihrem Treiben selbst - ein Mechanismus, der einer vernunftsgesteuerten Kreditvergabe dient:
So erzwingt das Ausfallrisiko der Gläubiger schmerzhafte Risikoprämien, die den Kreditappetit dubioser Schuldner dämpfen + diese zu Verzicht oder Eigenleistung hinführen. Gute Schuldner dagegen erhalten günstige Kreditkonditionen.
Die Kreditvergabesteuerung über das Gläubigerrisiko belohnt die Lenkung der Mittel hin zu den Erfolgsmodellen. Die Bail-Out-Wirtschaft dagegen bindet alle Mittel zur Alimentierung von Versage(r)n.
Die ausufernde Größordnung dieser Fehlsteuerung wird deutlich, wenn man das Volumen der fälligen Märzanleihe Griechenlands (~15 Mrd incl. Zins) und folgende Meldung betrachtet:
"Der dt. Rentenversicherung fehlt das Geld, um notwendige Rehabilitationsmaßnahmen für kranke Arbeitnehmer zu finanzieren. Die Mittel dafür sind seit 1997 gesetzlich begrenzt. 2010 lag der „Reha-Deckel“ bei 5,38 Milliarden Euro."

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