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03.11.2011

17:14 Uhr

Griechenland

Oppositionsführer Samaras will an die Spitze

VonGerd Höhler

Oppositionsführer Samaras kommt zur politischen Vernunft: Er stimmte für die Bildung einer Übergangsregierung und signalisiert Zustimmung zum Rettungspaket. Das ist neu – und endlich ein ermutigendes Signal aus Athen.

Antonis Samaras hat gute Chance Griechenland nach Neuwahlen zu führen. dpa

Antonis Samaras hat gute Chance Griechenland nach Neuwahlen zu führen.

AthenGiorgos Papandreou war es, der sich in  Cannes die Standpauke von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy anhören musste. Aber gewirkt hat sie auch beim griechischen  Oppositionsführer Antonis Samaras: Konfrontiert mit der Gefahr, dass sein Land in die Staatspleite schlittert und die EU verlassen muss, kam Samaras jetzt endlich zur politischen Vernunft. Wieder und wieder hatte der Konservative alle Koalitionsangebote des Sozialisten Papandreou ausgeschlagen - gestern stimmte er der Bildung einer Übergangsregierung zu und signalisierte die Zustimmung seiner Nea Dimokratia (ND) zu dem Rettungspaket, das er bisher heftig bekämpft hatte. Das ist neu – und endlich ein ermutigendes Signal aus Athen, nachdem die europäischen Partner seit zwei Jahren vergeblich einen politischen Konsens der beiden großen Parteien anmahnten.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Dabei konnten Papandreou und Samaras früher gut miteinander. Am renommierten Amherst College im US-Staat Massachusetts teilten sie sich sogar eine Bude. Später trennten sich ihre Wege: Der Soziologiestudent Papandreou ging zur London School of Economics ab, Samaras schloss sein Ökonomiestudium in Harvard mit magna cum laude ab.

Sie duzen sich immer noch. Aber aus den Studienfreunden von einst sind inzwischen erbitterte politische Rivalen geworden. Nicht einmal die existenzielle Krise ihres Landes konnte sie bisher zusammenbringen – bis gestern. Die Übergangsregierung, über die Samaras jetzt verhandeln will, soll die Umsetzung des Rettungspakets sichern, das Land danach aber möglichst rasch zu Neuwahlen führen. So macht es Samaras zur Bedingung. Er hofft, schon in wenigen Wochen, spätestens einigen Monaten als neuer Hausherr in die  Villa Maximos einziehen zu können, den Amtssitz der griechischen Regierungschefs an der vornehmen Athener Herodes-Attikus-Straße.

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