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05.01.2012

03:10 Uhr

Griechenland

Papademos will Lohnverzicht von Gewerkschaften

Die Troika wird am 15. Januar in Athen erwartet und Ministerpräsident Papademos will die nächste Kreditrate sichern. Die Gewerkschaften des Landes müssen Lohnkürzungen akzeptieren, sagte er.

Der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos dpa

Der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos

AthenDer griechische Ministerpräsident Lucas Papademos hat vor einem unkontrollierten Staatsbankrott im März gewarnt, sollte sein Land keine Hilfe aus dem Ausland erhalten. Benötigt würden eine Einigung mit der Troika aus EU, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie andere Gelder, sagte Papademos am Mittwoch bei Gesprächen mit Spitzen von Gewerkschaften und Arbeitgeber-Verbänden.

Zur Sicherung der nächsten Kredit-Tranche sollten die Gewerkschaften seines Landes weitere Lohnkürzungen akzeptieren, sagte er.

Ohne die Zustimmung der EU-Troika und des Internationalen Währungsfonds zur Auszahlung der nächsten Rate drohe Griechenland im März der Staatsbankrott, warnte Papademos am Mittwoch bei einem Treffen mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern in Athen. „Wenn wir unseren wichtigsten Erfolg - die Teilnahme am Euro und die Verhinderung einer massiven, vertikalen Einkommensentwertung sichern wollen, zu der ein Ausstieg aus dem Euro führen würde, dann müssen wir eine kurzfristige Einkommensminderung hinnehmen“, sagte Papademos nach einem von seinem Presseamt veröffentlichten Redemanuskript.

Mitte Januar reisen Vertreter der Troika nach Athen, um über weitere Einsparungen im Rahmen des europäischen Rettungspakets zu verhandeln. Zu den Auflagen der Troika gehören neben einer Steuer- und Justizreform auch Rentenkürzungen.

Ohne notwendige Anpassungen „an die Realität“ sei die Auszahlung der nächsten Kreditrate nicht garantiert, sagte Papademos. „Mit Beginn des Jahres 2012 treten wir in die höchst entscheidende Phase für den Kurs der griechischen Wirtschaft ein“, sagte der Ministerpräsident.

Von den Gewerkschaften erntete Papademos allerdings nur eisige Ablehnung. Der Chef der Gewerkschaft GSEE, Yannis Panagopoulos, bestand nach dem Treffen darauf, dass der nationale kollektive Tarifvertrag - einschließlich des darin vereinbarten Mindestlohns und der 13. und 14. Monatsgehälter - nicht zur Disposition stehe. „Arbeiter und Rentner seien durch die Krise unverhältnismäßig hoch belastet worden und haben nun keinen Spielraum für weitere Kürzungen oder Rücknahmen von Arbeitnehmerrechten“, teilte die Gewerkschaft mit.

Den öffentlichen Angestellten wurden die beiden Extra-Gehälter im Rahmen der Sparmaßnahmen bereits gestrichen. Der Chef des Arbeitgeberverbands Hellenic Federation of Enterprises, Dimitris Daskalopoulos, sagte, sein Verband werde alles in seiner Macht Stehende tun, damit die Mindestlöhne nicht gesenkt werden.

Vor dem nächsten Besuch der internationalen Finanzinspektoren Mitte Januar hatte Regierungssprecher Pantelis Kapsis am Dienstag auch ein Ausscheiden aus der Eurozone nicht mehr ausgeschlossen.

Athen musste bereits im Mai mit internationaler Hilfe in Höhe von 110 Milliarden Euro gerettet werden. Eine zweite Zahlung von 130 Milliarden wurde im Oktober bewilligt. Die Umsetzung ist aber an Bedingungen geknüpft.

Kommentare (3)

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DanielKonstanz

05.01.2012, 00:29 Uhr

Ohne notwendige Anpassungen „an die Realität“ sei die Auszahlung der nächsten Kreditrate nicht garantiert .... ha ha ha kann man da nur sagen - NATUERLICH wird gezahlt, alles andere ist doch "alternativlos" ... was soll also der ganze Troika Schmarrn ?

sterbende_demokratie

05.01.2012, 08:41 Uhr

Sollen wir nun alle drei Monate vor jeder neuen Alimenten-Rate den gleichen Schei... le-sen?

Wir wissen doch längst das Griechenland nicht gerettet wurde sondern lediglich dessen Konkurs zum Erhalt der EU immer weiter verschleppt wird.

Liebe Medien, lasst es doch einfach gut sein….

Die Arbeitssklaven der EU -früher noch als Deutsche bezeichnet- haben doch längst ka-piert das sie so sehr vom Euro "profitieren“ das sie gefälligst lebenslang die Südeuropäer mit durchfüttern dürfen.

Für Euro und EU habe ich nur noch Brechreiz über!

Sven

07.02.2012, 12:27 Uhr

Ich finde es eine Unverschämtheit von den sicher auch sehr hart arbeitenden griechischen Arbeitnehmern drastische Lohnverzichte zu fordernö (bis 25%). Es droht die Verarmung und Verelendung großer Bevölkerungsteile. Die Regierenden die diese Forderungen der EU durchsetzen müssen, dürfen sich nicht wundern, wenn bald in Griechenland bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen werden. Die Griechen sind nicht so lammfromm wie die Deutschen und lassen sich von den Politikern alles gefallen................

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