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26.07.2015

10:41 Uhr

Griechenland

„Plan B“: Putsch für die Drachme

VonGerd Höhler

Griechenland drohte nicht nur der Absturz in die Pleite. Das Land stand kurz vor einem Putsch. Das Ziel des Staatsstreichs, den führende Mitglieder der Regierungspartei Syriza planten: die Rückkehr zur Drachme.

Grexit-Szenario

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AthenWas will Alexis Tsipras? Am Euro festhalten, wie er seinen Landsleuten öffentlich versichert? Oder doch zurück zur Drachme? Brisante Enthüllungen der Athener Sonntagszeitung „Kathimerini“ werfen ein neues Licht auf die Rolle des griechischen Premiers und seines inzwischen entlassenen Finanzministers Yanis Varoufakis: Tsipras soll bereits im Dezember 2014, mehr als einen Monat vor seinem Wahlsieg, seinen damaligen Wirtschaftsberater Varoufakis beauftragt haben, Pläne für eine Rückkehr zur Drachme auszuarbeiten. Aber Varoufakis war nicht der einzige in der Athener Regierung, der solche Überlegungen anstellte.

Geschlossene Banken, lange Schlangen vor den Geldautomaten, Kapitalkontrollen – das alles mussten die Griechen in den vergangenen vier Wochen erleben. Aber es hätte noch weitaus schlimmer kommen können. Dem Land drohte nicht nur der Absturz in die Pleite. Griechenland stand kurz vor einem Putsch. Das Ziel des Staatsstreichs, den führende Mitglieder der Regierungspartei Syriza planten: die Rückkehr zur Drachme.

Giannis Stournaras, Gouverneur der griechischen Notenbank und Mitglied im Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB) kann sich glücklich schätzen, seine Freiheit zu genießen. Ginge es nach Panagiotis Lafazanis, Mitglied im Zentralkomitee des radikalen Linksbündnisses Syriza und bis vor kurzem Energieminister im Kabinett von Alexis Tsipras, säße Stournaras jetzt in einer Gefängniszelle – oder zumindest in Hausarrest.

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Lafazanis wollte den Notenbankchef, der sich schon als Finanzminister in den Jahren 2012 bis 2014 den unversöhnlichen Hass vieler Syriza-Politiker zugezogen hatte, verhaften lassen – Teil eines Plans, das Land vom Euro zu befreien und zu einer eigenen Währung zurückzuführen, ohne lästige Spar- und Reformauflagen der Gläubiger. Was Lafazanis plante – und vielleicht immer noch plant – ist nicht weniger als ein Staatsstreich.

Das Drei-Sterne-Hotel Oscar im Athener Bahnhofsviertel gehört nicht gerade zu den Spitzenherbergen der griechischen Hauptstadt. Aber es könnte in die politische Geschichte des Landes eingehen – als Treffpunkt einer Verschwörung.

Stathis Leoutsakos gehörte zu den geladenen Gästen, als sich am Abend des 14. Juli führende Figuren des linksextremen Syriza-Flügels in einem Konferenzsaal des Hotels Oscar trafen, um einen Schlachtplan zu schmieden.

Aber was er vor dem Eingang des Hotels antraf, gefiel dem Abgeordneten Leoutsakos gar nicht: Journalisten, Fernsehteams, Fotografen. „Wer hat Euch bestellt?“, herrschte der resolut auftretende frühere Gewerkschaftsfunktionär die Reporter an. „Du da, hast Du eine Einladung?“ ging Leoutsakos einen der Pressevertreter frontal an.

Kein Wunder, das man unter sich sein wollte. Denn was Energieminister Lafazanis wenige später im Konferenzsaal des Hotels den Genossen vortrug, hatte es in sich: „Wir wollen eine nationale Währung“, sagte Lafazanis laut Teilnehmern des Treffens. „Das war unser Plan von Anfang an, wir hätten das längst umsetzen sollen, aber es ist noch nicht zu spät dafür.“

Es waren dramatische Stunden für Griechenland. Tags zuvor war Premier Tsipras nach einer nächtlichen Marathonsitzung vom Sondergipfel der Euro-Staats- und Regierungschefs nach Athen zurückgekehrt – mit einer Vereinbarung, von der er selbst sagte, sie sei „schlecht“, ihm aber von den Partnern aufgezwungen worden. Er habe keine andere Wahl gehabt, als den Spar- und Reformauflagen zuzustimmen.

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Lafazanis glaubte: Es gab eine Alternative. Und er entwickelte im Hotel Oscar seinen „Plan B“: Als erstes müsse man das Nomismatokopeion besetzen, die staatliche Münzanstalt an der Mesogeion-Avenue im Athener Stadtteil Cholargos.

In der Münze stehen die Druckmaschinen, mit denen die griechische Zentralbank im Auftrag der EZB eine genau festgelegte Anzahl von Euro-Banknoten drucken darf. Es sind aktuell Zehneuroscheine, früher wurden hier auch Fünfer und Zwanziger gedruckt. Zu erkennen sind die in Athen gedruckten Scheine an einem Y vor der Seriennummer.

Zugegeben: Mit Zehneuroscheinen kommt man nicht sehr weit. Aber interessanter war für Lafazanis: In den Tresoren der Münzanstalt sowie in den Zweigstellen der griechischen Zentralbank im ganzen Land lagern erhebliche Bargeldbestände – 22 Milliarden Euro nach Angaben von Lafazanis. Wenn man darauf zugreife, könne man über mehrere Monate hinweg Renten und Gehälter im Staatsdienst zahlen, während man den Übergang zu einer eigenen Währung vorbereite.

Kommentare (15)

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Frau Kerstin Eversmeyer

27.07.2015, 08:15 Uhr

Ein Plan B gehört in jede seriöse politische Planung - und ich hoffe sehr, daß auch die BRD ein Planungsszenario zur Wiedereinführung einer nationalen Währung in der Tasche hat. Ein Plan B ist die Schwimmweste auf der Fähre. Ein Dummkopf ist der Krakeler, der schreit : "Hier sind Schwimmwesten - die Fähre wird untergehen"^^
Und als einen antidemokratischen Putsch betrachte ich eher die Entscheidung des Alexis Tsipras trotz eindeutigen Volksvotums gegen die Sparpakete - diese in vollem Umfang einzuführen. Dass die Stammpartei diesen Alleingang des möglicherweise politischen "Schläfers" Tsipras nicht ohne Murren hinnimmt war doch erwartbar.

Herr Marc Otto

27.07.2015, 08:31 Uhr

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Es ist zwar sehr ruhig geworden, aber mit Geld löst man kein Strukturproblem. Die Drachme wäre die Lösung gewesen, wenn auch mit etwas Schmerzen verbunden. Aber es geht hier offensichtlich nicht darum, dass Probleme gelöst werden, sondern darum, dass Bewegung in den Markt kommt.

Nur so kann man als Trader auch Geld machen.

Herr Teito Klein

27.07.2015, 08:36 Uhr

Tsipras und die Drachme
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Noch vor Regierungsantritt soll Syriza-Chef Tsipras seinen Vertrauten und ehemaligen Finanzminister Varoufakis beauftragt haben, einen geheimen Plan für einen Euro-Austritt vorzubereiten. Dabei sollte ihnen laut eines Medienberichts ein Hacker Zugang zu Steuerdaten verschaffen. Jetzt hat sich Varoufakis verplappert.

Auch nach seinem Rücktritt sorgt der ehemalige griechische Finanzminister Giannis Varoufakis weiter für Schlagzeilen: Einem Bericht der englischsprachigen griechischen Zeitung „Kathimerini“ zufolge soll Varoufakis von Ministerpräsidenten Alexis Tsipras dazu beauftragt worden sein, mithilfe eines Hackers Pläne für ein Parallel-Bankensystem zu entwickeln. Es sollte dabei um ein mögliches Zahlungssystem gehen, falls griechische Banken wegen Liquiditätsmangel schließen müssten. Quasi per Knopfdruck sollte man das System außerdem von Euro auf Drachme umstellen können. Varoufakis habe den Auftrag im Dezember 2014 erhalten, also noch bevor Syriza an die Macht kam. Später habe Tsipras jedoch Abstand von dem Plan genommen.

Quelle: FAZ
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/grexit-plan-aus-athen-13721668.html

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