Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.07.2012

11:24 Uhr

Griechenland

Postenvergabe nach Parteibuch

Das Klientel-Karussell in Griechenland dreht sich wieder: Nach einem Regierungswechsel ist es in Athen üblich, dass die zentralen Posten in den Ministerien und Behörden neu besetzt werden. Doch diesmal gibt es Probleme.

Muss die Personalfrage klären: Griechenlands Premier Antonis Samaras. AFP

Muss die Personalfrage klären: Griechenlands Premier Antonis Samaras.

AthenNoch laboriert der neue griechische Premier Antonis Samaras an den Folgen einer schweren Augenoperation. Seine Regierungserklärung wird er deshalb wohl erst am 7. Juli abgeben. Aber schon jetzt regiert Samaras. In seiner Wohnung im Athener Villenvorort Kifissia steht er in ständiger telefonischer Verbindung mit Staatspräsident Karolos Papoulias, der ihn bei dem EU-Gipfel vertritt. Vor dem Gipfel hatte Samaras mit François Hollande, Mario Monti, Kommissionschef José Manuel Barroso und Kanzlerin Angela Merkel telefoniert.
Auch mit Personalfragen beschäftigt sich der Rekonvaleszent: Apostolos Tamvakakis, CEO der National Bank of Greece (NBG), des größten griechischen Kreditinstituts, musste gestern gehen. Zum neuen Chef berief die Regierung Alexandros Tourkolias. Er sitzt seit 2010 im NBG-Vorstand und gilt als enger Vertrauter von Samaras. Der Staat hält direkt 1,2 Prozent der NBG-Aktien, kontrolliert über staatliche Pensionsfonds weitere 12,5 Prozent und ist damit größter Einzelaktionär der Bank. Tourkolias übernimmt den einflussreichsten Job im griechischen Bankensektor.

Der Führungswechsel bei Griechenlands größter Bank ist nur der Anfang. Auch in anderen staatlich kontrollierten Unternehmen, wie bei den öffentlichen Versorgern, bei den Behörden wie der griechischen Privatisierungsagentur und in den Ministerien beginnt jetzt das Stühlerücken. Es ist in Griechenland üblich, dass jede neue Regierung Posten, die als wichtig gelten, neu besetzt. Das geht sogar so weit, dass die Chefs der Polizei und der Feuerwehr ausgewechselt werden.
Samaras ist jetzt allerdings in einer schwierigen Lage. Schließlich regiert er nicht allein, sondern ist auf die Unterstützung der sozialistischen Pasok und der Demokratischen Linken angewiesen. Deren Führer, Evangelos Venizelos und Fotis Kouvelis, wollen bei den Personalentscheidungen natürlich mitreden und Leute ihres Vertrauens an wichtigen Schaltstellen positionieren - das Klientel-Unwesen, das als eine der Ursachen der griechischen Misere gilt, lässt grüßen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HansWurst

01.07.2012, 11:49 Uhr

"Anders als im Fall des neuen Bankchefs Tourkolias, der als ausgewiesener Fachmann gilt, zählt bei der Vergabe der Spitzenposten das Parteibuch oft mehr als die fachliche Qualifikation."

Das ist in Deutschland ja gaaaaaaaaaaaanz anders

Da wird man als Jurist Umweltminister (Peter Altmaier)
als Technikerin für Elektrotechnik Agrarministerin (Ilse Aigner), als augebildeter Bankkaufmann Gesundheitsminister (Daniel Bahr) und als Augenarzt Wirtschaftsminister (Philipp Rösler). Noch mehr Beispiele gefällig, liebes Handelsblatt?
Hört endlich auf mit den Fingern ständig aufg andere zu zeigen, wenn ihr in Deutschland euerer journalistischen Aufgabe überhaupt nicht gerecht werdet und die Misstände im eigenen Land offenlegt. Derartige Artikel zeugen nur von der eigenen Unfähigkeit!

Rainer_J

01.07.2012, 11:49 Uhr

Die könnten doch Tiere nehmen. Außenminister eine Schlange. Innenminister ein Affe. Finanzminister ein Schwein. Wirtschaftsminister ein Kuckuck und als Chef ein Nilpferd. Dann läuft alles wie bisher.

Nordeuropaeer

01.07.2012, 12:00 Uhr

Richtig, und genauso ändern deutsche Politiker auf Landesebene. Naiver Kommentar desnHB in diesem Fall.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×