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02.11.2011

01:00 Uhr

Griechenland-Referendum

Ökonomen warnen vor Folgen für das Finanzsystem

VonDietmar Neuerer

ExklusivGriechenland stellt das nächste Rettungspaket zur Diskussion. Deutsche Wirtschaftsexperten befürchten, bei einem Scheitern des Referendums könnten in Europa die Lichter ausgehen.

Ein Scheitern des Referendums könnte das Finanzsystem mitreißen. dpa

Ein Scheitern des Referendums könnte das Finanzsystem mitreißen.

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland fürchten bei einem Scheitern des geplanten Griechenland-Referendums über das nächste Rettungspaket verheerende Folgen für das Finanzsystem in der Euro-Zone. Zwar sei es „für sich genommen nicht falsch“, wenn der griechische Premier Giorgos Papandreou versuche, für seine Politik zur Umsetzung der Gipfelbeschlüsse der Euro-Staaten aus der letzten Woche eine neue Legitimation zu bekommen. Doch bei einem Nein im Plebiszit drohe das „Schuldenevent“, das mit den Beschlüssen vermieden werden sollte.

„Die Kreditausfallversicherungen würden gezogen, die befürchteten Schockwellen durch das Finanzsystem wären wohl nicht zu vermeiden“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online. Papandreou habe so aus guter Absicht Europa bereits „großen Schaden“ zugefügt, zumal auch nicht klar sei, worüber die Griechen eigentlich abstimmen sollen.

„Den einseitigen, freiwilligen Schuldenerlass der Kreditbanken? Wohl kaum. Die Hilfen der Euro-Partner und des IWF? Das ist doch längst durch. Die notwendige Restrukturierung der Staatsfinanzen? Darüber wären dann aber Neuwahlen herbeizuführen, und man müsste nicht sogleich Europa so stark in Mitleidenschaft ziehen“, erläuterte Hüther und fügte hinzu: „Alles in allem scheint es wie ein politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Das sollte man dann alleine machen.“

Auch der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, warnte bei Handelsblatt Online, verliere Papandreou das Referendum, dann scheitere auch die europäische Rettungspolitik der Billionen-Euro-Pakete. Griechenland wäre dann „über Nacht pleite und speziell die deutsche Regierung müsste ihren Wählern die dann eintretenden Milliardenverluste aus Garantieversprechen erklären“. Daher werde die europäische Politik zittern.

„Aber vielleicht wird sie aus der Not eine Tugend machen und ernsthaft über andere Krisenmechanismen nachdenken: über eine Insolvenzordnung für Euro-Staaten etwa oder über Verfahren zum freiwilligen oder zwangsweisen Austritt aus der Währungsunion“, sagte der Ifo-Experte. Hoffentlich mache sich dann die Erkenntnis breit, dass es sich bei der Währungsunion nicht um eine Schicksalsgemeinschaft handele: „Griechenland gäbe es auch ohne den Euro“, sagte Carstensen. „Und Europa scheitert nicht, wenn der Euro in Griechenland scheitert.“

Gleichwohl gestand Carstensen Griechenland das Recht zu, sich mittels einer Volksabstimmung zu vergewissern, ob die eingeschlagene politische Richtung von der Mehrheit der Bürger mitgetragen werde. Ein Referendum könne die Legitimation der massiven Reformpolitik stärken und zwänge die Opposition, Farbe zu bekennen. „Vielleicht könnte es sogar der Beginn einer „Regierung der nationalen Einheit“ sein“, sagte der Ifo-Experte.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

02.11.2011, 01:27 Uhr

Die parasitären Griechen haben eigentlich gar nichts abzustimmen. Die Frage, ob ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt oder nicht, kann nicht Gegenstand einer Volksabstimmung sein. Ein Staat, der seine Bürger fragt, ob man sich an Recht und Vertrag halten soll oder nicht, der ist dessen nicht würdig, Mitglied in der EU zu sein.
Wer verhindert eigentlich, dass demnächst bei einem Referendum in Italien oder Spanien ebenso asoziale Einwohner einfach entscheiden, Schulden gegenüber dem Ausland nicht mehr zu bedienen?
Gegen die asoziale Bevölkerung in Südeuropa hilft nur der Gummiknüppel einer hart durchgreifenden Polizei.
Wenn diese Länder Demokratie pur haben wollen, dann aber bitte nicht auf Kosten deutscher Steuerzahler.

lowabras

02.11.2011, 02:10 Uhr

Spaet, aber eben noch nicht zu spaet fuer die Griechen, denn die Abkoppelung von der zerstoererischen Kraft einer Geimeinschaftswaehrung ohne die dafuer notwendige Struktur, ist der einzige Weg, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen, welche notwendig sind um Schulden zu bedienen und womoeglich zurueckzufuehren.
Insolvenz, mit den Konsequenzen fuer die Glaeubiger ist ein taeglich sich tausendfach wiederholender und normaler Vorgang!

Offensichtlich hat sich nach Monaten nun die Erinnerung an die Demokratie wieder in der Erinnerung hochgearbeitet, wenn auch die massiven Proteste da sicher nachgeholfen haben.
Von solchen demokratischen fortschritten kann das deutsche Volk mit seiner Volkskammer Diktatur nur traeumen und die Kritik an der nunmehr erlangten griechischen Einsicht entspringt einem massiven Neid, was ja eine Grundeigenschaft deutscher Kultur ist, mangel chourrage, so wie die Griechen, auf die Strasse zu gehen.
Schlaft schoen weiter und schimpft ueber Andere, was Anderes erwartet die Welt doch nicht von deutschen. Bedient weiter das Klischee, das ihr in der ganzen Welt berechtigterweise habt. Ein emigrierter sog. Deutscher

Euyonimus

02.11.2011, 02:39 Uhr

"Papandreou habe so aus guter Absicht Europa bereits „großen Schaden“ zugefügt, zumal auch nicht klar sei, worüber die Griechen eigentlich abstimmen sollen."

Das wurde inzwischen bekannt zum Teil:

Griechenland: In der geplanten Volksabstimmung zum Rettungsprogramm wird es auch um die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone gehen, so Premierminister Papandreou laut Bloomberg.
Das Referendum werde Griechenland als Mitglied in der EU und der Eurozone bestätigen.
00:21 - Echtzeitnachricht


Ach so, das Abstimmungsergebnis weiß man bereits, oder wie soll man das verstehen??
Wahrscheinlicher ist, daß das Vertzrauensvotum scheitert und Neuwahlen anstehen. Nur die Opposition hat überhaupt kein Programm bisher, wie man mit der Krise umgehen sollte.


Ist eigentlich inzwischen bekannt, wo die CDS liegen, weil darum so ein Buhei gemacht wird? Jede Versicherung, die etwas versichert, muß auch immer mit dem worst case rechnen.

Viel beunruhigender und eine ganz andere Größenordnung sind die über 200 Billionen (deutsche Zählung) an Derivaten der 5 größten US Banken, die sie am Markt fahren. Die Bank of America hat alleine davon 75 Billionen, die JPMorgan Chase 79 Billionen laufen.

An der Spekulation mit europ. Staatsanleihen ist die MF Global in USA nun schon pleite gegangen, 700 Millionen an Kundengeldern sind veruntreut worden-nennt sich unauffindbar. Aber der Focus richtet sich zZt allein auf Europa.



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