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15.02.2012

07:04 Uhr

Griechenland-Rettung

Euro-Finanzminister suchen per Telefon einen Ausweg

Das geplante Treffen zum Griechenland-Hilfsprogramm ist abgesagt. Jetzt wollen die Euro-Finanzminister am Telefon über die offenen Fragen beraten. Griechenlands Rettung hängt in der Schwebe. Der Euro steht unter Druck.

An Griechenlands Rettung wird weiter gearbeitet - so wie an der Sanierung des Pantheon auf der Akropolis. dapd

An Griechenlands Rettung wird weiter gearbeitet - so wie an der Sanierung des Pantheon auf der Akropolis.

Brüssel/Athen/TokioUrsprünglich wollten die Ressortchefs bei dem Krisentreffen heute in Brüssel bereits entscheiden. Die internationalen Geldgeber sehen ihre Bedingungen für weitere Hilfszahlungen an Athen jedoch noch nicht erfüllt und schieben ihre Zusage für neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro weiter hinaus. Jetzt beraten die obersten Kassenhüter der Euroländer heute telefonisch über noch offene Fragen. Damit zieht sich die Rettung des Landes vor der drohenden Pleite länger hin als zunächst angenommen.

Die „Troika“ von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds und die griechische Regierung müssten weiter an zusätzlichen Sparmaßnahmen von 325 Millionen Euro arbeiten. Auch andere Fragen seien noch offen, teilte der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, am Dienstagabend mit.

Das hat Konsequenzen für die Märkte. Der Euro bleibt in Fernost wegen der anhaltenden Hängepartie um Griechenland unter Druck. Analysten reagierten verunsichert auf die kurzfristige Absage eines Treffens der Euro-Finanzminister. „Die Tatsache, dass die Finanzminister ihr Treffen abgeblasen haben, bedeutet, dass die Märkte noch länger auf eine Einigung für ein zweites Hilfspaket für Griechenland warten müssen“, sagte Analyst Mitual Kotecha. „Der Euro hat an Dampf verloren und dürfte jetzt weiter an Wert verlieren.“

Das griechische Kabinett unter Leitung von Ministerpräsident Lukas Papademos will heute wiederum über Möglichkeiten zur Einsparung von weiteren 325 Millionen Euro entscheiden. Dies verlautete am Dienstagabend aus Regierungskreisen in Athen. Davor seien noch Gespräche mit Inspektoren der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) geplant, sagte ein Gewährsmann. Regierungssprecher Pantelis Kapsis hatte zuvor erklärt, die weiteren 325 Millionen Euro sollten durch Einschnitte bei Ministerien eingespart werden.

Die europäische Gemeinschaftswährung gab im asiatischen Handel auf bis zu 1,3080 Dollar nach, fing sich dann aber wieder auf 1,3127 Dollar.

Athen arbeitet die ultimativen Sparvorgaben der internationalen Geldgeber ab und will so die Staatspleite abwenden. Juncker monierte, er habe die verlangten politischen Zusicherungen von den Führern der griechischen Koalitionsparteien zur Umsetzung des Programms nicht erhalten. Dabei geht es um die Verpflichtung der griechischen Politik, beschlossene Sparmaßnahmen auch nach den Neuwahlen im April umzusetzen.

Athens Agenda

Gesundheit

Um fast 1,1 Milliarden Euro sollen die Arzneimittelausgaben staatlicher Kliniken beschnitten werden, weitere 50 Millionen bei den Überstunden der Ärzte eingespart werden.

Militär

Im Militäretat sind Kürzungen von 600 Millionen geplant.

Renten

Sie werden um bis zu 15 Prozent gekürzt.

Stellenabbau

Bis 2015 sollen 150.000 Stellen im Staatsdienst gestrichen werden. Überflüssige Behörden werden aufgelöst.

Löhne

Der Mindestlohn von 751 Euro wird um 22 Prozent, für bis zu 25-Jährige sogar um 32 Prozent gesenkt. 17 sogenannte geschlossene Berufe vom Fremdenführer bis zum Optiker sollen dereguliert werden.

Steuereinnahmen

Von einem vereinfachten Steuersystem verspricht man sich Erfolge im Kampf gegen Steuerhinterziehung.

Kommentare (36)

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fondsberater

15.02.2012, 07:30 Uhr

Griechen können weder guten Wein noch Olivenöl herstellen, die Hotels sind im Vergleich zur Türkei bestenfalls Absteigen, Das griechische Standardkochbuch hat maximal 4 Seiten. Laßt die doch endlich in die Pleite marschieren! Was ist so schlimm an der Erkenntnis, daß man für Geld arbeiten muß. Das Taktieren auf beiden Seiten ist einfach nur widerwärtig.

Account gelöscht!

15.02.2012, 07:44 Uhr

Da man sich nicht traute die Griechen in Wahlen zu fragen und stattdessen einen Regierungschef absägte, sollte man jetzt nicht auf die Bereitschaft der Menschen setzen.
Warum wird bei solch wichtigen Entscheidungen nicht der Wähler eingebunden?

Pequod

15.02.2012, 08:06 Uhr

Rien ne va plus - Nichts geht mehr - No more bets
please - dat wor et, auf Kölsch!!

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