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05.06.2013

23:57 Uhr

Griechenland-Rettung

IWF gibt schwerwiegende Fehler zu

Der Internationale Währungsfonds gibt in einem Bericht zu, Fehler bei der Rettung Griechenlands gemacht zu haben. So habe man auch eigene Kriterien gebeugt, um Hilfe zu ermöglichen. Aber auch die EU kommt nicht gut weg.

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington. Ein Bericht gibt schwere Fehler bei der Rettung Griechenlands zu. dpa

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington. Ein Bericht gibt schwere Fehler bei der Rettung Griechenlands zu.

WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat Versäumnisse und "bedeutende Misserfolge" bei der Unterstützung Griechenlands eingeräumt. Dem Programm aus dem Jahr 2010 seien allzu optimistische Annahmen zur Entwicklung der griechischen Staatsschulden und zur Umsetzung von Reformen in dem Land zugrunde gelegt worden, hieß es in einem Bericht über das damalige Vorgehen. Das Hilfsprogramm habe aber dazu beigetragen, ein Ausscheiden Athens aus dem Währungsraum zu verhindern. Das Dokument, das eine rückblickende Betrachtung des griechischen Hilfsprogramms enthält, wurde am späten Mittwochabend in Washington veröffentlicht.

Wegen der erheblichen Ansteckungsgefahren, die von der Griechenlandkrise auf andere Euroländer ausgegangen seien, sei die Unterstützung Athens letztlich erforderlich gewesen, urteilt der Fonds. Auch wenn Zweifel an der Schuldentragfähigkeit bestanden hätten und die Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung zu optimistisch gewesen seien. Zwischen den Vorhersagen zum griechischen Schuldenberg und der Realität gebe es einen "sehr großen" Unterschied. Zudem sei bereits für 2012 ein Wirtschaftswachstum erwartet worden, hieß es in dem Bericht. Tatsächlich befindet sich Griechenland 2013 wie in den vorangegangenen fünf Jahren in einer Rezession.

Die massiven Einsparungen, die Griechenland als Gegenleistung für die Finanzhilfen zu erbringen hatte, seien unvermeidbar gewesen. Ähnlich bewertet der IWF die verlangten Wirtschaftsreformen. Die Möglichkeiten zur Umsetzung seien aber überschätzt worden, hieß es.

Denn der Fonds habe mehrere Fehler gemacht. So habe er seinerzeit eigene Regeln gebeugt, damit Griechenland Hilfen erhalten konnte.

Interner Bericht: IWF gibt Fehler bei Griechenland-Rettung zu

Interner Bericht

IWF gibt Fehler bei Griechenland-Rettung zu

Spektakuläres Eingeständnis: Der IWF räumt schwere Versäumnisse bei der Griechenland-Rettung ein. Man habe sich verrechnet und eigene Regeln gebeugt. Auch die EU-Kommission bekommt ihr Fett weg.

Auch Berechnungen über die weitere Entwicklung der griechischen Wirtschaft hätten sich als falsch herausgestellt. Stress-Tests etwa, die die Belastungsfähigkeit der Konjunktur unter den Sparmaßnahmen simulieren, seien viel zu optimistisch gewesen im Vergleich zu den tatsächlichen Auswirkungen.

Das Hilfsprogramm habe "bedeutende Misserfolge" verzeichnet, urteilte der IWF. So sei das Vertrauen der Märkte in Griechenland nicht zurückgekehrt und aus dem Bankensystem seien 30 Prozent der Spareinlagen abgezogen worden. Die Wirtschaft schließlich habe "eine viel tiefere Rezession als erwartet" erlebt mit "außergewöhnlich hoher Arbeitslosigkeit".

Kritisiert wird in dem IWF-Bericht auch die Zusammenarbeit mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Troika. Es habe Probleme bei der Koordination und unterschiedliche Ziele gegeben.

Das erste Hilfsprogramm für Griechenland hatte Notkredite in Höhe von 110 Milliarden Euro enthalten. Diese reichten jedoch angesichts der desolaten Lage des Landes nicht aus, im November 2012 wurde ein zweites Hilfspaket geschnürt. Weitere Kredite von 165 Milliarden Euro wurden zugesagt. Zudem verzichteten Privatgläubiger auf rund 107 Milliarden Euro ihrer Forderungen. Für beide Hilfsprogramme sagte Athen Reformen und Kürzungen bei den Staatsaugaben zu.

Kommentare (13)

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Observer

06.06.2013, 00:16 Uhr

Na Redaktion, kam ein anruf aus dem Presseamt der DDR Regierung? Muesst ihr den WF Bericht nun ´positiv darstellen?
Dann mal los! Immer schoen im Mainstream bleiben!

Account gelöscht!

06.06.2013, 00:52 Uhr

382 Milliarden sind geflossen bzw. fließen noch. Wie hat sich das auf den Schuldenstand Griechenlands ausgewirkt? Griechenland hat jetzt mehr Schulden als vorher.

Dazu Irland, Zypern und Portugal... wo schon reichlich Geld floss. Zur Zeit aktuell ist Spanien, demnächst folgen Italien und Frankreich.

Ihr völlig überbezahlten Schmarotzer... ES REICHT!!!

Haftet mit eurem Privatvermögen und rettet, was oder wen immer ihr wollt. Aber lasst endlich die Bürger in Ruhe. Die haben ihre eigenen Probleme. Die müssen nicht durch IWF, EZB, EU, Euro und nationalen Parlamenten vermehrt werden.

Es kotzt mich an, wenn bemängelt wird, das Manche mehr Macht für die Nationalstaaten fordern. Das ist nicht rückwärts gewandt sondern der einzige Weg aus dem Dilemma. Großreiche und Allmachtsphantasien sind bislang noch immer gescheitert.

Rechner

06.06.2013, 01:02 Uhr

Daß 2010 Fehler gemacht wurden ist verzeihlich. Die Situation war für die meisten Beteiligten ziemlich neu.

Daß man 2011 diese Fehler allerdings in größerem Ausmaß wiederholt hat ist unverzeihlich. Bis dahin hatte man genug Zeit zum Überlegen.

Hätte man die Griechen 2011 (oder spätestens 2012) in hohem Bogen 'rausgeworfen, dann hätte man es inzwischen wesentlich einfacher gehabt den sonstigen Wackelkandidaten klarzumachen wo der Bertel den Most holt.

Die derzeitige Verzögerungstaktik der Franzosen und Italiener bei der Sanierung Ihrer Staatsfinanzen hätte man sich so erspart.

Im Moment droht nämlich, daß der ClubMed die Atempause die ihm EFSF, ESM und EZB verschafft haben zum zeitverplempern mit "Konjunkturprogrammen" benutzt anstatt zügig die notwendigen Einsparungen und Strukturreformen in Gang zu setzen.

Nur in Spanien, Irland und Portugal sehe ich im Moment den nötigen Zug.

In Frankreich und Italien wird fleißig weitergesponnen und geträumt.

Griechenland und Zypern stehen auch auf der Kippe. Die Griechen scheinen sich einzubilden, daß das was sie bisher gemacht haben schon reicht.

So kann das nicht weitergehen.

Und dann kommt auch noch Merkel mit ihrem idiotischen 25-Milliarden-Wahlgeschenk-Programm.

Geht's noch dämlicher?

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