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21.02.2012

18:05 Uhr

Griechenland-Rettung

Ökonomen gewinnen Milliardenpaket etwas ab

VonDirk Heilmann, Dorit Marschall

ExklusivDeutschlands führende Ökonomen begrüßen das beschlossene 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Griechenland. Mit den beschlossenen Maßnahmen werde die Währungsunion stabilisiert. Doch spannende Monate folgen.

„Die einzige Alternative wäre ein Austritt Griechenlands gewesen “, sagt der oberste Wirtschaftsweise Wolfgang Franz. dapd

„Die einzige Alternative wäre ein Austritt Griechenlands gewesen“, sagt der oberste Wirtschaftsweise Wolfgang Franz.

DüsseldorfFührende deutsche Volkswirte haben die Einigung auf das zweite Rettungspaket für Griechenland begrüßt. „Das Paket verdient Respekt“, sagte Oxford-Professor Clemens Fuest dem Handelsblatt. „Zum ersten Mal hat die Politik in Europa sich den Realitäten der griechischen Krise gestellt und entschlossen gehandelt.“ Die Kombination aus einem Abbau des Schuldenstandes und der Budgetdefizite mit Strukturreformen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sei richtig. Es werde allerdings wohl weitere Pakete geben müssen: „Man wird immer wieder nachverhandeln und nachsteuern müssen“, sagt Fuest voraus.

Das Paket sei ein Beitrag zur weiteren Stabilisierung der  Währungsunion, sagen die Ökonomen. „Für den Rest der Eurozone bedeutet die Einigung, dass ein kurzfristiger Austritt Griechenlands aus der Eurozone unwahrscheinlicher geworden ist“, urteilt der Mannheimer Professor Hans-Peter Grüner. 

Griechenland: Euro-Retter verschleppen den Konkurs

Griechenland

Euro-Retter verschleppen den Konkurs

Eine Viertelbillion Euro legen die Euro-Zone und Griechenlands private Gläubiger auf den Tisch, um Athens Zahlungsfähigkeit ein weiteres Mal zu sichern. Aber damit retten sie nicht Griechenland, sondern sich selbst.

„Wenn die Politik Ansteckungsgefahren glaubwürdig begegnet und das neue Griechenlandpaket wirklich umsetzt, kann dies die Euro-Krise nachhaltig entspannen“, sagt Holger Schmieding, der Chefvolkswirt der Berenberg Bank. „Allerdings muss die Wirtschaftspolitik absolut glaubwürdig versichern, dass Griechenland ein Sonderfall ist und es weder für Portugal noch irgendein anderes Euroland einen Schuldenschnitt geben wird. Sonst könnte es eine gefährliche Kettenreaktion geben.“

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Zweites Rettungspaket zugesagt

Schon im vergangenen Juli hatten die Europartner Griechenland ein zweites Rettungspaket zugesagt. Nach vier weiteren EU-Gipfeln und einem letzten, 13-stündigen Verhandlungsmarathon der Finanzminister bis zum Dienstagmorgen stehen die Einzelheiten fest.

Ausstehende Kredite verringert

Die Privatgläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Wenn sich ausreichend Banken beteiligen, sinkt die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro.

Tausch in Anleihen

Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von zwei bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Athen dadurch in den kommenden acht Jahren 150 Milliarden Euro ein.

Schuldenumtausch wird versüßt

Die internationalen Geldgeber „versüßen“ den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.

Neue Notkredite gewährt

Athen erhält neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Ob der Internationalen Währungsfonds (IWF) davon - wie bei den Programmen für Portugal und Irland - jeweils ein Drittel übernimmt, ist noch nicht klar. IWF-Chefin Lagarde will den Beitrag auch davon abhängig machen, ob die Eurozone ihren dauerhaften Rettungsfonds aufstockt.

Gewinne gehen zurück

Die nationalen Notenbanken geben die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Athens um 1,8 Prozentpunkte senken.

Zinsen werden gesenkt

Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.

Schuldenlast wird kleiner

Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

Sperrkonto für die Tilgung

Ein Teil der neuen Kredite fließen auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.

Kontrolle durch Experten

Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. Deutschland ist bereit, dazu Fachpersonal zu entsenden.

Kritischer sieht das der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn: „Der Schuldenschnitt und die 130 Milliarden Euro sollten jetzt einmal bis deutlich über die Wahl im nächsten Jahr hinaus reichen, und darauf kommt es ja offenbar an“, sagte er dem Handelsblatt. Ein Beitrag zur Lösung langfristiger, struktureller Probleme sei das nicht. „Indem Griechenland im Euro Erleichterung verschafft wird, wird der Druck, die Preise zu senken und wettbewerbsfähig zu werden, verringert“, sagte Sinn. „Die Schuldenkrise bleibt ein Schwelbrand der allmählich immer mehr deutsches Vermögen vernichtet.“

Kommentare (45)

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Account gelöscht!

21.02.2012, 18:01 Uhr

Ich wäre dafür dass die selben Affen dann bitte für diesen ganzen Wahnsinn persönlich haften. Was bekommt man wohl aufgebrummt bei 80 Millionenfachem Betrug? Lebenslänglich? Todesstrafe? Ich hoffe die Bürger haben am Tag der Abrechnung die NAmen noch im Kopf von denen die da momentan diesen Wahnsinn verbrechen.

denk.mal

21.02.2012, 18:02 Uhr

Von welchem der befragten Herren stammt denn nun das Zitat "Europa stellt sich endlich der Krise", das dem Artikel zu seiner Überschrift verholfen hat?

Wo im Artikel finden sich Belege dafür, dass die überwiegende Zahl der Ökonomen die "Einigung" (ist dem Handelsblatt überhaupt klar, wer sich da gestern mit wem geeinigt hat -- nicht einmal der IWF ist momentan mit im Boot) begrüßt?

Wenn Wolfgang Franz Recht hätte, hieße das ohnehin, dass wir alle alternativlos dem Untergang geweiht sind. Gilt er jetzt beim Handelsblatt als Weltuntergangsprophet?

Micheline

21.02.2012, 18:14 Uhr

Wichtig ist, dass jeder Leser hier begreift, dass das von den Deutschen ersparte Vermögen gerade für ein "politisches Projekt" verpulvert wird.
Das ist Hochverrat am Volk! Die Betreffenden werden entsprechend in den Geschichtsbüchern gewürdigt werden.
Diesen "Ökonomen" ist das völlig egal. Wie im Sozialismus früher. "Koste es, was es wolle".

Ich bin gespannt, wenn der einfache Michel entdeckt, dass er die ganze Zeit verarscht wird. Bis er merkt, dass er alles zu bezahlen hat und die Politiker immer noch dummdreist ohne Minenspiel behaupten, die Deutschen hätten am meisten vom Euro gehabt.

Deutschland steht vor der größten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Katastrophe seit 1945. Die wenigsten erkennen. Immer noch gibt es die Trommler die agieren wie die Nazis im Frühjahr 1945. Oder die Sozialisten mit ihren Mentholzigaretten, etc. Alles nur widerlich!
Das Schlimmste allerdings ist das absolute Versagen des BVerfG, das ursprünglich eingerichtet wurde, um das deutsche Volk vor genau solchen Entwicklungen zu beschützen: Verfassungsbruch, Bruch von Verträgen, Vereinbarungen... alles aufgegeben um ein "politisches Projekt" durchzusetzen. Die Politiker wissen genau, was sie tun. Es wird ihnen noch einmal leid tun!

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