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09.08.2012

19:06 Uhr

Griechenland

Samaras feuert Chef von Staatsunternehmen

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras greift durch: Samaras setzte den Chef der Nickel-Fabrik Larco vor die Tür, weil der sich weigerte, die hohen Löhne der Angestellten denen der Staatsbediensteten anzupassen.

Samaras kündigte an, dass weitere Chefs staatlicher Unternehmen gehen müssten, wenn sie die Löhne nicht angleichen würden. dapd

Samaras kündigte an, dass weitere Chefs staatlicher Unternehmen gehen müssten, wenn sie die Löhne nicht angleichen würden.

AthenDer Chef einer der größten Nickelfabriken Europas, der griechischen Larco, ist am Donnerstag entlassen worden. Dies beschlossen der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras und sein Finanzminister Ioannis Stournaras. „Larco-Chef Anastasios Barakos wurde entlassen“, teilte das Finanzministerium mit. Er ist der erste Chef eines Staatskonzerns, der seinen Job wegen Verweigerung von gesetzlich beschlossenen Sparmaßnahmen verliert. Barakos wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Alle Staatsunternehmen müssen die Gehälter binnen zwei Jahren um 35 Prozent reduzieren.

Ein entsprechendes Gesetz hatte das griechische Parlament bereits im März dieses Jahres gebilligt, teilte das Finanzministerium am Donnerstag weiter mit. Auch andere Chefs staatlich kontrollierter Unternehmen sollen bald entlassen werden, wenn sie das Gesetz ignorierten, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Larco produziert jährlich rund 20.000 Tonnen Nickel und gilt damit als einer der weltweit größten Nickel-Produzenten. Die Firma steht ganz oben auf der Liste der Unternehmen, die der griechische Staat demnächst privatisieren will.

Die Tatsache, dass die Löhne der Angestellten zahlreicher vom Staat kontrollierten Unternehmen in vielen Fällen dreimal höher sind als die der Staatsbediensteten, hatten bereits mehrfach die Geldgeber-Kontrolleure kritisiert. Es sei einer der Gründe, weswegen die Troika aus Kontrolleuren der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) immer wieder kritisierten, dass Athen mit der Umsetzung der Auflagen im Rückstand ist.

Auch Regierungschef Samaras hatte in den vergangenen Wochen wiederholt diesen Zustand kritisiert. Es sei „unglaublich“, dass die Vorstände dieser Firmen das Gesetz einfach ignorierten, sagte Samaras immer wieder. Wie das Finanzministerium weiter mitteilte, sollen die Gehälter der Angestellten aller staatlich kontrollierter Unternehmen an das Niveau der anderen Staatsbediensteten angepasst werden, und dies rückwirkend zum Jahresbeginn.

Für Löhne, Vorsorgeleistungen und Pensionen wendet der griechische Staat etwa zwei Drittel seiner Ausgaben von 82 Milliarden Euro im Jahr auf, Zinszahlungen nicht mitgerechnet. Er muss 11,5 Milliarden Euro sparen. Andernfalls könnten die internationalen Geldgeber keine Hilfen mehr überwiesen, womit dem Land die Pleite drohen würde. Die Arbeitslosenquote in Griechenland stieg im Mai auf ein Rekordhoch von 23,1 Prozent nach 22,6 Prozent im April. Sie ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Schnitt der Euro-Zone.

Kommentare (7)

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LeBra

09.08.2012, 17:48 Uhr

Und zusätzlich sollen nun doch wieder 40.000 Staatsdiener entlassen werden, damit die EU sieht das die was machen wollen! Das dies schons eit Jahren so läuft wird bestimmt wieder übersehen. Auch das bestimmt fast alle gegen die Entlassung klagen werden und somit die Entlassung nicht durchgeführt werden kann sollte jedem bewußt sein!

Mazi

10.08.2012, 09:32 Uhr

Na, geht doch.

Da gibt es aber noch einige mehr. Speziell die Besetzung des Staatsapparats ist zu durchleuchten.

Der zunächst einfachste weg ist, die Staatsbediensteten an der Arbeitsstätte und die Renten bar auszuzahlen.

Account gelöscht!

10.08.2012, 15:58 Uhr

Die Renten werden doch sowieso schon die ganze Zeit bar ausgezahlt - Überweisungen wie im restlichen Europa gibt es gar nicht.
Überweisung auf griechisch:
Sie gehen zur z.B. zur Alpha-Bank, ziehen eine Nummer, warten brav 1 Stunde, bitten den Angestellten um Herausgabe von 500,-€ von Ihrem Konto, nehmen das Geld, setzen sich in den Bus in die nächste Stadt, wo es eine Piraeus-Bank gibt. Dort ziehen Sie wieder eine Nummer, warten wieder 1 Stunde und zahlen die 500,-€ auf das Konto des Zahlungsempfängers ein.
In den größeren Städten können Sie an jedem Vormittag Leute mit ihren Köfferchen sehen. Die tragen gerade ihre Überweisungen aus..:)
Dieses Theater spielt sich übrigens auch an den Schaltern der DEH (Stromversorger) und der OTE (Telefondienst) ab. Sie können ihre Rechnungen nicht überweisen, sondern gehen jedesmal dorthin, um Ihr Geld in bar abzuliefern.
Eine Ausnahme ist nur dann möglich, wenn Sie vorher ein extra Sparbuch einrichten mit - sagen wir mal 400,-€. Von diesem extra Sparbuch kann Strom und Telefon abgebucht werden. Das Geld dafür müssen Sie allerdings vorstrecken, zinslos natürlich. Wer macht das schon in solchen Zeiten.

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