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03.06.2015

19:57 Uhr

Griechenland

Sieht so ein ehrenhafter Kompromiss aus?

VonJan Hildebrand, Reuters

Tsipras präsentiert neueste Reformpläne und ist überzeugt: Er bietet einen „ehrenhaften Kompromiss“ an. Doch lesen Sie selbst: Können diese Vorschläge die europäischen Geldgeber umstimmen?

„Wir fügen uns nicht einfach den Forderungen der Gläubiger.“ dpa

Alexis Tsipras

„Wir fügen uns nicht einfach den Forderungen der Gläubiger.“

Berlin/AthenAls Tsipras am Mittwochabend in Brüssel eintraf, hat er einen Stapel Papier dabei. Rund 40 Seiten umfasst sein Rettungsplan, den er mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem diskutieren möchte. Der griechische Ministerpräsident ist mit seinem Vorschlag zufrieden. Der werde einen „ehrenhaften Kompromiss“ ermöglichen, sagte Tsipras vor seinem Abflug.

Auf der anderen Seite sieht man das nicht ganz so. Es herrscht eine gehörige Skepsis, was Tsipras’ Plan angeht. Griechenlands Retter-Gruppe aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) haben einen eigenes Konzept erarbeitet, ein „letztes Angebot“, das sie Tsipras vorlegen wollen. In einer nächtlichen Krisensitzung im Berliner Kanzleramt hatten sich Angela Merkel (CDU), Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi, IWF-Chefin Christine Lagarde und Frankreichs Präsident Francois Hollande darauf verständigt.

Doch das Angebot der internationalen Geldgeber lässt sich mit den griechischen Vorschlägen kaum in Übereinstimmung bringen. „Da liegen Welten dazwischen“, erfuhr das Handelsblatt aus europäischen Verhandlungskreisen. So fordere Tsipras in seinem Rettungsplan erneut Schuldenerleichterungen von EZB und IWF. Die Zentralbank hält noch griechische Staatsanleihen, beim IWF muss Athen Rettungskredite tilgen. Die Griechen würden die Schulden gerne später zurückzahlen und zudem die Zinsen senken.

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Doch für die EZB und den IWF ist das ausgeschlossen. Die Zentralbank sieht rechtliche Hürden, jedes Zugeständnis bei den Schulden käme in den Ruch monetärer Staatsfinanzierung. Und der Währungsfonds sieht sich ohnehin als der höchstrangige Gläubiger weltweit, der immer sein Geld vollständig zurückbekommt. Deshalb enthält das Angebot von EU, EZB und IWF, das nachts im Kanzleramt verhandelt wurde, explizit keinen Schulden-Deal. Dass Tsipras ihn nun erneut einfordert, belastet die Verhandlungen über beide Rettungskonzepte, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.

Kommentare (32)

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Herr Louis Stringaro

03.06.2015, 17:21 Uhr

Alles Theater. Keiner wünscht sich einen Grexit. Also stehen die Hilfsgelder schon parat.. Das ganze Geplapper , die Vesammlungen, die guten Abendessen kosten den sowieso stark betrogenen Steuerzahler noch mehr Geld.

Herr Roland Hegglin

03.06.2015, 17:26 Uhr

Auch wenn Tsipras auf die Vorschläge eingehen würde, ist immer noch die frage offen, bringt er das Paket durchs griechische Parlament. Und wie wir wissen ist dann die Umsetzung wieder ein anders Problem. Wenn dann wegen jedem Gesetz und Verordnung, das Theater wieder von vorne los geht, wie es schon in der Vergangenheit war. kann man sie die Zeit und Mühe sparen.

Herr C. Falk

03.06.2015, 17:26 Uhr

Warum, zum Teufel sollte sich Tsipras entscheidend bewegen, muss er doch nicht.

Merkel, Juncker, die EZB müssen und sollen retten, das steht längst fest.
Im Fall eines Grexit stehen auch die aufgelaufenen ELA-Kredite auf dem Spiel, zudem ist das Target II System so konstruiert, dass ein Ausscheiden aus dem Euro mit riesigen zusätzlichen Verlusten zu Buche schlägt.

Tsipras hat einfach die besseren Karten und er weiß es.

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