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11.02.2012

13:05 Uhr

Griechenland

Streiks gegen Sparpläne gehen weiter

Die Proteste in Athen gegen das drastische Sparpaket halten an. Erneut versammelten sich tausende Demonstranten auf dem Syntagma-Platz. Der Generalstreik der Gewerkschaften hat indessen das öffentliche Leben lahmgelegt.

Mit Transparenten ziehen die Demonstranten durch die Straßen. dpa

Mit Transparenten ziehen die Demonstranten durch die Straßen.

AthenIn Athen sind die Proteste gegen das von den internationalen Geldgebern auferlegte Sparprogramm am Samstag fortgesetzt worden. Etwa 2000 Demonstranten begannen sich nach Polizeiangaben gegen Mittag auf dem zentralen Syntagma-Platz zu versammeln. Auf Spruchbändern hieß es „Nieder mit der Erpressung durch die Troika“ und „Sie ruinieren unser Leben“. Die Polizei war mit mehr als 2000 Beamten präsent, die das Zentrum der Hauptstadt abriegelten.

Bereits am Freitag hatten nach Polizeiangaben 7.000 Demonstranten an einer Kundgebung gegen das mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ausgehandelte Sparpaket teilgenommen. Am Rande der Demonstration in Athen wurden nach Angaben der Polizei mindestens zehn Menschen verletzt, darunter acht Polizisten.

Die Gewerkschaften setzten unterdessen den am Freitag begonnenen Generalstreik fort und legten damit das öffentliche Leben weitgehend lahm. Betroffen waren am Samstag vor allem die Verkehrsmittel. Bus- und Bahnfahrer streikten. Fähren zu den Inseln der Ägäis blieben im Hafen. Mitglieder der Kommunistischen Partei (KKE) hängten auf der Akropolis, dem Wahrzeichen Athens, ein großes Transparent auf mit dem Spruch „Nieder mit der Diktatur der Monopole der EU“. Um die Mittagszeit sind erneut Demonstrationen geplant.

Zu den Streiks haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände, GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten, aufgerufen. Die geplanten Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150.000 Staatsbediensteten bis 2015 vor. Das Programm ist Voraussetzung dafür, dass das Euro-Sorgenkind neue Milliarden-Hilfen bekommt. Andernfalls ist Griechenland bis Ende März pleite.

Am Vorabend hatte der griechische Ministerrat das neue Sparprogramm erwartungsgemäß gebilligt. Die entscheidende Sitzung zur Billigung des Sparprogramms vom Parlament soll am späten Sonntagabend stattfinden.

Kommentare (2)

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Brot_und_Spiele

11.02.2012, 16:18 Uhr

Liebe Griechen,
lasst euch nicht prekarisieren, wir Deutschen sind leider mittlerweile zu träge und faul geworden, um diktatorische EU-Technokraten zu bekämpfen.
Man gibt uns das Dschungelcamp, Bohlens DSDS und die tägliche Ration Volksverdummung durch die öfffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten.
Die Supermarktregale sind weiterhin noch gut befüllt, das Benzin noch bezahlbar und der Dispokredit nicht gekündigt.
Solange das so bleibt, wird der deutsche Michel sich leider nicht mit dem griechsichen Volk solidarisieren.
Aber nimmt man ihm irgendwann diese Dinge weg, dann wisst ihr ja, wie das endet. Wenn der Deutsche erstmal auf die Barrikaden geht, dann endete es bisher immer in einem Weltkrieg.

Mazi

12.02.2012, 23:41 Uhr

Die Leute, die wir auf der Strasse sehen, müssen mit scharfen Sparmaßnahmen der Regierung rechnen. Die Reichen, die begünstigt über den von unseren Abgeordneten "alternativlosen Rettungsschirm, nochmals die Gelegenheit erhielten, transferierten dagegen namhaftes Barvermögen ins Ausland. Während sie ihr Bargeld zu 100 % sicherten und beruhigt dem Treiben zusehen, werden hierzulande die Steuerpflichtigen mit Milliarden Schulden aus diesem Vorgang belastet.

Vor diesem Hintergrund macht das ausgewählte Bild zum Artikel nur auf einen Ausschnitt des Problems aufmerksam. Wenn es der Politik nicht gelingt, diesen Aufstand in Athen "niederzuknüppeln", besteht die Gefahr, dass die ganze EU brennt. Zum "niederknüppeln" braucht man in unserer Zivilisation allerdings keine physischen Knüppel mehr. Das macht man, wie man sieht, viel "feiner".

Wir brauchen in allen Ländern einen engagierten Kampf gegen Korruption. Die Immunität der Politiker muss abgeschafft werden. "Wulffen" darf morgen nicht mehr verstanden werden.

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