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04.03.2012

23:33 Uhr

Griechenland

Troika rechnet mit drittem Hilfspaket

Die internationalen Finanzkontrolleure sehen bei der Griechenland-Hilfe das Ende der Fahnenstange angeblich noch nicht erreicht. Einem Bericht zufolge gehen EU, EZB und IWF davon aus, dass eine weitere Milliarden-Hilfe notwendig wird.

IWF-Chefin Christine Lagarde (li.) im Gespräch mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker (M.) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde (li.) im Gespräch mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker (M.) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Hamburg/AthenNach „Spiegel“-Informationen hält die Trokia ein drittes Milliarden-Rettungspaket für Griechenland für erforderlich. Es sei nach Ansicht von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds nicht garantiert, dass sich das von der Staatspleite bedrohte Euro-Land wie geplant schon 2015 wieder selbstständig Kredite besorgen kann.

Deshalb habe Griechenland von 2015 bis 2020 möglicherweise einen „externen Finanzbedarf von bis zu 50 Milliarden Euro“, zitiert der „Spiegel“ aus einem Entwurf des jüngsten Troika-Berichts zur Lage in Griechenland hieß. Die Passage sei aber auf Druck auch der deutschen Regierung gestrichen worden.

Erst am Montag hatte der Deutsche Bundestag dem 130 Milliarden Euro schweren zweiten Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Auf Geheiß der Euro-Finanzminister lief das Hilfsprogramm inzwischen an - wenn auch unter zwei „notwendigen Bedingungen“ für die Auszahlung. Dazu zählt laut Mitteilung ein erfolgreicher Schuldenschnitt mit hoher Beteiligung privater Gläubiger und eine positive Bewertung des Athener Sparkurses.

Wie der „Spiegel“ weiter schreibt, fürchtet die EZB jedoch eine zu geringe Beteiligung an der Umschuldung. Griechenland will Anleger notfalls per Gesetz zwingen, bei dem Forderungsverzicht mitzumachen. Das funktioniert über nachträglich eingefügte Umschuldungsklauseln, sogenannte Collective Action Clauses (CAC). „Wahrscheinlich müssen die rückwirkenden Umschuldungsklauseln aktiviert werden“, verlautete dem „Spiegel“-Bericht zufolge aus dem Umfeld der EZB.

Was Anleger beim Schuldenschnitt 2012 erhalten

Frische 30-jährige Anleihe

Exakt 31,5 Prozent des ausstehenden Nennwerts der bisherigen Anleihen erhalten Gläubiger in Form des folgenden Papiers:

Anleihe mit Laufzeit bis 2042:

In den Jahren 2013, 2014 und 2015 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 2,0 Prozent

In den Jahren 2016 bis 2020 einschließlich beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,0 Prozent

Im Jahr 2021 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,65 Prozent

Ab dem Jahr 2022 beläuft sich die jährliche Zinszahlung (Koupon) auf: 4,3 Prozent

Die Zinsen werden ab dem 24. Februar 2012 berechnet.

Die neuen Anleihen werden eine Umschuldungsklausel (CAC) enthalten.

An das BIP gekoppeltes Papier

Zu der frischen 30-jährigen Anleihe mit EFSF-Absicherung erhalten die Anleger ein getrennt handelbares Wertpapier:

Der Wert dieses Papiers wird von der Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Griechenland abhängen. Ab welchem Wachstumswert des Bruttoinlandsprodukts (BIP) diese Papiere greifen, war in der ersten veröffentlichten Übersicht des griechischen Finanzministeriums nicht vermerkt. Mittlerweile liegen die Schwellenwerte vor, ab denen es zusätzliche Zahlungen geben wird.

Eine Auszahlung wird es erstmals für das Jahr 2014 geben, die Überweisung dafür erfolgt am 15. Oktober 2015. Bezugsgröße ist das bis dahin von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte BIP für Griechenland. Spätere Revisionen finden keine Berücksichtigung. Die letzte Zahlung kann es im Jahr 2042 für das Jahr 2041 geben.

Die Auszahlung errechnet sich wie folgt:

[(Nominales BIP - nominaler BIP-Referenzwert] - realem BIP-Referenzwert] x 1,5 = Y
Sollte Y den Wert 0,01 überschreiten, gilt Y=0,01
Auszahlung für jeweils 100 Euro Nennwert des Papiers = 100 € x Y
Maximal werden also 1 Euro je 100 Euro Nennwert ausgeschüttet.

Die Wachstumsrate berechnet sich aus dem nominalen BIP im betreffenden Jahr im Vergleich zu nominalen Referenz-BIP-Werten.

Die realen BIP-Referenzwerte sind folgende:
2014 - 2,345 %
2015 - 2,896 %
2016 - 2,845 %
2017 - 2,797 %
2018 - 2,597 %
2019 - 2,497 %
2020 - 2,247 %
2021-2041 - 2 %

Die nominalen BIP-Referenzwerte lauten (in Mrd. €)
2014 - 210,1
2015 - 217,9
2016 - 226,4
2017 - 235,7
2018 - 245,5
2019 - 255,9
2020-2041 - 266,5

Aus den nominalen und realen BIP-Referenzwerten für 2014 leitet sich folgendes Beispiel ab: Das nominale BIP im Jahr 2014 muss mindestens 215,03 Milliarden Euro betragen, damit es eine Zahlung auf die Papiere gibt. Ab einem nominalen BIP-Wert von 217,13 Milliarden Euro im Jahr 2014 gibt es für dieses Jahr die maximale Zahlung von einem Euro pro 100 Euro Nennwert.

Zur Erinnerung: Das nominale BIP Griechenlands hat im Jahr 2010 laut den jüngsten Zahlen von Eurostat 230 Milliarden Euro betragen, ist im vergangenen Jahr aber deutlich geschrumpft. Bei einem angenommenen Minus von sieben Prozent hat das nominale BIP 2011 etwa 214 Milliarden Euro betragen. Die Stagnation des BIP-Referenzwerts ab 2020 lässt Auszahlung in den Jahren danach wahrscheinlicher werden.

Die Angaben erfolgen ohne Gewähr.

EFSF-Papier statt Bargeld

Gläubiger mit Sitz in den USA erhalten 15 Prozent des ausstehenden Nennwerts ihrer Anleihen in bar ausgezahlt. Alle anderen Gläubiger erhalten diese 15 Prozent in Form eines EFSF-Wertpapiers:

EFSF Note:

Es wird zwei Varianten dieser „Notes“ geben, beide mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Die Laufzeit endet am 12. März 2013 beziehungsweise am 12. März 2014.

Der Zinssatz auf diese Papiere steht noch nicht fest.

Der Internationale Bankenverband (IIF) ist dagegen zuversichtlich, dass der geplante freiwillige Forderungsverzicht privater Investoren bei Griechenland ein Erfolg wird. Man komme in den Diskussionen mit den Investoren voran, sagte der IIF-Geschäftsführer Charles Dallara dem griechischen TV-Sender Antenna am Samstag. Er sei optimistisch, dass es eine hohe Annahme-Quote bei dem Vorhaben geben werde.

Kommentare (48)

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Leopold

04.03.2012, 13:49 Uhr

Ein Drittes, Viertes, Fünftes.....
Das geht so lange, bis man nach der Wahl in Deutschland Griechenland endlich aus der EU entlassen kann. Denn dann sind alle Garantien fällig und alle Milliarden sind weg! Vor der Wahl will man das natürlich nicht dem deutschen Wähler und Steuerzahler verraten!

Charly

04.03.2012, 13:52 Uhr

"Troika rechnet mit drittem Hilfspaket"

Charly rechnet mit noch mehr rollenden Köpfen bei den kommenden Brüsseler Prozessen !

Petra

04.03.2012, 13:54 Uhr

Es wird nicht nur beim dritten Hilfspaket für Griechenland bleiben! Zusätzlich kommen noch dieses Jahr Hilfspakete für Portugal, Italien und Spanien!
Das ist nur mit immensem "Gelddrucken" und einer sehr hohen Inflationsrate bezahlbar, welche die "ehrlichen" Anleger enteignet.
Unsere Politiker wissen das ganz genau, verkaufen uns aber trotz diesem Wissen!
Politiker solltn die Interessen der Bevölkerung vertreten, nicht die Bevölkerung die Interessen der Politiker!

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