Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2015

15:44 Uhr

Griechenland

Tsipras macht erklärte Spar-Gegner zu Ministern

Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat sein Kabinett ernannt. Mit den Ökonomen Giannis Dragasakis und Giannis Varoufakis bekommen zwei scharfe Kritiker der Sparpolitik die Zuständigkeit für Finanzen.

Giannis Varoufakis wird neuer griechischer Finanzminister. AFP

Giannis Varoufakis wird neuer griechischer Finanzminister.

AthenZwei scharfe Kritiker der EU-Rettungspakete werden in Griechenland zukünftig für die Finanzpolitik zuständig sein: Giannis Varoufakis wird als Finanzminister die Verhandlungen mit den Geldgebern führen, wie ein Regierungssprecher in Athen mitteilte. Giannis Dragasakis wird als stellvertretender Regierungschef die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft haben und auch an den Verhandlungen mit den Geldgebern teilnehmen.

Beide setzen sich vehement für das sofortige Ende der Sparpolitik ein. Sie sehen einen Schuldenschnitt als einzige Lösung für den Abbau des 320 Milliarden Euro großen Schuldenbergs Griechenlands.

Nach dem Sieg der Linkspartei Syriza bei der Parlamentswahl am Sonntag war Tsipras schon am Montag als neuer Ministerpräsident vereidigt worden. Am selben Tag hatte er angekündigt, mit den Unabhängigen Griechen als Juniorpartner eine Koalitionsregierung bilden zu wollen. Syriza war an der absoluten Mehrheit knapp gescheitert.

Die Hilfsprogramme für Griechenland

Zwei Hilfspakete

Um eine Staatspleite abzuwenden, unterstützen die internationalen Geldgeber Griechenland seit Mai 2010. Dabei helfen die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit zwei Hilfspaketen von zusammen rund 240 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) überwacht gemeinsam mit IWF und EU die Hilfen.

Das erste Hilfsprogramm

Beim ersten Hilfsprogramm erhielt Athen Kredite direkt von den Euro-Partnern. 73 Milliarden Euro sind ausgezahlt worden, der deutsche Anteil liegt bei 15,17 Milliarden Euro.

Schuldenschnitt

Außerdem gab es einen Schuldenschnitt: Dabei mussten Griechenlands private Gläubiger mehr als die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben. Dieser Schritt vom März 2012 verringerte den Schuldenberg Griechenlands auf einen Schlag um 100 Milliarden Euro.

Das zweite Hilfsprogramm

Aus dem zweiten Hilfsprogramm sind bislang rund 153 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen. Sie kommen aus dem gemeinsamen Euro-Rettungsschirm EFSF und vom IWF.

Finanzminister Varoufakis hatte sich immer wieder mit Kritik an den Bedingungen der Rettungspakete für Griechenland zu Wort gemeldet. Er argumentiert, die Rückzahlung der Milliardenkredite solle sich am Wachstum der Wirtschaft orientieren. Bei dieser Meinung bleibe er auch als Minister, schrieb er in einem privaten Blog. Der Finanzexperte hat unter anderem Lehraufträge in Großbritannien, Australien, Schweden und den USA.

Der Juniorpartner in der Links-Rechts-Regierung, der Chef der Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, übernimmt das Ressort Verteidigung. Außenminister wird ein Technokrat, der Politik-Professor der Universität Piräus, Nikos Kotzias. Damit wolle Regierungschef Tsipras signalisieren, dass er eine „ruhige“ Linie in außenpolitischen Themen fahren wolle, erklärten Analysten in Athen.

Die Ratingagentur Moody's merkte am Dienstag an, der Wahlausgang werde die Risiken der Staatsfinanzierung, des Wirtschaftswachstums und der Liquidität der Banken verlängern. Der Leitindex der Börse in Athen gab am Nachmittag um 5,4 Prozent nach, auch andere europäische Börsen verzeichneten Verluste.

Drei weitere Ministerien sollen erweitert werden: Das Umweltressort soll mit Energie und Landwirtschaft zusammengelegt werden, Bildung soll sich auch um Kultur und Sport kümmern, das Innenministerium soll für öffentliche Sicherheit und die Beamtenreform zuständig sein.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Spiegel

27.01.2015, 14:35 Uhr

"die Rückzahlung der Milliardenkredite"

Ha,Ha der erste Staat der seine Schulden zahlt, Zeichen und Wunder an jeder EU-Ecke.

Herr Freund Hein

27.01.2015, 14:52 Uhr

die könnten doch eine Währungsreform verabschieden. Ganz aus nationaler Souveränität.
1 Reformeuro Guthaben = 1 Alteuro Guthaben

1 Reformeuro Schulden = 4 Alteuro Schulden

Da hätten wir eine institutionalisierte kreative Buchführung. Ganz nach dem Geschmack der Griechen UND der EZB und ihrer Goldmänner. Die werden sich natürlich vor dem Stichtag entsprechend positionieren....

Herr Rene Weiß

27.01.2015, 15:15 Uhr

Wir werden den Schuldenschnitt verkraften. Aber raus mit Griechenland aus dem Euro und der EU. Keine einziger Euro an Hilfsgelder gibt's mehr. Und aus den EU-Fördermitteln ebenso wenig. Dann können sie mit ihren Einnahmen ihre Ausgaben bestreiten. Ich bin gespannt...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×