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09.06.2011

05:00 Uhr

Griechenland-Umschuldung

Wirtschaftsforscher warnt vor Banken-Kollaps

Exklusiv Griechenland entwickelt sich für seine Geldgeber zum Fass ohne Boden. Wie lange kann das gut gehen? Ökonomen sehen andere Wege aus dem Schuldendilemma, doch die könnten andere Krisen auslösen.

Athener Börse. Quelle: Reuters

Athener Börse.

DüsseldorfDer Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hält den harten Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen jedwede Form der Griechenland-Umschuldung für völlig gerechtfertigt. "Denn eine Umschuldung Griechenlands würde das griechische Bankensystem kollabieren lassen", sagte Horn Handelsblatt Online. "Damit wäre die EZB entsprechend ihrer Aufgabe, den Zahlungsverkehr im Euroraum zu sichern zu sichern sofort im Obligo, Stützungsmaßnahmen zu leisten."

Darüber hinaus sei zu befürchten, dass die aus der Umschuldung resultierenden Abschreibungen im Finanzsektor "destabilisierende Schäden" verursachen. "Schlimmer noch sind die zu erwartenden Ansteckungseffekte in den übrigen Krisenländern, die der EZB weitreichende Stabilisierungsmaßnahmen für das europäische Bankensystem abverlangen dürften", warnte der IMK-Chef. "Diese richtigen Überlegungen sind der Grund für den Widerstand der EZB und nicht der Bestand an möglicherweise kritischen Staatspapieren in ihrem Bestand." Schließlich sei die EZB keine Privatbank, die jedes Jahr Gewinne ausweisen müsse.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hatten am Mittwochabend in den Koalitionsfraktionen um Unterstützung für weitere Griechenland-Hilfen geworben. Schäuble ist für die Auszahlung weiterer Mittel und ein neues Hilfsprogramm, an dem sich private Gläubiger beteiligen sollten. Den zusätzlichen Bedarf der griechischen Regierung bezifferte er nach Handelsblatt-Online-Informationen auf 90 Milliarden Euro. Heute wollen die Fraktionen von Union und FDP einen Entschließungsantrag vorlegen, der am Freitag im Bundestag zur Abstimmung gestellt werden soll.

In einem am Mittwoch bekanntgewordenen Brief warnte Schäuble, ohne ein weiteres Hilfsprogramm drohe "der erste ungeordnete Bankrott in der Euro-Zone". Unklar blieb, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Ablehnung auch gegen eine "weiche" Umschuldung aufgibt und eine Laufzeitverlängerung für griechische Anleihen mitträgt.

Die Grünen forderten die EZB daher zur aktiven Mitarbeit auf. „Wichtig ist jetzt, dass die EZB mitwirkt an dem nötigen Kurswechsel bei den Griechenlandhilfen und ihre Blockade gegen jede Form von Umschuldung aufgibt“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. „Ihre Strategie des ‚weiter so’ ist wenig überzeugend.“ Schließlich habe das bisherige Programm, das einen Marktzugang für Griechenland schon 2012 vorsah, offenbar nicht funktioniert.

Kommentare (13)

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Elisa

09.06.2011, 06:18 Uhr

"Denn eine Umschuldung Griechenlands würde das griechische Bankensystem kollabieren lassen", sagte Horn Handelsblatt Online."

Will man schon wieder mit dem "griechischen Bankensystem" ablenken? Diese Art der Argumentation wird bereits von den meisten durchschaut!
Massgeblich ist, wer kommt bei einer möglichen griechischen Umschuldung gewaltig ins Strauchen!
Das sind die EZB durch massiven Aufkauf griechischer wertloser Schrottpapiere und französche sowie deutsche Banken!

Account gelöscht!

09.06.2011, 11:28 Uhr

Und auch Herr Horn sagt nicht, dass es letztendlich die Kunstwährung Euro ist, die zu diesem Dilemma geführt hat. Also warum so feige?
Wer steckt in Wirklichkeit dahinter, dass niemand die Wahrheit sagt? Diese Frage sollte doch endlich gestellt werden.
Diese Krise derzeit gäbe es nicht, wenn wir alle unsere Währungen noch hätten
Denn die gesamte Euro-Zone wird untergehen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche und bezahlen müssen das wieder die Bürger, nicht die Großen, die haben ihre Schäfchen längst im Trocknen, denn sie wissen was kommt
Ein Geld allen Ländern aufzupfropfen war so falsch wie kriminell. Jetzt aber immr noch weiter zu lügen, ist Hochverrat an den Bürgern.
Und ich erwarte von angeblichen Experten, dass sie endlich mal die Wahrheit sagen

Hans

09.06.2011, 12:05 Uhr

Sie sind das beste Beispiel, dass es keine Frage der Wahrheit ist, sondern des Verständnis.
Der Euro wird bleiben! Es kann doch wohl nicht so schwer sein sich mal die Entwicklung des US-Dollars oder Pfunds anzusehen.
Solche Kritiker wie Sie kommen alle Jahrzehnte wieder aus ihren Löchern und machen Stimmung. Und, hat es je was geändert? Nein! Klar sind die Nachteile hinreichend bekannt, aber das interessiert dabei gar nicht.
Zwangsläufig wird es irgendwann eine Weltwährung und irgendwann eine Weltsprache geben - wenn es diese nicht schon gibt - und dann werden immernoch Kritiker aufschreien. Selbst wenn alle Bürger der EWU auf die Straße gehen würden und klar signalisieren, dass der EURO weg muss, er wird dennoch bleiben. Man sollte doch glauben das Internet bildet und Ansichten erlangt man früher, aber scheinbar will man einfach nicht die Realität einsehen. Der Mensch, die Bürger haben absolut nichts zu entscheiden. Die Geschichte ist längst geschrieben. Und sie wird mit oder ohne den betreffenden Bürger durchgesetzt.

Also tun Sie sich selbst einen Gefallen, nehmen Sie die Realität an und versuchen das Beste daraus zu machen, sonst werden Sie noch depressiv und ziehen Ihr Umfeld unnötig runter.

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