Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2015

17:09 Uhr

Griechenland und die Drachme-Pläne

Varoufakis im Kreuzfeuer

Die Gespräche über neue Hilfen können starten, die Teams der Insitutionen sind in Athen. Doch die Schlagzeilen gehören dem Ex-Finanzminister: Er verteidigt geheime Drachme-Planspiele – und stellt Schäuble an den Pranger.

Grexit-Szenario

War Varoufakis der Kopf einer Währungsverschwörung?

Grexit-Szenario: War Varoufakis der Kopf einer Währungsverschwörung?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

AthenVertreter der internationalen Geldgeber sind in Athen angekommen, um mit der griechischen Regierung Gespräche über ein drittes Hilfspaket aufzunehmen. Das teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. „Teams der Institutionen sind vor Ort“, sagte die Sprecherin. Die Verhandlungen würden „unmittelbar beginnen“, fügte sie hinzu: „Die Institutionen sprechen mit den griechischen Behörden.“ Aus griechischen Regierungskreisen hieß es dagegen, die Gespräche würden am Dienstag beginnen.

Die Leiter aller Delegationen sollen nach den Worten der Sprecherin spätestens bis Mittwoch in Athen eintreffen. Bei den Verhandlungen geht es um ein neues dreijähriges Rettungspaket von bis zu 86 Milliarden Euro für Athen. Dieses soll nach Kommissionsangaben in der zweiten August-Hälfte stehen.

Griechenland: „Plan B“: Putsch für die Drachme

Griechenland

„Plan B“: Putsch für die Drachme

Griechenland drohte nicht nur der Absturz in die Pleite. Das Land stand kurz vor einem Putsch. Das Ziel des Staatsstreichs, den führende Mitglieder der Regierungspartei Syriza planten: die Rückkehr zur Drachme.

Wie aus Kommissionskreisen verlautete, erwarten die Geldgeber aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) von Athen weitere Reformen vor der ersten Auszahlung der Hilfskredite. Reformen wären „hilfreich und nützlich“ und würden das Vertrauen wieder herstellen, hieß es. Die griechische Seite habe den Geldgebern zugesichert, dass sie Zugang zu den griechischen Ministerien und allen relevanten Daten bekommen würden.

Für größere Aufregung sorgten aber auch am Montag noch die Berichte über angebliche Geheimpläne für eine Rückkehr zur Drachme, die der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis entworfen haben soll. Dem britischen „Daily Telegraph“ bestätigte Varoufakis , dass er im Auftrag von Premierminister Alexis Tsipras einen Plan zur Einführung eines virtuellen parallelen Bankensystems entwickelt habe.  Es sei aber nie seine Absicht gewesen, Griechenland zu einem „Grexit“ und zur Drachme zurückzuführen, sagte Varoufakis.

Laut einem Bericht der Athener Zeitung „Kathimerini“ hatte Varoufakis die Pläne am 16. Juli in einer Telefonkonferenz mit internationalen Analysten ausgeplaudert. Bereits im Dezember 2014, vor dem Wahlsieg des radikalen Linksbündnisses Syriza, habe ihn Tsipras als seinen damaligen Wirtschaftsberater mit Plänen für eine Rückkehr zur Drachme beauftragt, erzählte Varoufakis laut „Kathimerini“ den Analysten. Als Finanzminister habe er dann eine „kleine, sehr fähige Mannschaft zusammengestellt, die unter größter Geheimhaltung arbeitete“. Die Planspiele sahen die Einführung eines virtuellen Zahlungssystems vor, das „mit einem Knopfdruck“ vom Euro auf eine neue Währung hätte umgestellt werden können, sobald Premier Tsipras dafür grünes Licht gebe. Damit die Troika keinen Wind von den Plänen bekomme, habe er einen Jungendfreund als Hacker engagiert, der sich unbemerkt Zugriff auf alle erforderlichen Daten der Finanzverwaltung verschaffte, erzählte Varoufakis in der Telefonkonferenz.

Im April hatte auch der frühere Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, Athen besucht und sich mit mit Varoufakis und Tsipras getroffen. Dabei ging es laut Mayer um die mögliche Einführung einer Parallelwährung.

Gegenüber dem „Daily Telegraph“ bestätigte der frühere Finanzminister jetzt diese Pläne. Er habe Tsipras von Anfang an gesagt, dass es „schwierig werden könnte“, aber das sei nun mal „der Preis der Freiheit“. Als es dann so weit gewesen sei, den Plan umzusetzen, habe Tsipras aber vor den Schwierigkeiten zurückgescheut. „Ich weiß nicht, wann er zu dieser Entscheidung gekommen ist“, sagte Varoufakis dem „Daily Telegraph“. Er habe von Tsipras‘ Entschluss, keinen Grexit zu wagen, in der Nacht nach der Volksabstimmung vom 5. Juli erfahren und daraufhin seinen Rücktritt angeboten.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.07.2015, 16:13 Uhr

Hätte auch bedeutet, die Intelligenz der Tsipras und Co weit zu überschätzen, wenn man denen - wie ich es öffentlich, auch hier, mehrfach tat - unterstellte, sie wollten in Wirklichkeit raus aus den Kontrollen, dem Euro und den Schulden dazu und rein in die eigene nationale Währung.

Damit nämlich hätten sie ihre eigene Macht festigen und dauerhaft ausbauen können, wie es Kommunisten und Faschisten so angelegt ist.
Vermutlich ist diese Lösung immer noch nicht vom Tisch - nur der Zeitpunkt noch nicht da.
Andererseits entdeckte Tsipras offenbar eine Möglichkeit, seine persönliche Karriere auch ohne den einst nützlichen Anhang zu befördern. Er schlug sich womöglich doch auf Seiten der Institutionen, die allesamt bis hin zu den Regierungen angstschlotternd je Offenlegung ihres Versagens fürchten, immer noch.
Mit weiteren Milliarden läßt sich der Zeitpunkt der Offenbarung noch ein paar Jahre vielleicht hinausschieben.

Herr Peter Spiegel

27.07.2015, 17:15 Uhr

Vertreter der"internationalen Geldgeber" sind in Athen angekommen......
In Wirklichkeit meinen Sie doch, werte Redaktion, die verblödeten europäischen Steuerzahler.

Herr Paul Kersey

27.07.2015, 17:41 Uhr

Zitat: !Es sei aber nie seine Absicht gewesen, Griechenland zu einem „Grexit“ und zur Drachme zurückzuführen, sagte Varoufakis....Als es dann so weit gewesen sei, den Plan umzusetzen, habe Tsipras aber vor den Schwierigkeiten zurückgescheut. „Ich weiß nicht, wann er zu dieser Entscheidung gekommen ist“, sagte Varoufakis dem „Daily Telegraph“. Er habe von Tsipras‘ Entschluss, keinen Grexit zu wagen, in der Nacht nach der Volksabstimmung vom 5. Juli erfahren und daraufhin seinen Rücktritt angeboten."

Also keinen Grexit gewollt, aber zurückgetreten, als er nicht kam. Alles klar!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×