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26.01.2015

01:03 Uhr

Griechenland-Wahl im Liveblog

„Die Zeit der Demütigung ist vorbei“

Wahlkrimi in Griechenland: Favorit Alexis Tsipras von der linken Partei Syriza kommt nach ersten Hochrechnungen auf 35,9 Prozent – ob das für die absolute Mehrheit im Parlament reicht? Der Wahltag im Liveblog.

Tsipras nach dem Wahlsieg

„Wir lassen die katastrophale Sparpolitik hinter uns!“

Tsipras nach dem Wahlsieg: „Wir lassen die katastrophale Sparpolitik hinter uns!“

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AthenDie Wahlen in Griechenland haben einen eindeutigen Sieger: Das Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras liegt nach ersten Prognosen weit vorne, der amtierende Ministerpräsident Antonis Samaras hat mit seiner Partei Nea Dimokratia deutlich weniger Stimmen erhalten. Verfolgen Sie die Ereignisse des Wahltages im Liveblog.

+++DIW-Chef: Konflikt mit EU-Partner vorprogrammiert+++

Der Präsident des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat das Wahlergebnis als „schlechte Nachricht für Europa und für Griechenland“ bezeichnet. Das „unerwartet starke Resultat“ werde die künftige Regierung von Syzria-Chef Alexis Tsipras sehr viel selbstbewusster und aggressiver gegenüber seinen europäischen Partnern auftreten lassen, sagte Fratzscher der Online-Ausgabe RP Online der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe). „Ein Konflikt mit den europäischen Partnern über die Wirtschaftspolitik ist vorprogrammiert“, fügte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hinzu. „Auch wenn Syriza Griechenland im Euro halten will, so wird es viel Unsicherheit über den künftigen Kurs der griechischen Regierung geben.“

Er erwarte, „dass andere europäische Länder wenig betroffen sein werden“. Wenn es aber zu einer Eskalation und einem seiner Ansicht nach unwahrscheinlichen Euro-Austritt kommen sollte, „so könnte es durchaus zu Verwerfungen in ganz Europa kommen“, warnte der Top-Ökonom.

+++EU-Parlamentarier sieht Wahlergebnis nicht als Absage an Europa+++

Der Vorsitzende der SPD-Europaparlamentarier, Udo Bullmann, hat die EU-Staats- und Regierungschefs aufgefordert, mit der künftigen griechischen Regierung Wege zu einem sozial balancierteren Reformkurs zu suchen. Bullmann sagte, das Wahlergebnis sei keine Absage der Griechen an Europa. „Es zeigt vielmehr das Scheitern eines Kurses, der Opfer bisher fast ausschließlich von sozial Schwächeren und Normalverdienern gefordert hat“, sagte der Finanzexperte am Sonntag in Brüssel weiter. Die „verfehlte Kürzungsdogmatik der EU-Staats- und Regierungschefs“ trage eine Mitverantwortung für die Radikalisierung in weiten Teilen der griechischen Bevölkerung. Der griechischen Politik müsse klar sein, „dass es kein Zurück mehr zu Vetternwirtschaft und zur Vertagung von Reformen geben kann“. Umgekehrt müssten die EU-Verantwortungsträger die Wahlentscheidung des griechischen Volkes akzeptieren.

+++Kleinere Parteien bieten Linksbündnis Zusammenarbeit an+++

Zwei kleinere Parteien haben dem Linksbündnis Syriza eine Zusammenarbeit angeboten, sollte die Bewegung unter Alexis Tsipras die absolute Mehrheit der Mandate im Parlament verfehlen. Der Chef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, kündigte an, sich am Montag mit Tsipras in Verbindung zu setzen. Seine Partei werde sich für das „Wohl der Nation“ einsetzen, sagte er. Die Rechtspopulisten hatten sich im Wahlkampf für ein sofortiges Ende der Sparprogramme in Griechenland ausgesprochen. Ansonsten gab es jedoch kaum Schnittmengen mit dem Linksbündnis Syriza. Auch der Chef der Partei der politischen Mitte, To Potami (Der Fluss), Stavros Theodorakis, deutete Gesprächsbereitschaft an. Seine Bewegung wolle im Parlament zudem nicht als konsequente Opposition auftreten, sagte er.

+++Linke im EU-Parlament begrüßt Syriza-Sieg+++

Die Fraktion der Linken im EU-Parlament hat den Wahlsieg von Syriza in Griechenland begrüßt. „Dies ist der erste Schritt, um die Verarmungspolitik der politischen Eliten zu beenden“, teilte die Fraktion am Sonntagabend in Brüssel mit. Spanien könnte noch in laufenden Jahr folgen. Syriza-Chef Alexis Tsipras wolle Griechenland im Euroraum halten, so die Linken-Fraktion, der auch Abgeordnete des Linksbündnisses aus Griechenland angehören.

+++„Ab Morgen wartet harte Arbeit auf uns...“+++
Tsipras zu seinen Anhängern vor der Athener Akademie: Ab Morgen wartet harte Arbeit auf uns. Die neue Regierung wird im Geist der Zusammenarbeit über eine gerechte, tragfähige Lösung verhandeln, um Europa zur Stabilität zurückzuführen. Wir suchen einen ehrlichen Dialog. Der Syriza-Chef scheint schnell in der Realität anzukommen…

+++Hoffnung ist das Wort des Tages+++
Um 22:20 tritt endlich der Wahlsieger Alexis Tsipras auf und spricht vor der Universität von Athen zu den Bürgern: „Hoffnung ist das Wort des Tages. Die Griechen haben eine deutliche Botschaft in die Welt hinaus geschickt“, sagt Tsipras „Sie haben entscheiden, in eine neue Ära zu gehen. Die Zeit der Katastrophen ist vorbei. Die Zeit der Demütigung ist vorbei, Griechenland wird vorankommen, Griechenland wird Europa verändern und Europa Hoffnung bringen, dies ist ein historischer Schritt und Griechenland geht ihn zuerst. Morgen werden wir an die Arbeit gehen. Wir werden das Sparprogramm beenden: Das ist die Entscheidung der Griechen.“ Tsipras: Griechenland schlägt eine neue Seite auf – Griechenland lässt das Spardiktat und die Angst hinter sich.

+++Neue Hochrechnungen+++
Tsipras‘ Hoffnungen auf eine absolute Mehrheit im neuen Parlament erhalten einen Dämpfer: In den gerade veröffentlichten Hochrechnung, die sich auf rund 55 Prozent der ausgezählten Stimmzettel stützen, liegt Syriza bei 35,9 Prozent. Das wären 148 der 300 Sitze. ghö

Kommentare (2)

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Herr Kurt Küttel

26.01.2015, 10:16 Uhr

Von wem erwartet der Grieche denn Geld. GOOD BYE Griechenland, viel Spass mit der Drachme! Gut so, jetzt ist es vorbei mit dem Schmarotzerleben!

Frau Nelly Sachse

27.01.2015, 12:28 Uhr

Wer weiß, ob nicht schon längst eine Lösung im Hintergrund gefunden wurde.
Den EU-Fanatikern traue ich alles zu. Die Voraussetzungen wurden ja schon geschaffen: Rechtsbrüche sind salonfähig geworden und die Gelddruckmaschine ist auch angeworfen.

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