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13.07.2011

12:13 Uhr

Griechenland

Weidmann schmettert Schuldenrückkauf ab

Der Bundesbankchef schließt ein Scheitern Griechenlands nicht mehr aus und drängt die Politik zur Eile. Die Idee, Athen durch einen Schuldenrückkauf zu entlasten, sei aber zu teuer und auch zu gefährlich, warnt Weidmann.

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank. Quelle: dpa

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank.

BerlinBundesbankchef Jens Weidmann drängt die Politik in der Euro-Schuldenkrise zum raschen Handeln. „Die Lage ist sicherlich angespannt. Um die Unsicherheit zu stoppen, müssen die Staaten des Euro-Raums jetzt dringend zeigen, dass sie handlungsfähig sind“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Wochenzeitung „Die Zeit“. Es müsse rasch Klarheit über das neue Programm für Griechenland hergestellt werden. Das Mittelmeerland sei trotz erheblicher Anstrengungen hinter den Vorgaben des ursprünglichen Anpassungsprogramms zurückgeblieben.

Die jüngsten Reformbeschlüsse des Parlaments in Athen seien ein „wichtiges Signal“, sagt der Notenbankchef. „Diese Maßnahmen müssen nun aber auch zügig umgesetzt werden. Andernfalls sollten keine weiteren Zahlungen an Griechenland mehr geleistet werden“, betonte Weidmann. Die Politik müsse zudem einen Plan haben, wie bei einem Scheitern des griechischen Programms die drohenden Ansteckungseffekte einzudämmen seien.

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Die Eurogruppe hatte sich zu Wochenbeginn noch nicht auf ein zweites Rettungspaket für das unter enormer Schuldenlast ächzende Griechenland einigen können. Allerdings wollen die Euro-Länder den Euro-Rettungsfonds EFSF künftig noch flexibler zur Stützung einsetzen. Nach Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker schließt das theoretisch auch einen Schuldenrückkauf mit Hilfe des EFSF ein.

Davon hält Weidmann nichts: „Das Geld des Rettungsschirms sollte nicht für den Ankauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt genutzt werden“, sagte Weidmann. Das hätte hohe Kosten, einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge“, warnte Weidmann. Auch die beabsichtigte weitere Verringerung der Zinskosten für die Programmländer sei „nicht zielführend“.

Für einen Schuldenschnitt in Form eines Rückkaufprogramms hatte sich unter anderem der internationale Bankenverband IIF, aber auch verschiedene Banker und Experten stark gemacht

Kommentare (18)

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Otto

13.07.2011, 12:33 Uhr

Vergesst endlich Herrn Junker und verbannt ihn aus den Eurogremien. Er ist reine Partei/Lobbyist für Luxemburg. Sollten Euroländer einen Schuldenschnitt bekommen, hat das bankenlastige Luxemburg erhebliche Probleme und ist selbst ein Pleitekandidat. Sein Ziel ist die gesamte Problematik auf Deutschland, Holland und Österreich abzuwälzen, nur um den früheren Helfer für Steuerhinterzieher zu retten.

Rainer_J

13.07.2011, 12:35 Uhr

Genau das ist der Fehler. Griechenland bekommt neues Geld, nachdem das Parlament einem Sparpaket zugestimmt hat. D.h. wirklich umgesetzt ist davon noch nichts. Wie lange sich Griechenland damit Zeit läßt oder die Zusagen gar nicht einhält bleibt offen und die Unsicherheit bleibt.

Einen privaten Schuldener würde man erst nach durchgeführten Aktionen neues Geld geben und nicht nach Beschlüssen und Absichtserklärungen.

Dazu kommt, dass die meisten Experten das System Griechenland für so überschuldet halten, dass es nicht ohne einen Schuldenschnitt reformiert werden kann. Gebracht hat die bisherige "Hilfe" der EUdSSR nichts. Im Vergleich zu Mai 2010 hat Griechenland heute mehr Schulden (es ist also nur schlimmer geworden). Zusätzlich ist die Notenbank jetzt eine Bad Bank, weil französische Banken der EZB die Schrottanleihen unter der Tür durchgeschoben haben. Auch das ist keine Lösung. Denn hier wurde Verantwortung und Versagen nur verschoben, aber nicht gelöst. Wenn das so bleibt, werden Bankaktien wohl das sicherste sein was es gibt (dank der Bankenlobby in EUdSSR-Brüssel). Jetzt strauchelt auch Italien und die EZB hilft mit den gleichen Taschenspielertricks, die letztlich schon bei Griechenland nichts gebracht haben.

Ein Mensch auf einen Floß kann, um nicht zu verdursten, eigenes Urin oder Salzwasser trinken, die EZB sollte sich aber im klaren sein, dass das nichts bringt.

leser

13.07.2011, 12:37 Uhr

Man sieht, Weidmann ist eben noch ein Junior, der erfahrenen Hasen wie Josef Ackermann nicht das Wasser reichen kann. Wenn Goldmann Sachs & Co die Anleihen zu Schnäppchenkursen kaufen, warum dann den Marktsumpf nicht mit eigenen Mitteln austrocknen ?

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