Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2012

16:30 Uhr

Griechenland

Wirtschaft wird um 25 Prozent schrumpfen

Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras hat für die Wirtschaft des Krisenstaates eine Prognose abgegeben. Voraussichtlich 25 Prozent der Wirtschaftsleistung wird die Rezession das Land am Ende kosten.

Arbeiter in Athen: Griechenlands Wirtschaft schrumpft. dpa

Arbeiter in Athen: Griechenlands Wirtschaft schrumpft.

AthenGriechenlands Wirtschaftsleistung wird nach der Prognose von Finanzminister Yannis Stournaras am Ende der Rezession um 25 Prozent geschrumpft sein. "Zusammengerechnet beträgt der Rückgang (des Bruttoinlandsprodukts) seit 2008 knapp 20 Prozent und wird bis 2014 voraussichtlich 25 Prozent erreicht haben", sagte Stournaras am Dienstag bei einem griechisch-chinesischen Wirtschaftsforum. Von der Regierung nicht bezahlte Rechnungen und andere staatliche Verbindlichkeiten gegenüber dem privaten Sektor hätten mittlerweile ein Volumen von 6,5 Milliarden Euro erreicht, sagte Stournaras.

Die griechische Regierung verhandelt derzeit hart mit der sogenannten Troika über ein Sparpaket und Finanzhilfen.

Griechenlands Hausaufgaben

Bereits abgehakt

Mit dem Sparpaket im Februar wurde der Mindestlohn von 751 auf 586 Euro gesenkt. Auch das Arbeitslosengeld wurde gekürzt, von 461,50 auf 322,34 Euro. Zugleich wurden die Lohnzuschüsse abgeschafft und die Löhne der Staatsbediensteten eingefroren. Lohnverhandlungen werden nicht mehr auf Branchen-, sondern auf Betriebsebene geführt. Renten wurden um rund ein Fünftel gekürzt.

Im Kampf gegen die überbordende Bürokratie wurde die Anwaltspflicht bei Hauskäufen abgeschafft. Auch die Anwaltsgebühren wurden gesenkt. Alle Rentenkassen wurden zwangsvereinigt, Kostenobergrenzen für Verwaltung und Personal eingeführt.

Schon 2010 wurden die Benzin-, Heizöl- und Alkoholsteuer um jeweils zehn Prozent angehoben. Auch eine Solidaritätsabgabe auf Einkommen wurde eingeführt; sie soll bis 2103 erhoben werden. Die Mehrwertsteuer wurde von 21 auf 23 Prozent heraufgesetzt. Auch das Renteneintrittsalter wurde angehoben, wobei es noch keine einheitliche Regelung für alle Berufe gibt.

Ins Stocken geraten

Die Steuereinnahmen entwickeln sich schlechter als erwartet. Im ersten Halbjahr blieben sie um fast eine Milliarde Euro hinter dem Ziel zurück. Da die Wirtschaftsleistung 2012 um mehr als sieben Prozent statt der geplanten 4,7 Prozent einzubrechen droht, dürfte das Defizitziel verfehlt werden. Eigentlich soll die Neuverschuldung von 9,3 Prozent im Jahr 2011 auf 7,3 Prozent gedrückt werden.

Der Stellenabbau im öffentlichen Dienst kommt langsamer als geplant voran. Ursprünglich sollten 30.000 von 700.000 Bedienstete gehen, deren Löhne und Gehälter etwa zwei Drittel des Staatshaushalts verschlingen. Tatsächlich fielen nur 6500 Stellen wegen, vorwiegend durch Vorruhestand. 2011 sollte nur eine von fünf frei werdenden Stellen wieder besetzt werden, tatsächlich waren es zwei.

Die Öffnung abgeschotteter Berufe - von Taxiunternehmen, Speditionen, Apotheken, Optikern, Maklern, Buchhaltern bis hin zu Tankstellen - kommt nicht voran. Sie wurde zwar beschlossen, um die Beschäftigung zu erhöhen. Allerdings steht das bislang nur auf dem Papier.

Erste positive Ergebnisse

Die Produktion lag im Juni nach über drei Jahren stetigen Schrumpfens erstmals wieder über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Unternehmen stellten 0,3 Prozent mehr her als im Vorjahresmonat. Im Vergleich zum Vormonat gab es mit 4,0 Prozent den zweiten Anstieg in Folge. Die Industrie steuert etwa 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung Griechenlands bei.

Auch das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal erstmals seit Krisenausbruch wieder etwas gewachsen. Während die Exporte wieder zulegen, fallen die Importe wegen der schwachen Binnennachfrage.

Die Arbeitskosten sinken seit 2009 spürbar, allein 2011 um sechs Prozent. Das erhöht die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Nach fünf Rezessionsjahren in Folge sagt die EU-Kommission für 2013 eine stabile Wirtschaftsleistung voraus.

Am Dienstagmorgen konnte Griechenland 13-wöchige Staatsanleihen im Wert von 1,3 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,31 Prozent (August: 4,43 Prozent) platzieren. Die Auktion von Schuldpapieren über insgesamt eine Million Euro war nach Angaben der staatlichen Behörde für Schuldenverwaltung 1,98-fach überschrieben, die weiteren 300 Millionen Euro seien ohne Auktion platziert worden.

Von

dapd

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.09.2012, 18:43 Uhr


Faktor Schattenwirtschaft ? Blieb aussen vor..
Kein Grund, die Titanic sofort zu verlassen und vorzeitig den hellenischen Notstand auszurufen

anderer

18.09.2012, 22:07 Uhr

Das einzige was die Griechen können ist stehlen, betrügen und schwache, wehrlose Minderheiten (wie die mazedonische) im eigenen Land (mit Hilfe der europäischen Freunde) vernichten.
Wenn mann die Nachrichten der griechischen Fernsehsender verfolgt, dann dann hört mann nur noch eins: Wann kommt endlich die nächste Geldspritze aus Europa, damit wir uns auf Kosten des nordeuropäischen Steuerzahlers (und des ehrlichen griechischen Steuerzahlers - ja davon gibt es immer noch welche, meistens haben sie zwar die griechische Staatsangehörigkeit, sind aber dennoch keine Griechen im ethnischen Sinne) bereichen und feiern können?

Account gelöscht!

19.09.2012, 17:09 Uhr

„Griechenlands Hausaufgaben“
Zum Punkt: „BEREITS ABGEHAKT“:

Hier ist ganz deutlich zu erkennen, dass nur die Löhne der in der privaten Wirtschaft Beschäftigten angefasst wurden. Durch die Aufhebung der meisten (alle?) Tarifverträge sind die Arbeitslöhne extrem gesunken, so dass nun die Schere zwischen den Gehältern im öffentlichen Dienst und dem privaten Sektor noch weiter auseinander klafft als vorher. Denn die Einkommen der Beamten wurden aus Angst vor deren Lobby und aus Angst vor tätlichen Übergriffen praktisch kaum gekürzt. Hinzu kommt, dass die Einen nun um den Gehaltsvorteil der Anderen WISSEN – das war früher nicht unbedingt so. Ich rechne deshalb mit größeren Unruhen, wenn klar werden sollte, dass der Verbleib im € nicht sicher ist. Der staatliche Sektor geht z.Zt. noch davon aus, dass genügend Erpressungspotential vorhanden ist, dass also die EU das Land keinesfalls fallen lassen wird, um nicht selbst in einen Strudel gerissen zu werden. Daher auch die vielen Streiks momentan im öffentlichen Dienst.
Der private Sektor sieht fassungslos zu. Er ist gespalten in Sympathisanten auf der einen Seite (jeder hat ja mindestens 1 Beamten in der Familie) und Wutbürger auf der anderen Seite. Die Wutbürger haben begriffen, dass der viel zu große, zu teure und zudem noch korrupte Staatsapparat mit seinen total vermessenen Forderungen die Totengräber des Staates sind.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×