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15.06.2015

13:47 Uhr

Griechenland-Wünsche von Hans-Werner Sinn

Her mit der Drachme und weg mit dem Euro

Griechenland droht die Staatspleite. Doch die Regierung gibt sich ganz gelassen. Auf eine Forderung der Gläubiger will sich Athen offenbar einlassen. Dennoch warnt Top-Ökonom Sinn vor einer weiteren Euro-Mitgliedschaft.

Hans-Werner Sinn zum Grexit

„Raus aus dem Euro, zurück zur Drachme“

Hans-Werner Sinn zum Grexit: „Raus aus dem Euro, zurück zur Drachme“

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Die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands ist laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn eine schwere Belastung für das politische System in dem klammen Mittelmeerland. „Ob die Fortsetzung des jetzigen Kurses für die Demokratie förderlich ist, wage ich zu bezweifeln“, sagte der Münchner Ökonom am Montag in Berlin. Dass mit der Regierung von Alexis Tsipras radikale Politiker in Athen ans Ruder gekommen seien, sei auch Folge der wirtschaftlichen Überforderung des Landes im Währungsraum. Die Massenarbeitslosigkeit im Land zeige, dass die Rettungspolitik der Gläubiger die fehlende Wettbewerbsfähigkeit nicht ausgleichen könne. „Das Experiment ist gemacht worden und es ist fehlgeschlagen“, sagte Sinn.

Dabei summierten sich die internationalen Rettungshilfen für Hellas mittlerweile auf geschätzte 330 Milliarden Euro. Sinn empfiehlt dem Land, zur Drachme zurückzukehren. Durch eine Abwertung der Währung um 50 Prozent oder mehr werde sich die Lage schlagartig verbessern. „Die Immobilien kosten dann nur noch die Hälfte – Es gibt einen Bauboom. Die Griechen hören auf Importwaren zu kaufen und greifen zu einheimischen Produkten.“

Nachdem am Sonntag die Verhandlungen zur Lösung des Schuldenstreits mit Griechenland vorerst gescheitert waren, konnte die EU-Kommission am Montag wenigstens etwas Bewegung in der Sache verkünden. So habe die Regierung in Athen die Vorgabe der Gläubiger akzeptiert, in diesem Jahr einen Primärüberschuss – also ein Haushaltssaldo ohne Schuldendienst – von einem Prozent zu erreichen, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit. Bislang hatte Athen auf einem Primärüberschuss-Ziel von 0,75 Prozent beharrt, was dem Land geringere Einsparungen abverlangen würde.

Die Regierung sei nun mit dem Ein-Prozent-Ziel einverstanden, sagte die Kommissionssprecherin. Allerdings müsse nun die Frage geklärt werden, „ob die Verpflichtungen glaubwürdig sind, um das Ziel zu erreichen“. Ein Sprecher der griechischen Regierung sagte, eine Einigung mit den Geldgebern sei „das einzige Ziel“. Er hoffe, die Verhandlungen würden rasch wieder aufgenommen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hält die Türen für Griechenland auch offen. „Falls es etwas Neues gibt, wären wir sehr glücklich, als Vermittler beizutragen“, sagte der Chefsprecher der Behörde, Margaritis Schinas, am Montag in Brüssel.

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Die Gefahr einer Staatspleite Griechenlands wird nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann größer. „Die Zeit läuft ab, die Wahrscheinlichkeit, dass keine Lösung gefunden wird, steigt von Tag zu Tag“, sagte Weidmann am Montag bei einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt. „Es scheint an Einigungsbereitschaft zu fehlen.“ Mit kurzfristigen Finanzspritzen sei dem hoch verschuldeten Land nicht zu helfen. „Es muss darum gehen, dass Griechenland auf eigenen Beinen stehen kann - und zwar ohne die Hilfe der Partner. Deshalb ist der Ball ganz eindeutig im Feld der griechischen Regierung“, betonte Weidmann.

Doch Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis sieht trotz Schuldendrama die Geldgeber seines Landes am Zug. „Heute ist ein schöner Tag. Die Sache ist kristallklar: Endlich sind wir an den Punkt gelangt, wo die Partner Entscheidungen treffen müssen“, sagte Varoufakis dem Sender der regierenden Linkspartei Syriza „Sto Kokkino“ am Montag. Auch Kanzlerin Angela Merkel müsse sich entscheiden, fügte Varoufakis hinzu. Athen spiele keine Spiele und bluffe nicht, betonte der griechische Finanzminister. Athen habe den Gläubigern mehrere alternative Vorschläge für Sparmaßnahmen gemacht. Diese aber bestünden weiter auf Rentenkürzungen. Griechenland werde dem nie zustimmen. Griechenland habe den Institutionen gesagt, „bis hier und keinen Schritt weiter“, hieß es.

Die Positionen im Schuldenstreit

Die Geldgeber fordern... I

- die Privatisierung öffentlicher Betrieb
- eine grundlegende Reform der Alterssicherung und die Senkung der Renten
- die Erhöhung der Mehrwertsteuern in zwei Stufen

Die Geldgeber fordern... II

- das Ende der MWS-Vorzugsbehandlung für die Touristeninseln

- eine Erhöhung des MWS-Satzes für Energie um zehn Prozent
- den Abbau des Arbeitnehmerschutzes, insbesondere die Öffnung von Tarifverträgen und Lohnsenkungen

Die Geldgeber fordern... III

- einen Primärüberschuss (ohne Schuldzinsen) im Haushalt 2015 von 1,0 Prozent des BIP, nachdem zuvor für 2015 ein Primärüberschuss von 3,0 Prozent und für 2016 und 2017 sogar von 4,5 Prozent verlangt worden waren, um die Staatsschuldenquote bis 2020 von 180 Prozent auf 124 Prozent des BIP zu senken

Griechenland bietet... I

- eine Fusion der Rentenkassen und die Abschaffung von Frührenten, aber keine generelle Senkung der schon um 40 Prozent gekürzten Renten
- einen Primärüberschuss 2015 von 0,75 Prozent des BIP, nachdem Athen zuvor selbst schon 1,0 Prozent angeboten haben soll

Griechenland bietet... II

- eine dreistufige Mehrwertsteuer mit Sätzen von 7, 13 und 23 Prozent
- eine begrenzte Privatisierung von Staatsbetrieben

Zudem fordert Griechenland... I

- Steuerprivilegien für die Ägäis-Inseln möglichst zu bewahren
- sollte es keine andere längerfristige Lösung geben, die Verlängerung des laufenden Rettungsprogramms bis März 2016

Zudem fordert Griechenland... II

- die Umwidmung von nicht genutzten 10,9 Milliarden Euro aus dem Programm der Rekapitalisierung der Banken für die Haushaltssanierung
- die Umlegung der in den kommenden Jahren fällig werdenden Anleihen Griechenlands bei der EZB auf den Rettungsfonds ESM und die Koppelung der dort ab 2021 fälligen Zins- und Tilgungszahlungen an das Wachstum

Auch Ministerpräsident Alexis Tsipras gibt sich gelassen: Nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen über die griechische Schuldenkrise schrieb Alexis Tsipras schrieb in einem Beitrag für die Zeitung „Efimerida ton Syndakton“ vom Montag, Griechenland werde „geduldig warten£, bis die Gläubiger-Institutionen „realistischere“ Forderungen stellten. Er warf den Verhandlungspartnern „politischen Opportunismus“ vor, der sie dazu treibe, Athen mit Forderungen nach Rentenkürzungen unter Druck zu setzen.

Kommentare (47)

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Herr Paul Rimmele

15.06.2015, 12:54 Uhr

Herr Sinn hat recht.
Hört auf, euch selber was vorzumachen und anzulügen.
Es ist Finale, nichts geht mehr, macht die Schotten endlich dicht und beendet das Drame.
Raus aus dem Euro!

Herr Teito Klein

15.06.2015, 13:04 Uhr

Last Exit Grexit
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Tschüß Euro, willkommen Drachme.
Jetzt können wir endlich wieder abwerten. Alles wird billiger. Wir müssen kein Obst und Gemüse mehr importieren sondern werden unser eigenes verbrauchen.
Oliven, Schafskäse, Weintrauben, Wein und Ouzo werden auf dem Weltmarkt billiger und somit konkurrenzfähig.
In Griechenland gibt es bald "blühende Landschaften".

Herr Rudolf Riedl

15.06.2015, 13:07 Uhr

Pleit is Griechenland schon seit 2010, nur wollte das keiner unsere Politiker hören.
Nun sind sie auch noch zahlungsunfähig. Griechenland wurde mit massiven Unterstützungen 5jhre am Leben erhalten. Der Kommentar von Herrn Sinn bringt
volkswirtschaftliche Sachverhalte auf einen einfachen Nenner.

Die Drachme ruft.................

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