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23.09.2015

16:23 Uhr

Griechenlands Finanzminister

„John Maynard Keynes mit einer Prise Karl Marx“

Euklid Tsakalotos bleibt griechischer Finanzminister – und das freut Ministerpräsident Tsipras ebenso wie die Verhandlungspartner in Brüssel. Der 55-jährige Ökonom genießt international Anerkennung.

Euclid Tsakalotos (r.) genießt internationale Anerkennung. dpa

Griechischer Finanzminister

Euclid Tsakalotos (r.) genießt internationale Anerkennung.

AthenAuch künftig wird der Mann mit dem roten Rucksack Griechenland im Ringen mit den internationalen Gläubigern vertreten: Euklid Tsakalotos bleibt im neuen Kabinett von Ministerpräsident Alexis Tsipras Finanzminister und damit Chef des Schlüsselressorts. Dass Tsipras mit Tsakalotos - ebenso wie mit vielen anderen Kabinettskollegen - auf Kontinuität setzt, ist dabei nicht nur Zeichen seiner persönlichen Wertschätzung des 55-jährigen Ökonomen. Athen bleibt schlicht keine Zeit zum Durchatmen.

Denn nach den Vereinbarungen zum dritten Hilfspaket muss Tsipras' Regierung schon bis Oktober eine ganze Reihe von Reformen, Steuererhöhungen und Kürzungen durch das Parlament bringen, um an die Hilfsgelder zu kommen. Hochbrisant ist auch weiter die Lage der griechischen Banken. Sie brauchen schnell frisches Geld. Die EU-Kommission drängte Tsipras am Montag zur Eile: "Es gibt viel Arbeit zu erledigen und keine Zeit zu verlieren", ließ Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklären.

Im Rekordtempo sammelte Tsipras daher seine Regierungsmannschaft zusammen. Tsakalotos war gesetzt. Als Vizeminister steht ihm Giorgos Chouliarakis zur Seite, ein ebenfalls in Verhandlungen mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds erprobter Experte.

Das Vertrauen der Gläubiger erwarb sich der Tsakalotos schnell. Von seinem Vorgänger, dem schillernden Finanzminister Giannis Varoufakis, unterscheidet sich der Wirtschaftsprofessor am deutlichsten durch seine diplomatischen Umgangsformen. Varoufakis fand mit seiner auftrumpfenden Art am Ende kaum noch offene Ohren in Brüssel. Tsakalotos schlägt deutlich leisere Töne an.

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Die neue griechische Regierung hat den Amtseid abgelegt – die Gesichter und dazugehörigen Posten sind meist die selben, wie vor den Wahlen. Da ändern auch Skandale um Auschwitz-Fotomontagen nichts dran.

In der Sache tritt der im April vom Vizeaußenminister zum „Verhandlungskoordinator“ der Griechen in den Gesprächen mit den Gläubigerinstitutionen aufgestiegene Syriza-Politiker dennoch bestimmt auf. Inhaltlich ist der Unterschied zu Varoufakis gar nicht so groß: Der volkswirtschaftliche Standpunkt beider Ökonomen wird bisweilen als „John Maynard Keynes mit einer Prise Karl Marx“ beschrieben.

Tsakalotos war auf griechischer Seite federführend bei der Einigung Athens mit den Gläubigern auf ein drittes Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro. Im Parlament machte er sich dafür stark, die "sehr schwierigen Maßnahmen" durchzubringen. Er und sein Chef Tsipras überlebten den Parforceritt der letzten Monate politisch, während ihre Partei Syriza Federn lassen musste. Sie spaltete sich, Abweichler unter Panagiotis Lafazanis gründeten die Syriza-Abspaltung Volkseinheit.

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