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29.04.2015

13:43 Uhr

Griechenlands Finanzminister

Vermummte greifen Varoufakis an

Sie beschimpfen ihn und bewerfen ihn mit Gegenständen: Linksextreme haben den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in einem Restaurant angegriffen. Die Frau des Politikers verhinderte wohl Schlimmeres.

Angriff bei Restaurantbesuch

Anarchisten-Attacke: Ehefrau beschützte Varoufakis

Angriff bei Restaurantbesuch: Anarchisten-Attacke: Ehefrau beschützte Varoufakis

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AthenGriechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis ist nach eigenen Angaben in einer Athener Taverne von Vermummten beschimpft und angegriffen worden. Auf ihn und seine Frau seien bei dem Vorfall am Dienstagabend Gegenstände geschleudert worden, ohne dass sie getroffen worden wären, teilte Varoufakis am Mittwoch mit. Dies bestätigten auch mehrere Augenzeugen. Alle Parteien im Parlament verurteilten den Zwischenfall.

Varoufakis hatte in einer der Traditionstavernen der Region zu Abend gegessen. Kurz vor Mitternacht hätten ihn zunächst zwei Vermummte aufgefordert, das Lokal zu verlassen, er habe in ihrem Stadtteil Exarchia nichts zu suchen. Das Viertel gilt in der griechischen Hauptstadt als Hochburg der Autonomen-Bewegung. Die Vermummten wollten ihn schlagen, so Varoufakis. Dies habe seine Frau verhindert, „indem sie mich beschützend umarmte“, teilte er mit.

Anschließend hätten sich Dutzende Autonome vor der Taverne versammelt. Als er mit seiner Frau nach dem Abendessen mit seinem Motorrad wegfahren wollte, pöbelten sie ihn erneut an. Augenzeugen sagten der Deutschen Presse-Agentur, Varoufakis habe seinen Helm wieder abgenommen und mit den Autonomen geredet. Er habe ihnen gesagt, er habe lange Jahre im Autonomenviertel gelebt und finde die Gegend gut. „Ich habe ihnen gesagt, wenn sie mich schlagen wollen, dann sollen sie es tun. Sie sollen aber hören, was ich sagen möchte“, beschrieb Varoufakis selbst die Szene.

Schuldenschnitt bis „Grexit“ – wichtige Begriffe in der Schuldenkrise

Griechisches Schuldendrama

Vom Rettungsschirm über den Schuldenschnitt bis zum „Grexit“ – im griechischen Schuldendrama kommen immer wieder schwierige Begriffe vor. Was verbirgt sich dahinter eigentlich?

Hilfsprogramm

Dies bezeichnet aus Sicht der EU-Finanzminister die finanziellen Hilfen plus der von Griechenland versprochenen Sparprogramme und Reformen. Für die Europartner gibt es derzeit nur die Option, das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Sparauflagen zu verlängern.

Kreditprogramm

Die neue griechische Regierung forderte hingegen bislang eine Verlängerung des „Kreditprogramms“. Damit will sie nach Einschätzung der Geldgeber ausdrücken, dass sie das Geld weiter will - aber nicht die Auflagen des Hilfsprogramms.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist – gemessen an der Wirtschaftsleistung – der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit) gebildet – gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung im Rücken ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Grimbo

Der Begriff „Grimbo“ ist eine Fusion von Greece, also Griechenland und Limbo, zu deutsch Limbus. Limbus kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Gemünzt auf Griechenland meint „Grimbo“ ein Szenario, in dem Athen von den Europäern kein Geld bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt.

Graccident

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Unfall (Accident) gebildet. Das Wort beschreibt die Möglichkeit, dass Griechenland das Geld ausgeht und es deshalb den Euro verlassen muss. Wie groß die Gefahren eines „Graccident“ wären, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Wer eher für großzügige Griechenland-Hilfen argumentiert, hält die Gefahren eines „Graccident“ für größer – oder umgekehrt.

Moral Hazard

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Gemeint ist die Ausnutzung der Solidarität aus rücksichtslos verfolgtem Eigeninteresse. Würden alle Staaten nur an sich denken, würde zunächst Griechenland (Verbindlichkeiten von knapp 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach OECD-Prognose) einen Schuldenschnitt bekommen. Dann stünde Portugal (140 Prozent des BIP) und dann Italien (150 Prozent des BIP) auf der Matte. Spätestens an diesem Punkt würde die globale Finanzwelt in die Katastrophe stürzen, weil einer der größten Anleihemärkte der Welt implodieren würde.

Augenzeugen sagten weiter, die Autonomen hätten sich dann beruhigt. Die Vermummten nahmen die Kapuzen ab und die Schals vom Gesicht. Sie hätten ihm am Ende des Gesprächs gesagt: „Okay, Du kannst wiederkommen, aber nur, wenn Du kein Politiker mehr bist.“ Der Zwischenfall war damit beendet und Varoufakis fuhr davon.

Am Morgen wollte Varoufakis das Geschehen nicht mehr kommentieren. Er verwies auf seine schriftliche Erklärung, die mit dem Satz endet: „Egal wie viel Angst Gewaltanwendung einem macht, muss und kann die Antwort weder Rückzug noch Gegengewalt sein.“ Organisiert sei die ganze Sache nicht gewesen, meinte Varoufakis. Er werde weiterhin keine Polizeieskorte haben, wenn er privat ausgehe.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Rene Benedikt

29.04.2015, 11:01 Uhr

Mum hat er ja bzw sein Frau, Hut ab. Verstehe aber nicht wieso gerade Linksexteme ihn angreifen?!

Herr Fred Meisenkaiser

29.04.2015, 11:11 Uhr

Er hat mit den Angreifern gesprochen!!!!!
Auf diese gedanken käme ein deutscher Politiker wohl kaum!

Frau Ute Umlauf

29.04.2015, 11:38 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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