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21.06.2012

14:48 Uhr

Griechenlands neuer Finanzminister

Europas undankbarster Job

VonGerd Höhler

Vassilios Rapanos besetzt als neuer Chef des griechischen Finanzressorts den Posten, auf dem die fordernden Blicke ganz Europas liegen. Er muss drastische Sparmaßnahmen durchsetzen, gleichzeitig sein Land im Euro halten.

Der prominente Banker Vassilios Rapanos (l.) während eines Treffens mit dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras und den beiden Parteiführern der Koalitionspartner. dapd

Der prominente Banker Vassilios Rapanos (l.) während eines Treffens mit dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras und den beiden Parteiführern der Koalitionspartner.

AthenDer Grieche Vassilios Rapanos hat ein bewegtes Leben hinter sich. Das Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Piräus kennt er ebenso wie die Zellen auf der Insel Ägina und den berüchtigten Knast von Genti Koule. Hier saß er während der griechischen Militärdiktatur Anfang der 70er Jahre. Auf die Jahre in der Haft folgte eine umso glanzvollere Karriere als Hochschullehrer und Manager. Eigentlich hätte der Wirtschaftsprofessor den Ruhestand verdient.

Aber in einem Alter, wo andere in Pension gehen, übernimmt der 65-Jährige jetzt den schwierigsten Job seines Lebens. Aus dem repräsentativen, holzgetäfelten Büro des Präsidenten der National Bank of Greece (NBG), des größten Kreditinstituts des Landes, zieht er um in das sehr viel bescheidenere Amtszimmer des Finanzministers.

Die fünf wichtigsten Baustellen in Athen

Einnahmen steigern

Die Athener Regierung muss dringend Geld auftreiben, sonst sind am 20. Juli die Kassen leer. Der Staat könnte dann keine Renten und Gehälter mehr zahlen. In den ersten fünf Monaten lagen die Haushaltseinnahmen bereits rund 700 Millionen Euro unter dem Plan. Bis zum Jahresende könnte der Fehlbetrag auf 1,3 Milliarden anwachsen.

Finanzplanung

Die Troika fordert als Voraussetzung für weitere Hilfen bis Ende Juni eine detaillierte Finanzplanung für die Jahre 2013 und 2014. Dabei geht es um zusätzliche Einsparungen von 11,7 Milliarden Euro. Es gibt aber in Athen die Hoffnung, dass sich die Gläubiger auf eine Streckung dieses Konsolidierungsziels bis ins Jahr 2015 einlassen.

Schmerzliche Einschnitte

Die Troika verlangt Einschnitte im öffentlichen Dienst. Dazu gehören weitere Gehaltssenkungen, die Schließung überflüssiger Behörden und die Streichung von 150.000 Stellen bis 2015. Vor allem das ist in Griechenland ein politisch heißes Eisen.

Die Banken

Die Rekapitalisierung der angeschlagenen griechischen Banken muss in trockene Tücher gebracht werden. Dafür stehen aus dem Rettungsfonds EFSF insgesamt 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Die griechischen Parteien konnten aber vor der Wahl keine Einigung über die Modalitäten der Rekapitalisierung erzielen.

Reformen

Griechenlands Gläubiger erwarten eine Beschleunigung der bisher schleppenden Strukturreformen und der auf Eis gelegten Privatisierungen. Dadurch soll Griechenlands Wirtschaft wettbewerbsfähiger werden.

Rapanos kennt sich aus im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz. Schon einmal saß er hier im 6. Stock, der Ministeretage, allerdings in einem kleinen, verwinkelten Büro: von 2000 bis 2004 war Rapanos Vorsitzender des Sachverständigenrates im damaligen Wirtschafts- und Finanzministerium. In dieser Eigenschaft gehörte er zu den engsten Beratern des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Kostas Simitis. Der hatte Griechenland Ende der 90er Jahre mit einem strikten Spar- und Reformkurs, aber auch mit geschönten Statistiken, wie Kritiker sagen, in die Währungsunion geschleust. Jetzt soll Rapanos dafür sorgen, dass die Griechen den Euro behalten dürfen.

Auch auf dem Brüsseler Parkett, auf dem er sich künftig bewegen muss, kennt Rapanos sich aus: er arbeitete als Berater in der ständigen EU-Vertretung Griechenlands, bevor er 1998 Präsident des Verwaltungsrats beim Fernmeldekonzern Hellenic Telecom wurde.

Der 65-jährige Ökonom, der von der Dodekanes-Insel Kos stammt, übernimmt das undankbarste Ressort im neuen Kabinett. Das Land ist praktisch pleite – wieder einmal. Und Griechenlands Gläubiger drängen auf weitere Einsparungen im Haushalt. Der Rotstift wird deshalb das wichtigste Handwerkszeug des Finanzministers Rapanos sein. Knapp zwölf Milliarden Euro muss Athen in den Jahren 2013 und 2014 zusätzlich streichen, um die Sparziele zu erreichen. Es sei denn, die EU lockert die Vorgaben.

So arbeitet die Troika

Regelmäßige Überprüfung

Die Troika ist eine Gruppe von Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Seit dem Start des ersten Griechenland-Rettungspakets im Frühjahr 2010 überprüft sie alle drei Monate, ob Athen die Spar- und Reformauflagen erfüllt. Die einzelnen Tranchen der Notkredite geben die Eurozone und der IWF nur frei, wenn ihre Fachleute den griechischen Behörden vorher ein ausreichendes Zeugnis ausstellen und die Schuldentragfähigkeit als gesichert beurteilen.

Enge Zusammenarbeit

Die Experten arbeiten mit der Regierung in Athen beim Erstellen der Sparziele zusammen und geben auch Ratschläge zu ihrer Umsetzung.

Kein Geld ohne Zustimmung

Das Troika-Zeugnis ist für Griechenland von existenzieller Bedeutung.

Die Taskforce

Die Troika ist nicht zu verwechseln mit der sogenannten Taskforce. Diese Arbeitsgruppe der EU war im Sommer 2011 parallel zur Troika eingesetzt worden, um die griechische Konjunktur wiederzubeleben. Sie steht unter der Leitung des Deutschen Horst Reichenbach und soll bei der Umsetzung von Strukturreformen helfen, die die Troika Griechenland verschrieben hat.

Darüber will Rapanos in den nächsten Wochen mit der Troika sprechen. Der hochgewachsene, hagere Mann mit der randlosen Brille gilt als geschickter Verhandlungsführer: er tritt stets verbindlich und freundlich auf, versucht mit ruhig vorgetragenen Argumenten zu überzeugen. Rapanos scheue sich aber auch nicht, wenn nötig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, sagen Mitarbeiter.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

21.06.2012, 15:20 Uhr

AHA!
Finde ich gut, daß im Artikel die Worte "Junta", "Militärdiktatur" aus der jüngsten Vergangenheit Griechenlands zur Spache kommt.
Unter den gegebenen Umständen darf unter diesem Gesichtspunkt auch Herr F. als Interimslösung
gelten. Zehn Jahre kuckt er sich nach aller Läuterung durch Inhaftierung und anschließendem Ökonomiestudium diesen Staatszirkus zu und hat jetzt die Ferve für sein Vaterland den Währungsretter zu spielen.
Im Zirkus, so frage ich mich, hätte er welche Position inne: Des Zauberers, des Magiers, des Jongleurs, des Kapellmeisters, der Prima Ballerina oder , welch grauenvoller Gedanke, des Zirkusdirektors?
Die Vorstellung indes, mit wenig Applaus, ist aus.
PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

Anton_Pristermann

21.06.2012, 16:27 Uhr

Wirre Hitzköpfe, wie der Forist "Le-h-r-tasche", bestimmen schon seit langem die Leserkommentare im Handelsblatt. Das sind genau die Leute die die ganze Zeit auf die Griechen schimpfen und sich dann empören als Deutsche von Griechen beschimpft zu werden. In ihrem Geiz und in ihrer banalen Angst kommen sie nicht mehr dazu ihre Arbeit in ihrem Schrebergarten zu verrichten. Dort also, wo solch jämmerliche Gestalten geistig auch hingehören. Diese erbärmliche Griechenland-Hetze, auch vom Handelsblatt befeuert, nervt. Am ende soll niemand sagen dass er von "nichts" gewusst habe.

Account gelöscht!

21.06.2012, 21:18 Uhr

Da die griechische Regierung paradoxerweise sowohl zuviel als auch zuwenig unternimmt und damit gar nichts erreicht, braucht man sich über kritische Artikel im hb nicht wundern (zuviel Steuererhöhungen - zuwenig Ausgabensenkung, Deregulierung, Privatisierung). Dann noch Streiks, Kravalle, Kapitalflucht...

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