Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2012

20:13 Uhr

Griechische Anleihen

Wer macht mit beim Schuldenschnitt?

VonJan Mallien

Das Verhandlungsteam des Bankenverbands IIF ist auf dem Weg nach Athen. Die Gläubiger müssen sich mit der Regierung rasch auf den Schuldenerlass einigen - sonst droht der Staatsbankrott. Doch selbst ein großzügiger Verzicht könnte nicht reichen.

Die Fahnen der EU und Griechenlands vor der Akropolis in Athen. dpa

Die Fahnen der EU und Griechenlands vor der Akropolis in Athen.

Die Uhr für Griechenland tickt. Am 20. März müssen die Helenen Anleihen im Wert von 15 Milliarden Euro zurückzahlen. Gelingt ihnen das nicht, ist Griechenland Pleite. Deshalb sind die Griechen dringend auf ein neues Hilfspaket angewiesen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie sich endlich mit ihren Gläubigern auf einen Schuldenschnitt einigen.

Wesentliche Elemente des neuen Griechenland-Programms liegen aber offenbar noch immer nicht vor. Dies ist der Grund, warum laut Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker das zwischenzeitlich für Montag angekündigte Treffen der Finanzminister der Euro-Zone vorerst verschoben wurde. Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager erklärte nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Deutschland, Luxemburg und Finnland, wahrscheinlich werde es kommende Woche ein Ministertreffen der 17 Euro-Länder in Brüssel geben.

In EU-Kreisen hieß es, das zweite Paket der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds für Griechenland werde vermutlich mit 145 Milliarden Euro deutlich größer sein müssen als bislang mit 130 Milliarden Euro geplant. Eine positive Nachricht kam von Griechenland selbst: Das Haushaltsdefizit des Staates könnte 2011 etwas geringer ausfallen sein als bisher erwartet.

Griechenlands Reformen

Bereits umgesetzte Maßnahmen

• Grundstückssteuer (2 Mrd. Euro), die über die Stromrechnung eingezogen wird (ab 2012 durch Finanzamt)
• erstmals Entlassungen im öffentlichen Dienst (betrifft Beamte nahe Pensionsalter)
• Benzinsteuer und Heizölsteuer +10%
• Alkoholsteuer +10%
• Solidaritätsabgabe für 2011, 2012 und 2013 auf das Einkommen
• MwSt von 21 auf 23%
• Renteneintrittsalter heraufgesetzt, jedoch weiterhin keine einheitliche Regelung

Geplante Maßnahmen

• Beschleunigung der Privatisierung von Staatsunternehmen und Verwertung des öffentlichen Vermögens
• weitere Kürzung der Beamtengehälter
• weitere Kürzung von Sozialleistungen
• Aufbau nationaler Statistiken
• Abbau bürokratischer Hürden, Öffnung geschützter Berufe (Taxi, Apotheken u.v.m)
• Schließung von staatlichen Unternehmen
• Um die Pleite Griechenlands abzuwenden, erlassen die privaten Gläubiger (Banken und Versicherungen) dem Staat die Hälfte seiner Schulden (100 Mrd. Euro) oder mehr; dadurch soll der griechische Schuldenstand bis zum Jahr 2020 von 160 auf 120% des BIP verringert werden.
• Anleihen von EU-Staaten und EZB behalten ihren Wert, nur private Gläubiger machen Einschnitte; dafür gewährt EU weitere 100 Mrd. Euro bis 2014

Am Samstag sollen die Gespräche über einen Schuldenschnitt für Griechenland in Athen fortgesetzt werden. Dazu würden der Chef des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, und Jean Lemierre von der französischen  Bank BNP Paribas in die griechische Hauptstadt fliegen, erklärte ein IIF-Sprecher am Freitag. Beide waren am Freitag in Brüssel.

Schon häufiger hatten die Gläubiger angekündigt, dass sie in den Verhandlungen kurz vor einem Durchbruch stünden - ohne Ergebnis. Im Kern geht es dabei um die Frage, wer welche Lasten am Schuldenschnitt tragen soll. Außerdem gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie hoch der Schuldenschnitt sein muss, damit Griechenland wieder auf die Beine kommt.

Der Internationalen Währungsfonds (IWF) hat als Ziel vorgegeben, dass Griechenland seine Schuldenlast bis 2020 auf 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung drücken soll - derzeit liegt sie bei 160 Prozent. Im Herbst 2011 hatten sich die Euro-Länder deshalb darauf geeinigt, dass die privaten Gläubiger Griechenlands auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollen. Doch die damaligen Annahmen des IWF waren viel zu optimistisch - wie dieser inzwischen selbst einräumt. Der IWF ging beispielsweise davon aus, dass die griechische Wirtschaft bis 2020 im Schnitt um 2,5 Prozent jährlich wächst - in diesem Jahr wird sie aber laut Prognosen um mindestens drei Prozent schrumpfen. Außerdem veranschlagten die Ökonomen des Währungsfonds für den griechischen Staatshaushalt einen durchschnittlichen Primärüberschuss - also einen Haushaltsüberschuss vor Zinsausgaben - von 3,7 Prozent bis 2020. Davon sind die Griechen weit entfernt.

„Die Annahmen des IWF für Griechenland sind zu optimistisch“, urteilt auch Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Der im Herbst ausgehandelte Verzicht der privaten Gläubiger reicht daher nicht aus, um die Schuldenlast Griechenlands auf den Zielwert zu drücken. Deshalb streiten die Gläubiger Griechenlands darüber, wie sie die Lücke schließen können.

Insgesamt hat Griechenland Staatschulden in Höhe von 350 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 230 Milliarden Euro auf Privatgläubiger, jeweils 50 Milliarden Euro auf die Euro-Länder und die EZB und 20 Milliarden Euro auf den IWF. Die Beteiligung der Privatgläubiger am Schuldenschnitt könnte so aussehen, dass sie auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Weitere 35 Prozent sollen nach dem bisherigen Verhandlungsstand in neue Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren getauscht werden. Umstritten ist, wie hoch die neuen Anleihen verzinst werden sollen: Die Privatgläubiger fordern einen Zins von über 4 Prozent - der IWF und die Euroländer wollen ihn unter dieser Marke festsetzen. Die verbliebenen 15 Prozent sollen beim Umtausch direkt in bar ausgezahlt werden. Unterm Strich entspräche dies einem Forderungsverzicht von 70 bis 80 Prozent.

Kommentare (123)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pro-D

03.02.2012, 17:10 Uhr

So lange die Griechen so frech und böse über die Deutschen reden, besteht auch kein Grund, dass man ihnen dien Schulden erlässt.

Die sollen erst mal lernen sich anständig zu verhalten.

Delinix1

03.02.2012, 17:21 Uhr

Liebe Troika,
Liebe EZB, liebe Regierungen der Länder Europa's!

Habt Erbarmen mit dem griechischen Volk und macht der Sache endlich ein ENDE! Inzwischen will ein großer Teil der Bevölerung die DRACHME zurück! Die Wirtschaft steht still, wir warten alle auf eine Entscheidung!!
Im griech. TV wird die Drachme verteufelt - aber auf der Strasse hört sich das ganz anders an. Die Menschen sind fix und fertig. Es geht nicht mehr!!
Gebt den Griechen eine Chance!
Gebt Ihnen die Drachme!

leserlein

03.02.2012, 17:23 Uhr

ich mag ja Hysteriker.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×