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06.09.2015

14:02 Uhr

Griechische Gesundheitsversorgung

Krank gespart

Höhere Kindersterblichkeit, Menschen ohne staatliche Krankenversicherung: Das griechische Gesundheitssystem ist mit dem Land in die Krise geraten. Private Initiativen versuchen die Not wenigstens ein bisschen zu lindern.

Ein Sanitäter lädt eine Trage in Athen in einen Krankenwagen der privaten nonprofit-Organisation „Das Lächeln des Kindes“ . Die Gesundheitsversorgung in Griechenland geht am Stock. dpa

Griechenlands Gesundheitsversorgung

Ein Sanitäter lädt eine Trage in Athen in einen Krankenwagen der privaten nonprofit-Organisation „Das Lächeln des Kindes“ . Die Gesundheitsversorgung in Griechenland geht am Stock.

AthenEs ist noch früh am Morgen, als die Sanitäter Dionysis Arvanitakis und Stefanos Kapetanios mit atemberaubender Geschwindigkeit zu ihrem ersten Einsatz rasen. Mit dem Krankenwagen geht es durch den Athener Verkehr zu einem neun Jahre alten Patienten, der zu seinem Kliniktermin gebracht werden muss. Der Junge steht schon vor der Haustür bereit. Seine Mutter hat ein großes Kissen unter ihren Arm geklemmt. Beim letzten Besuch habe das Krankenhaus keine Kissen gehabt, sagt sie.

Seit Monaten hält die Griechenland-Krise Europa mal wieder in Atem. Gerade gab es ein drittes Hilfspaket der internationalen Geldgeber. Doch die seit fünf Jahren andauernden Sparmaßnahmen haben schon seit längerem zum Teil verheerende Auswirkungen für die Griechen - etwa im Gesundheitswesen.

Das sind Griechenlands Parteien

ND

Die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) mit 27,8 Prozent und 76 Abgeordneten.

Syriza

Das Bündnis der radikalen Linken (Syriza). Die Partei hatte bei den letzten Wahlen im Januar 36,4 Prozent und 149 Abgeordnete im Parlament mit 300 Sitzen erhalten. Nach ihrer Spaltung am Freitag hat die Syriza nur noch 124 Abgeordnete.

LAE

Die neue Fraktion Volkseinheit (LAE) mit 25 Abgeordneten. Diese Angeordneten waren bislang in der Syriza und spalteten sich aus Protest gegen die Sparpolitik ab.

Goldene Morgenröte

Die rechtsradikale Partei Goldene Morgenröte mit 6,3 Prozent und 17 Abgeordneten.

To Potami

Die Partei der politischen Mitte To Potami mit sechs Prozent und ebenfalls 17 Abgeordneten.

KKE

Die Kommunisten (KKE) mit 5,5 Prozent und 15 Abgeordneten.

Anel

Die rechtspopulistische Partei der unabhängigen Griechen (Anel) mit 4,8 Prozent und 13 Abgeordneten.

Pasok

Die Sozialisten (Pasok) kommen auf 4,7 Prozent und 13 Abgeordnete.

„Die pauschalen Sparmaßnahmen haben Leistungen in allen Bereichen verringert und die Gesundheitsversorgung ganz unmittelbar verschlechtert“, sagt Alexander Kentikelenis. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität von Cambridge und Experte für die Folgen von Finanzkrisen. Einige Reformen des Gesundheitswesens waren seiner Ansicht nach zwar erforderlich, das Ausmaß der Kürzungen aber habe wichtige Gesundheitsindikatoren massiv verschlechtert. So sei etwa die Kindersterblichkeitsrate zwischen 2008 und 2010 um 43 Prozent gestiegen, schreibt er in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“.

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Da in Griechenland eine Krankenversicherung nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit abläuft, hatte die Wirtschaftskrise verheerende Folgen für die Gesundheitsversorgung: Inoffiziellen Schätzungen zufolge haben nun zwei bis drei Millionen Griechen keine Krankenversicherung. Auch in den Krankenhäusern fehlt es an Geld. Die Etats der öffentlichen Krankenhäuser seien seit 2009 um 50 Prozent geschrumpft, sagt Charalampos Economou, Professor für Gesundheitspolitik an der Panteion Universität in Athen.

Private Organisationen versuchen, die Löcher wenigstens teilweise zu stopfen, die die Austeritätsmaßnahmen aufgerissen haben. So wie die Ehrenamtlichen von „Das Lächeln des Kindes“, für die sich auch die Sanitäter Arvanitakis und Kapetanios engagieren.

Kommentare (1)

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Herr C. Falk

07.09.2015, 08:09 Uhr

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