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02.03.2014

18:32 Uhr

Griechische Vetternwirtschaft

Die Rückkehr des Schuldenministers

VonGerd Höhler

Als griechischer Finanzminister führte Giannis Papathanassiou sein Land 2009 in nur neun Monaten an den Abgrund des Bankrotts. Nun hat er einen neuen lukrativen Job – bei einem Staatsunternehmen.

Griechenlands Ex-Finanzminister Giannis Papathanassiou ist zurück. Reuters

Griechenlands Ex-Finanzminister Giannis Papathanassiou ist zurück.

AthenWenn Hellenic Petroleum (ELPE), der größte griechische Mineralölkonzern, einen neuen Präsidenten des Verwaltungsrats bekommt, ist das normalerweise keine besonders aufregende Personalie. Es sei denn, der neue Chef heißt Giannis Papathanassiou. Die meisten Griechen hatten wohl gehofft, diesen Namen endlich vergessen zu können. Papathanassiou ist ihnen als jener Finanzminister in Erinnerung, der das Land 2009 in nur neun Monaten an den Abgrund des Staatsbankrotts führte. Jetzt ist er wieder da: Vergangene Woche berief ihn die Regierung an die Spitze des staatlich kontrollierten Ölkonzerns.

Offenbar hält Ministerpräsident Antonis Samaras ungeachtet der Krise an der griechischen Gewohnheit fest, verdiente Parteifreunde mit lukrativen Jobs im Staatssektor zu versorgen. Dabei gelten gerade das Klientelsystem und die Vetternwirtschaft als Ursache der griechischen Schuldenkrise.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Als Finanzminister war Papathanassiou, höflich ausgedrückt, glücklos. Sein Vorgänger Giorgos Alogoskoufis hatte das Haushaltsdefizit für 2009 bei 2,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) angesetzt. Das erwies sich aber schon in den ersten Wochen der Amtszeit Papathanassious, der vom damaligen Premier Kostas Karamanlis am 8. Januar zum Kassenwart berufen wurde, als illusionär. Trotz der globalen Finanzkrise, die sich seit 2008 anbahnte, und der schon spürbaren Rezession, erhöhte er die Haushaltsausgaben. Sie stiegen 2009 gegenüber dem Vorjahr von 61,6 auf fast 72 Milliarden Euro, während die Netto-Einnahmen wegen des Konjunkturabschwungs von 51,7 auf 48,5 Milliarden wegbrachen. So explodierte 2009 das Haushaltsdefizit von 22,8 auf 36,6 Milliarden Euro, der Schuldenberg wuchs von 263,1 auf 299,5 Milliarden. Griechenlands Schuldenquote stieg von 113 auf 129 Prozent des BIP.

Schlimmer noch: Papathanassiou verheimlichte der EU das drohende Haushaltsdesaster. Noch kurz vor der Wahl vom Oktober 2009, die ihn den Job kostete, meldete er ein voraussichtliches Haushaltsdefizit von sechs Prozent des BIP nach Brüssel. Tatsächlich erreichte die Quote bereits drei Monate später schwindelerregende 15,6 Prozent.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.03.2014, 08:57 Uhr


Lieber Signore Höhler,

Die Mafiakrake Familie Karamanlis verfügt über allerbeste Beziehung in das "Orthodoxe Lager im Osten". Gehen Sie bei einer fälligen Privatisierung von einem ominpotenten freundlichen Interessenten aus dem Osten aus. Entsprechend "pegelt" sich der fällige Kaufpreis ein. Zum Nutzen aller.

Dass sich in Hellas wenig ändert, ist uns allen bekannt.
Nicht nur Banken stehen weiterhin zur Plünderung offen.
Mit der Privatisierung und einem fälligen Schuldenschnitt gehen unseren Freunden "short" an Geldtransportbehältern.

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