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15.07.2015

12:42 Uhr

Griechische Wirtschaft am Boden

„Niemand produziert, niemand kauft, alle haben Angst“

Noch vor sechs Monaten gab es in dem angeschlagenen Land erste zarte Zeichen für Wachstum nach schwerer Rezession. Doch das ist vorbei. Und die neuen Sparauflagen dürften für einen weiteren Einbruch sorgen.

Die Banken sind derzeit zwar geschlossen, doch intern wird ihre Schieflage zusehends größer. dpa

Rentner vor einer griechischen Bank

Die Banken sind derzeit zwar geschlossen, doch intern wird ihre Schieflage zusehends größer.

AthenGriechenland hat sich einen Rettungspakt erhandelt. Doch die Erleichterung, dass das Land nicht aus der Euro-Zone fällt, wird wohl nicht lange währen. Denn die Wirtschaft liegt am Boden. Monate der politischen Zänkereien, die Unsicherheit über die Zukunft des faktisch bankrotten Landes und nicht zuletzt die Bankenschließung lähmen die Wirtschaft im Alltag. Und die neuen Sparmaßnahmen, die das dritte – noch nicht beschlossene – Rettungspaket der Gläubiger flankieren sollen, dürften die Krise noch vertiefen.

Analysten schätzen, dass Griechenlands Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um etwa 4 Prozent schrumpfen wird ein heftiger Rückschlag von dem leichten Wachstum, das die Wirtschaft vor sechs Monaten nach Jahren der Rezession erzielt hatte. Damals wirkte auch die Haushaltslage etwas stabiler, und die damalige Regierung liebäugelte damit, finanziell wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Doch im Frühjahr, inmitten der Streitereien zwischen der neuen Athener Regierung um die linke Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras und den internationalen Geldgebern, kam der Rückfall in die Rezession. Die Entscheidung der Regierung vor zwei Wochen, alle Banken zu schließen, um einen Sturm auf die Geldhäuser zu vermeiden und einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, versetzte der Wirtschaft einen weiteren schweren Schlag.

So stehen die Euro-Länder zum Schuldendrama (I)

Die Stimmung kippt

Die Hängepartie um eine Lösung des griechischen Schuldendramas setzt Europa mehr und mehr zu. In die Sorgen mischt sich zunehmend Ungeduld mit Athen – nicht nur in Deutschland, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Euro-Ländern ergab.

Deutschland

In Deutschland wächst die Skepsis, dass es vor dem 30. Juni zu einer Einigung mit Griechenland kommen wird. Auch der Sondergipfel der Euro-Zone könne nur etwas entscheiden, wenn es vorher eine Einigung Athens mit den Geldgebern gibt. „Der Gipfel am Montag kann nur ein Entscheidungsgipfel werden, wenn eine Entscheidungsgrundlage vorliegt“, sagt Kanzlerin Angela Merkel. Mit einem plötzlichen Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro („Grexit“) wird nicht gerechnet, sondern mit einem langen und zähen Prozess auch nach dem Stichtag.

Frankreich

In Frankreich ist nur wenig von Aufgeregtheit zu spüren. Präsident François Hollande mahnt seit Tagen eine schnelle Lösung an. In den nächsten Tagen müsse alles getan werden, um einen Kompromiss zu finden - „aber einen Kompromiss, der auf den europäischen Regeln fußt“. Während konservative Medien wie „Le Figaro“ warnen, Europa müsse sich vor dem griechischen Risiko schützen, kritisieren andere Blätter auch das „Einheitsdenken“ von Brüssel, Berlin und Paris.

Belgien

Belgien erwartet ein konkretes Engagement von Athen. Premier Charles Michel sagte jüngst: „Die Schonfrist für Griechenland ist vorbei.“ Er forderte den griechischen Premier Alexis Tsipras auf, nach fünf Monaten an der Spitze des Landes endlich Verantwortung zu übernehmen. Belgien ist nach Michels Worten der sechstgrößte Gläubiger Athens. Sozialisten und Linke warfen dem liberalen Premier im belgischen Parlament Arroganz und Würdelosigkeit vor.

Niederlanden

Die meisten Parteien in den Niederlanden unterstützen eine kompromisslose Linie gegenüber Griechenland und folgen damit Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, dem Chef der Euro-Gruppe. Einen Schuldenerlass würde die Mehrheit der Bürger Umfragen zufolge nicht akzeptieren. Allerdings ist auch die Sorge vor allem bei Unternehmern über die Folgen eines möglichen „Grexit“ groß. Privat lassen sich die Niederländer nicht von der Krise beeindrucken. Das südeuropäische Land ist nach der Türkei das beliebteste Ziel für den Sommerurlaub.

Luxemburg

In Luxemburg sorgt die Krise für besondere Aufmerksamkeit: Das Großherzogtum übernimmt am 1. Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft. Premier Xavier Bettel sieht „eine Bringschuld“ der Griechen, Athen müsse Vorschläge machen. Nach einem Treffen mit Angela Merkel Mitte Juni betonte er die Übereinstimmung mit der Kanzlerin, aber auch die Notwendigkeit einer praktikablen Lösung: „Man kann einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen.“

Österreich

Die rot-schwarze Regierung in Österreich steht Griechenlands Forderungen nach Schuldenerleichterungen zurückhaltend gegenüber. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) sagte aber jüngst in Athen, er habe Verständnis für die Ablehnung einiger Reformvorschläge der Geldgeber, wie die geforderte Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Medikamente. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) fehlen nach eigenen Angaben angesichts des griechischen Verhandlungsverhaltens langsam die Geduld und auch der Glaube an eine Einigung.

Italien

In Italien ist vor allem die Sorge groß, dass ein Ausstieg der Griechen aus dem Euro auch das eigene Land mitreißt. Ein Auslöser dafür war die Warnung des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras, bei einem Euro-Austritt Griechenlands könnten Spanien oder Italien dieses Schicksal teilen. Die italienische Regierung bemüht sich seither zu beruhigen. „Wir glauben nicht, dass es nach Griechenland Italien trifft“, sagte Außenminister Paolo Gentiloni.

Spanien

In Spanien ist Griechenland in den Cafés von Madrid, Barcelona oder Valencia kaum ein Thema. Unter Finanzexperten wachsen aber die Sorgen. „Die Investoren betrachten Spanien inzwischen wieder als Land mit hohen Risiken“, meint der Analyst Javier Urones von der Brokerfirma XTB. Bei der Zentralregierung in Madrid gibt man sich lockerer. Das Land sei auf „jede externe Gefahr perfekt vorbereitet“, beteuerte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. „Spanien braucht keinen Notfallplan.“

Portugal

In Portugal sorgt sich vor allem die Opposition um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Ein „Grexit“ würde „unweigerlich das Verbleiben Portugals in der Euro-Zone in Frage stellen“, heißt es in einem Papier der Sozialisten (PS). Auch der angesehene Finanzberater Filipe Garcia sagt: „Ich glaube, es gibt ganz klar eine Ansteckungsgefahr für Portugal.“ Die Regierung versucht, die Gemüter zu beruhigen: „Unser Land ist zur Zeit mit finanziellen Mitteln sehr gut ausgestattet.“

„Niemand produziert, niemand kauft, alle haben Angst“, sagt der 59-jährige Dimitris Farmakis, der eine Textilfabrik in Athen besitzt. Er sieht sich von den Kapitalverkehrskontrollen der Regierung getroffen. Die Limits für Geldüberweisungen machen es dem Unternehmer unmöglich, Vorräte oder Rohstoffe im Ausland einzukaufen. „In wenigen Wochen werden wir wegen dieser Engpässe nichts mehr produzieren können“, sagt er und spricht das aus, was viele Unternehmer befürchten.

Auch Lebensmittel könnten knapp werden, warnen Experten. Importe nach Griechenland sind ebenfalls durch die Kapitalverkehrskontrollen so gut wie unmöglich geworden. „Wir bekommen derzeit nur die Ware, die bereits bezahlt und importiert ist“, sagt Natassa Voudouri, Eigentümerin der Firma Contlift, die Güter aus Schiffscontainern im Lande verteilt. „Im Moment liefern wir die letzten Güter aus, dabei handelt es sich um Lebensmittel.“

Kommentare (1)

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Herr Helmut Weinberg

15.07.2015, 13:34 Uhr

Die Geldmacht "EZB" quält und schleift Griechenland, bis sie die Regierung Tsipras kippen. Bis zum Regierungswechsel geht jetzt das Chaos.

Und die neue Regierung soll sich vollkommen der Geldmacht aus Brüssel unterwerfen.

Das ist der Preis, um zum EURO "dazu zugehören".

Ist der Preis nicht etwas zu hoch, Griechen ? Geht lieber zurück zur Drachme !!!

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