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29.10.2013

13:32 Uhr

Griechischer Ex-Außenminister

„Wir haben auch abgehört”

Bespitzelung unter Alliierten wird nicht exklusiv von den USA betrieben – die Amerikaner wurden auch Opfer von Abhörattacken. Jetzt packt ein früherer griechischer Außenminister aus.

1997 war Theodoros Pangalos (r.) griechischer Außenminister (hier im Bild mit dem früheren mazedonischen Außenminister Blagoj Handziski). ap

1997 war Theodoros Pangalos (r.) griechischer Außenminister (hier im Bild mit dem früheren mazedonischen Außenminister Blagoj Handziski).

AthenNicht nur der US-Nachrichtendienst hat seine Alliierten ausspioniert. Auch der griechische Nachrichtendienst (EYP) hat Telefongespräche zwischen amerikanischen Diplomaten abgehört, wie der frühere griechische Außenminister, Theodoros Pangalos, am Dienstag sagte.

„Ich habe mich sehr dabei amüsiert, vom griechischen Nachrichtendienst mitgeschnittene Gespräche des US-Botschafters in Athen mit seinem Kollegen in Ankara sowie der Zentrale in den USA abzuhören“, erzählte Pangalos am Dienstag dem griechischen Nachrichten-Radiosender „Vima FM“ weiter.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Darin hätten sich die Diplomaten mit „für Jugendliche nicht geeigneten Ausdrücken“ über ihn und seine Politik unterhalten. „What is this mother-fucker Pangalos doing“, zitierte Pangalos aus einem dieser abgehörten Gespräche der Amerikaner auf Englisch.

Mehr als das, was man allgemein über die amerikanische Politik wusste, habe man beim Abhören dieser Unterhaltungen jedoch nicht erfahren, meinte Pangalos. Er war zwischen 1996 und 1999 griechischer Außenminister.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Aristoteles

29.10.2013, 14:17 Uhr

Endlich mal eine positive Nachricht von den Griechen.

geht-koan-wos-o

29.10.2013, 14:45 Uhr

[...]
...was nicht nur den Abhör"skandal" sondern auch die griechische Schuldenmisere und das Vorgehen der griechischen Regierung in dieser betrifft...
Oder anders ausgedrückt: Im Gegensatz zum deutschen [...] versteht es die griechische Regierung sehr wohl eigene Interessen zu vertreten, zu schützen – und einen Verhand-lungspartner so schnell und unbemerkt über den Tisch zu ziehen dass er die dabei entstehende Reibungs-hitze noch als Nestwärme empfindet…


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

WFriedrich

29.10.2013, 17:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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