Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2015

20:35 Uhr

Griechischer Finanzminister

Varoufakis will Schuldenfrage bis Mai lösen

Vollmundig versprach Giannis Varoufakis einen Schuldenschnitt und ließ den Euro-Gruppenchef Dijsselbloem abblitzen. Nun will der griechische Finanzmister nach Berlin. Ein Besuch sei für die Schuldenfrage „essenziell“.

Griechischer Finanzminister

„Werden mit der Troika nicht mehr zusammenarbeiten“

Griechischer Finanzminister: „Werden mit der Troika nicht mehr zusammenarbeiten“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ParisDer neue griechische Finanzminister Giannis Varoufakis plant nach eigenen Angaben Besuche in Berlin und Frankfurt am Main. Er würde dort gerne bald Gespräche führen, um die Haltung seines Landes in der Frage der Schuldenrückzahlungen zu erklären, sagte Varoufakis am Sonntag bei einer Pressekonferenz mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin in Paris.

Natürlich werde er nach Berlin fahren, um Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu treffen, sagte Varoufakis weiter. Ein solcher Besuch sei „essentiell“, schon wegen der Bedeutung Deutschlands in Europa. Dem Finanzministerium in Berlin liegt noch keine Anfrage zu einer solchen Visite vor, wie ein Ministeriumssprecher am Abend der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Varoufakis äußerte zudem die Hoffnung, dass eine internationale Übereinkunft zur Lösung der griechischen Schuldenkrise „bis Ende Mai“ getroffen werden könne. Griechenland werde keine neuen Kredite beantragen, kündigte er an. Die Regierung in Athen brauche aber noch ein bisschen Zeit, um ihre Position den verschiedenen Partnern zu erklären. Er wolle bis Ende Februar „unsere detaillierten Vorschläge“ auf den Tisch legen.

Die in der vergangenen Woche neu gewählte linkspopulistische Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras hat ein Ende der Sparpolitik und der Zusammenarbeit mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission angekündigt. Diese kontrollierte bislang die Umsetzung der Sparprogramme, die Griechenland im Gegenzug für Hilfskredite in Höhe von 240 Milliarden Euro zugesichert hatte.

Varoufakis und Tsipras wollen außer in Frankreich in den nächsten Tagen auch in Zypern und Italien für ihre Politik werben. Ein Stopp in Berlin ist bislang nicht vorgesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Forderungen nach einem Schuldenschnitt am Wochenende erneut eine Absage erteilt.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Von

afp

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Klaus Hofer

02.02.2015, 08:13 Uhr

Nach dem Affront gegenüber dem Vertreter der Euro Gruppe und der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Troika, besteht keinerlei Veranlassung mit der neuen griechischen Regierung ernsthafte Gespräche über einen Schuldenschnitt oder sonstige Erleichterungen zu führen. Das gilt insbesondere für Deutschland wie aber auch andere Staaten der Euro Zone. Wenn man jetzt gegenüber der griechischen Regierung Konsilianz zeigt, wird dies als Ausdruck der Schwäche interpretiert und dient zugleich als Steilvorlage für all diejenigen, die ernsthafte strukturelle Reformen ablehnen. Die Griechen haben Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt und nun eine Regierung gewählt, welche ihnen vorgaukelt, andere müssten dafür die Zeche zahlen. Es wird höchste Zeit, dass Griechenland aus der Euro Zone ausscheidet und sieht, wie es denn weiterhin ohne jede Disziplin zurecht kommt.

Herr Teito Klein

02.02.2015, 08:44 Uhr

Varoufakis rudert zurück
------------------
Vollmundig versprach Giannis Varoufakis einen Schuldenschnitt und ließ den Euro-Gruppenchef Dijsselbloem abblitzen. Nun will der griechische Finanzmister nach Berlin. Ein Besuch sei für die Schuldenfrage „essenziell“.

Erst schmeißt er die Troika raus, dann desavouiert er Dijsselbloem .
Über Deutschland spricht er von "Vierten Reich" und Merkel unterjocht die Griechen.
Erst wollten Tsipras und Varoufakis einen großen Bogen um Berlin machen, jetzt will sich Varoufakis aber doch mit Schäuble treffen.
In der Zwischenzeit pilgert Tsipras nach Zypern, Rom, Madrid, Brüssel und Paris um dort Unterstützung zu finden.
Ihre Gläubiger bezeichnen sie als "Partner"!

Herr Teito Klein

02.02.2015, 09:23 Uhr

Der Erzfeind der Griechen
------------
ist Deutschland. Sie fordern ein Ende der Sparpolitik, einen Schuldenschnitt von 90 Milliarden, Abschaffung der Troika, Wiedereinstellung der bisher entlassenen Beamten, eine Rückabwicklung der Privatisierung.

Und Tsipras hat angekündigt, dass demnächst auch Milliardäre (Reeder) Steuern zahlen sollen. Diese sind bisher per Gesetz von der Steuer befreit.
2.000 Familienclans verfügen über 80% des Volksvermögens.
Diese zur Steuer zu bitten ist illusorisch. Das Geld liegt längst im Ausland.

Und dann will er auch noch die Korruption bekämpfen. Die liegt den Griechen doch in den Genen.

Hierzu ein Bericht aus dem Spiegel:
Korruption in Griechenland: Paradies des Schmierens
------------
Die Justiz ist träge, die Presse abhängig, die Gesetzeslage günstig - in Griechenland blühen seit Jahrzehnten Bestechung und Bestechlichkeit. Einige Aufrechte stemmen sich wacker dem allgegenwärtigen "Fakelaki" und "Misa" entgegen. Ein Kampf auf verlorenem Posten?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/korruption-in-griechenland-paradies-des-schmierens-a-788116.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×