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21.01.2010

06:59 Uhr

Großbanken

OECD-Experten fordern eine Strukturreform

Bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schrillen die Alarmglocken. Eine hauseigene Studie habe ergeben, dass viele Großbanken zu einem Investitionsverhalten wie vor der Finanzkrise zurückgekehrt seien. Die Experten fordern nun einen umfassenden Strukturwandel der Institute, welcher die Risiken minimieren soll.

Die OECD beobachtet bei Großbanken den Rückfall in alte Geschäftspraktiken. dpa

Die OECD beobachtet bei Großbanken den Rückfall in alte Geschäftspraktiken.

FRANKFURT/BERLIN. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befürchtet die nächste Finanzkrise, wenn die neuerliche Risikoanhäufung bei großen Bankengruppen nicht unterbunden wird. Denn einige der in hohem Maße systemrelevanten Bankkonzerne expandierten ihr Investment-Banking, als hätte es nie eine Finanzkrise gegeben, schreiben die OECD-Experten in der Studie "The Elephant in the Room: The Need to Deal with What Banks Do". Ungeachtet der weltweiten Reformanstrengungen der G-20 sei das zentrale Problem der "elefantösen" Großbanken, nämlich deren Strukturreform, überhaupt noch nicht angegangen.

Die Experten der OECD fordern daher die Trennung der beiden unterschiedlichen Risikobereiche: des traditionellen Einlagengeschäfts von dem mit höheren Risiken behafteten Investmentbanking. Zu diesem Zweck sollten die diversifizierten Bankengruppen unter einer nicht operativ tätigen Holding (Non Holding Company-Operating Structure, NOHC) in rechtlich selbstständige, getrennt kapitalisierte und geführte Töchter zerlegt werden.

Die Einführung von Elementen des Trennbanksystems sehen die OECD-Experten als notwendige Ergänzung der im Rahmen der G-20-Reformen vom Baseler Bankenausschuss vorgeschlagenen "leverage ratios", also der Begrenzung der Gesamtverschuldung auf der Basis der Konzernbilanz. Dieser Ansatz wäre flexibler als die bis 1999 geltende US-Praxis. Die Begrenzung lasse allerdings außer acht, welche Geschäfte die einzelnen Bankengruppen tätigten und welche Risiken damit verbunden seien. Durch eine ergänzende NOHC-Struktur könne verhindert werden, dass Verluste im Investmentbereich auch den kommerziellen Bereich in Mitleidenschaft zögen und dieser seine Kapitalbasis verliere.

Die Verluste im Investmentbanking häuften sich aus mehreren Gründen: durch den riskanten Eigenhandel der Institute, die Abhängigkeit von der kurzfristigen Refinanzierung und die daraus resultierende Fristeninkongruenz, das Riesenrad im Derivategeschäft wie im Fall der AIG.

Wie sich im Verlauf der jüngsten Finanzkrise zeigte, haben global führende, diversifizierte Institute ihre gesamte Bankengruppe wie einen hoch gehebelten Hedge-Fonds aufs Spiel gesetzt. In diese Kategorie ordnen die OECD-Experten auch die Deutsche Bank mit einer Hebelung von 50 ein, obwohl diese nicht vom deutschen Staat gerettet werden musste. Gleichwohl weisen die Experten auf die Zahlungen des US-Staates an den Pleiteversicherer AIG hin. In Erfüllung von Absicherungsverträgen mit AIG hat die Deutsche Bank US-Staatshilfen in Höhe von 37 Prozent ihres Eigenkapitals erhalten.

Die Autoren der Studie schlagen vor, die vom Baseler Bankenausschuss angestrebten Hebelungsbremse (Group Leverage Ratio) mit einem auf Trennung von Investmentbanking und kommerziellem Banking ausgerichteten Konzernaufbau zu kombinieren. Sie richten sich dabei nach dem guten Abschneiden einzelner Länder - Australien und Kanada - und einzelner Bankengruppen - der australischen Macquarie-Bank und der spanischen Santander - in der jüngsten Finanzkrise.

Die Autoren empfehlen als Modell die australische Macquarie-Bankengruppe: "In einer solchen Konzernstruktur-Lösung kommt es zu einer klaren Kapitaltrennung, Konzernteile werden separat börsennotiert, sie müssen am Markt um ihr Kapital werben und bekommen damit eine entsprechende Marktdisziplin auferlegt", heißt es. Diese Struktur helfe, Geschäfte transparenter zu machen und lege interne Kapitalflüsse offen. Finanzierungskosten würden nicht "subventioniert", sondern entsprechend der eingegangenen Risiken zu bewertet und Kapitalzugriffe im Konzern im Falle des Konkurses beschränkt.

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