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27.03.2012

15:45 Uhr

Großbritannien

Gäste aus der City entlarven Cameron

VonMatthias Thibaut

Immobilienhaie, Banker und Heuschrecken gehören zu den Großspendern der Tories - und zu Camerons Gästen in Downing Street 10. Der Premier und Parteichef tritt die Flucht nach vorne an - aber sein Image ist ruiniert.

Englands Premierminister David Cameron. AFP

Englands Premierminister David Cameron.

LondonEin „zwielichtiger Geschäftsmann“, ein „geheimnisvoller Tycoon“, „ein Milliardär“ – nicht zum ersten Mal müssen großzügige Parteispender Spießruten in der britischen Presse laufen. Ihre Untat: Sie sind Parteispender der Torys und waren Dinnergäste in der Amtswohnung von Premier David Cameron in der Dachgeschosswohnung in der Downing Street Nummer 11. Noch größer ist der Schaden des jüngsten britischen Lobbyistenskandal für Cameron und seine Partei selbst. Gab es für Briten noch irgendwelche Zweifel, auf welcher Seite Cameron und seine Partei stehen, wurden sie diese Woche ausgeräumt. Erst kam das Publicity-Debakel des Haushalts der letzten Woche, der Rentner zur Kasse bat und die Steuern für Spitzenverdiener senkte. Nun ein neuer Lobbyistenskandal.

Auf der Gästeliste von Camerons „Spenderparties“ stehen Immobilienhaie, Banker und Hedgefonds-Manager, darunter der Ölhändler Ian Taylor, City Trader Michael Farmer (Red Kite), die Hedgefonds Gründer Michael Hintze (CQS) und Sir Paul Ruddock (Landsdowne Partners). „Haben diese Dinners etwas damit zu tun, dass Schatzkanzler George Osborne letzte Woche den Spitzensteuersatz für Großverdiener von 50 Prozent auf 45 Prozent herabsetzte“, fragte die Boulevardzeitung „Sun“. Der Skandal bestätigt das Image der Tories als Partei der Reichen und Privilegierten, das Cameron so verzweifelt zu bekämpfen  versuchte.

Die Quittung kam mit einer neuen Umfrage: Labour hat zum ersten Mal seit der Wahl einen entscheidenden Umfragevorsprung: Nach Informationen des Institutes ComRes liegt die Oppositionspartei mit 43 Prozentpunkten vor den Konservativen mit 33 Prozent. Camerons Versuch, die Tory Partei von den Erinnerungen der Thatcher Jahre zu „entgiften“ und vom Ruf einer Partei der Reichen und Privilegierten zu befreien, ist gründlich gescheitert.

Cameron ergriff die Flucht nach vorn: Erst entschlossen, die „Privatsphäre“ seiner Gäste zu schützen („alles alte Freunde“), machte er dann reinen Tisch und veröffentlichte die Liste der Spender, die er und Samantha in der auf Steuerzahlerkosten renovierten Dienst-Wohnküche mit dem teuren Edelstahl Range Cooker in der Downing Street bewirteten. Später wurde noch die Gästeliste vom Landsitz Chequers nachgereicht – eine noch größere Ehre. 16 Gäste kamen so zusammen, die seit Camerons Wahl zum Parteichef zusammen 23 Millionen Pfund spendierten – obwohl nicht alle auf die 250.000 Pfund kamen, die laut dem zurückgetretene Tory-Schatzmeister Peter Cruddas als Eintrittsgeld in die „Premierliga“ wirklich Türen öffnen und das Ohr der Mächtigen sichern sollen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.03.2012, 16:19 Uhr

Das ist nichts Neues... Mr Cameron hat sich nur erwischen lassen oder er ist jemandem im Weg. :) Diese Form der Investifizierung ist allgemein Usus, doch man hält sich normalerweise diskret im Hintergrund.

Account gelöscht!

27.03.2012, 16:35 Uhr

Seine Familie und er selbst kommen doch aus diesem Milieu, wieso musste er entlarvt werden. Verstehe ich nicht !

Seiner Familie und seiner wirklich guten Freunde sollte man sich nicht schämen müssen oder sie gar verheimlichen.

spdschroedder

27.03.2012, 17:09 Uhr

kümmert euch um die spender des spd fuhrparks,die firma BMW
man sollte nicht im fremden sumpf reihern...

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