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17.04.2011

12:51 Uhr

Großbritannien

Kirche macht Front gegen Manager-Boni

VonMichael Maisch

Die Church of England macht Front gegen überzogene Bonuszahlungen für Manager - und kann sich dabei neben geistlicher auch auf handfeste finanzielle Macht stützen.

Die Church of England hat beträchtliche finanzielle Macht hinter sich. Quelle: Reuters

Die Church of England hat beträchtliche finanzielle Macht hinter sich.

LondonDie anglikanische Kirche macht mobil gegen die Sünden der modernen Geldwechsler in der Londoner City. Rowan Williams, der Erzbischoff von Canterbury hat schon während der Finanzkrise mit seiner harrschen Kritik an den Banken, "die bisher keine Reue gezeigt" hätten für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat der Klerus sozusagen offiziell klar gemacht, wie hoch die Boni maximal ausfallen dürfen, wenn sie den Segen der Church of England bekommen sollen.

Manager, deren Zulage mehr als vier mal so hoch ausfällt wie ihr Grundgehalt, müssen demnach zwar nicht die ewige Verdammnis aber doch den Widerstand der Kirchenmänner fürchten. Das ist keine leere moralische Drohgebärde, denn die Church of England hat beträchtliche finanzielle Macht hinter sich und verwaltet als Großinvestor ein Immobilien und Wertpapierportfolio von immerhin 5,3 Milliarden Pfund.

"Die Kirche existiert, um die Evangelien zu verbreiten, und in der Bibel geht es um Gerechtigkeit für alle", zitiert die Zeitung "Financial Times" einen Sprecher der Church Commissioners, die das Milliarden-Portfolio für die Anglikanische Kirche verwalten. Deshalb werde die Church of England auf den anstehenden Hauptversammlungen gegen alle Boni stimmen, die nicht der eigenen Definition von gerechter Bezahlung entsprechen.

Das könnte Dutzende britischer Großkonzerne, vor allem die Banken, in Konflikt mit der Kirche bringen. Zu den größten "Sündern" zählt Bob Diamond, der Chef der Großbank Barclays, der für das vergangene Jahr einen Bonus von 8,8 Millionen Pfund kassierte, 35-mal höher als sein Grundgehalt.

Der moralische Widerstand gegen überzogene Boni heißt aber noch lange nicht, dass der englische Klerus das moderne Finanzwesen grundsätzlich ablehnen würde. Die Banker in der Londoner City wissen genau, dass gerade Kirche und Wohltätigkeitsverbände zu den renditehungrigen Investoren zählen.

Im Herbst 2009 wehrte sich die Anglikanische Kirche zum Beispiel mit einem offiziellen Protestschreiben gegen die strengere Regulierung von Hedge-Fonds, die die EU damals vorbereitete. Damals sprachen die geistlichen Würdenträger von "ernsten Bedenken" gegen die Brüssler Pläne, die Beschränkungen der EU behinderten die Kirche attraktive Renditen zu erwirtschaften, die am Ende wiederum der Öffentlichkeit und den Bedürftigen zugute kämen.

Kommentare (1)

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Judas

17.04.2011, 15:39 Uhr

Mir wird übel.
Die verlogene Kirche macht lauen Wind gegen ein paar Bankster.....

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